• vom 15.03.2017, 16:04 Uhr

Kultur

Update: 16.03.2017, 09:46 Uhr

Architektur

Fallender Stern




  • Artikel
  • Lesenswert (1)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Manuel Meyer

  • Santiago Calatrava setzt sich in London ein architektonisches Denkmal - Baumängel und Überkosten holen ihn vom Olymp.

Santiago Calatravas "Peninsula Place" in London stellt erneut die Frage, ob der Architekt nicht künstlerische Kriterien höher bewertet als Funktionalität. - © twitter/Ronen Bekerman

Santiago Calatravas "Peninsula Place" in London stellt erneut die Frage, ob der Architekt nicht künstlerische Kriterien höher bewertet als Funktionalität. © twitter/Ronen Bekerman

Wenn Städte nicht nur einfach Gebäude, sondern neue Wahrzeichen errichten wollen, rufen sie weltberühmte Stararchitekten wie Sir Norman Foster oder Frank O. Gehry an. So machte es jüngst auch London.

Vor wenigen Wochen wurde der spanische Stararchitekt Santiago Calatrava (Valencia, 1951) beauftragt, im Londoner Stadtviertel Greenwich einen gigantischen Kultur- und Freizeitkomplex für 1,16 Milliarden Euro zu bauen.


Das "Peninsula Place" soll das Wahrzeichen der sogenannten Greenwich Peninsula Landzunge werden, die schon seit einiger Zeit für über acht Milliarden Euro saniert und umgestaltet wird.

Markenzeichen Extravaganz
Besucher werden Calatravas futuristischen Gebäudekomplex mit der U-Bahn erreichen, die direkt in einen rund 25 Meter hohen Wintergarten in einer verglasten Galerie fährt. Hier werden sich auf über 130.000 Quadratmetern Theater, Kinos, Filmstudios, Veranstaltungssäle, Bars, Geschäfte, Restaurants und ein Wellness-Zentrum befinden.

Über der Galerie werden sich drei elegant geschwungene Hochhäuser mit Büros, Hotels und Wohnungen erheben, die alle über eine ebenfalls von Calatrava gestaltete Landbrücke mit der Themse verbunden sind. Mit diesem aufsehenerregenden Großprojekt wird sich der Spanier zweifellos ein architektonisches Denkmal setzen.

Doch seine schneeweißen Brücken und extravaganten Gebäude stehen immer häufiger in der Kritik. Vor allem in seiner spanischen Heimat taucht er seit Jahren häufiger wegen Rechtsstreitigkeiten mit Kunden als wegen spektakulärer Neubauten in der Presse auf. Der Grund: Baumängel, Konstruktionsfehler, Überkosten und große Verzögerungen bei der Fertigstellung seiner Bauten.

"Calatravas Bauwerke kosten teils das Drei- oder Vierfache vom geplanten Preis", versichert der bekannte spanische Architekturkritiker Llàtzer Moix. In seinem 2016 im spanischen Anagrama-Verlag veröffentlichten Buch "Queríamos un Calatrava" ("Wir wollten einen Calatrava") beschreibt Moix den Fall Calatravas vom Olymp.

So kostete die architektonisch zweifellos spektakuläre "Stadt der Künste und Wissenschaften" in Valencia den Steuerzahlern statt der veranschlagten 270 Millionen Euro satte 727 Millionen. Mit der langjährigen Verzögerung seiner "Oculus"-Halle der New Yorker World Trade Center U-Bahn-Station und einer Kostenexplosion von zwei auf vier Milliarden US-Dollar verlor Calatrava auch in den USA seine Reputation.

weiterlesen auf Seite 2 von 3




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-03-15 16:09:09
Letzte ńnderung am 2017-03-16 09:46:29



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. für andrea maria dusl
  2. "Ich habe keine gefolterte Seele"
  3. Leben gegen Leben
  4. Sex am Lost Highway
  5. Rückgriff ins Glück
Meistkommentiert
  1. Ungeknickt durch den Sturm
  2. Deutscher Karikaturenpreis für Erdogan-Zeichnung
  3. Verhandler könnten ORF-Gebühr kappen
  4. AC/DC-Gitarrist Malcolm Young ist tot
  5. Ein Amerikaner besucht Wien

Werbung




Werbung



Werbung