• vom 23.01.2017, 16:09 Uhr

Kultur

Update: 24.01.2017, 16:08 Uhr

Sprachschätze

Glatt wegkommen




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Von Hilde Weiss

  • Sprachschätze
  • Manch Glattes und Blankes findet sich in unserem Wortschatz - man kann, das ganze Jahr, ziemlich schnell aufs Glatteis geraten.

Hilde Weiss ist Journalistin und Übersetzerin. Veröffentlichungen auch in mehreren deutschen Zeitungen.

Hilde Weiss ist Journalistin und Übersetzerin. Veröffentlichungen auch in mehreren deutschen Zeitungen. Hilde Weiss ist Journalistin und Übersetzerin. Veröffentlichungen auch in mehreren deutschen Zeitungen.

Auffallend vielseitig: Die Glätte kommt von einem germanischen Wort für glatt, schlüpfrig und froh, eng verwandt mit der Glatze, "die glatt ist", und dem englischen Wort glad für freudig, fröhlich, erfreulich, ursprünglich leuchtend, blank. Blank, das kommt von einem vordeutschen Wort für glänzend, hell, weiß. Spiegelglatt, das führt zum lateinischen Verb specere für sehen. Und das Glitschige kommt vom Gleiten.

Schlüpfrig hieß früher schlipferig und schlipfig, vom mittelhochdeutschen Verb slipfen für ausgleiten, rutschen, fallen, eng verwandt mit dem Slip, "dem Schlüpfer". Beim Rutschen, einem lautmalenden Wort, war man sich nicht sicher und versuchte es mit rütschen, rützen und rutzen.


Wie poliert - vom lateinischen Verb polire für feilen. Plan, das kommt vom lateinischen Adjektiv planus für flach, eben, um das es sich auch handelt, wenn man auf den Plan tritt, vom mittelhochdeutschen Wort plan für Turnier- und Kampfplatz, eng verwandt mit dem Planieren und dem Aquaplaning, "dem Wassergleiten" (der Wasserglätte). Mit dem Plan als Grundriss und Vorhaben hat das übrigens nichts zu tun, denn dieser kommt, eng verwandt mit der Plantage, über das Französische von den lateinischen Wörtern planta für Fußsohle, Setzling und plantare für pflanzen, "festtreten der Erde um den Setzling" (mit der Sohle).

Glatte Stellen übersieht man leicht, auch im Wortschatz: Das Schlechte zum Beispiel, "das Schlichte", das von einem germanischen Wort für eben, geglättet kommt und zuerst einfach bedeutete, schlicht, wie in der Redensart schlecht und recht, "schlicht und recht", eng verwandt mit dem Schleichen, das von einem Wort für gleiten und rutschen kommt.

Bei der Straße hat man es mit dem lateinischen Verb sternere für glätten, ausbreiten zu tun. Atlas (als Gewebe) heißt im Arabischen "der Glatte" (der Feine). Hallimasch ist vom alten Wort hal für glatt, schlüpfrig beeinflusst. Und Nut, vom althochdeutschen Verb nuoen für glätten, heißt "Geglättetes".

Die höchsten Wogen glätten sich irgendwann und alles geht wieder glatt. Glatt hat unzählig viele Bedeutungen. Zum Beispiel reibungslos, das wie das Rubbeln auf eine indoeuropäische Wurzel für drehen zurückgeht. Einfach, was ursprünglich einmal, einmalig bedeutete. Mühelos, "müdelos", von einer Wurzel für sich anstrengen, ermüden.

Was Glatt geht, funktioniert - vom lateinischen Verb fungi für verrichten, "fungieren". Es klappt, ein lautnachahmendes Wort, das darauf zurückgeht, dass früher Geschäfte und Vereinbarungen gern mit einem deutlichen Klappgeräusch zum Abschluss gebracht wurden, "zum Klappen". Glatt heißt ohne Umschweife: Das kommt vom Schweifen und dieses, wie auch der Schweif, von einem germanischen Wort für schwingen. Glatt, ohne Umstände, "ohne Herumstehen" (etwas "umstehen"): Das kommt von einem mittelhochdeutschen Wort für etwas umgeben, auch auf Angelegenheiten bezogen, da sie von Gutem und Schlechtem umgeben, "umstanden", sind.

Glattweg. Schlankweg, "schlank weg" (ohne Drumherum wegkommen), von einer indoeuropäischen Wurzel für sich winden, sich krümmen, schwinden, ursprünglich in der Bedeutung biegsam. Mir nichts, dir nichts, ursprünglich: ohne dir oder mir zu schaden.




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Sprachschätze, Etymologie

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-01-23 16:14:04
Letzte ─nderung am 2017-01-24 16:08:05



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