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Kultur

Update: 03.05.2017, 14:24 Uhr

Sachbuchbesprechungen

Die vergängliche Herrlichkeit der Welt




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Von Heiner Boberski

  • Drei neue Bücher beleuchten aus unterschiedlichen Blickwinkeln Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Papsttums.

Der Rauch ist schwarz? - Der Rauch ist weiß: Habemus Papam! - © dpa/Michael Kappeler

Der Rauch ist schwarz? - Der Rauch ist weiß: Habemus Papam! © dpa/Michael Kappeler

"Vatikan, 12. April 2059. Am heutigen Tag hat Papst Hadrian VII. ein neues Papstwahldekret mit dem Titel In Nomine Domini in Kraft gesetzt, das seine Bewährungsprobe in der Praxis freilich erst noch bestehen muss." So beginnt das letzte Kapitel des neuen Buches "Konklave", in dem der Münsteraner Kirchenhistoriker Hubert Wolf - Autor der Bestseller "Die Nonnen von Sant‘ Ambrogio" und "Krypta" - die Modalitäten der Papstwahl darstellt. Für seine abschließenden Spekulationen darüber, wie ein künftiger Papst die Papstwahl - und zwar durchaus im Sinn alter kirchlicher Traditionen - reformieren könnte, hat er das Datum und den Papstnamen nicht zufällig gewählt.

Päpste seit Petrus
Am 12. April 1059, also genau 1000 Jahre zuvor, beschränkte Papst Nikolaus II. das aktive Wahlrecht für die Papstwahl auf die Kardinäle. Und 1522 legte - auch als Reaktion auf Martin Luthers Thesen - Papst Hadrian VI. ein berühmtes Schuldbekenntnis ab, verbunden mit harter Kritik an der Kurie, die er aber, weil er bald darauf starb, nicht mehr zu reformieren vermochte. Hubert Wolf rechnet damit, dass auch die Reformbemühungen des gegenwärtigen Papstes Franziskus scheitern könnten und erst wieder in rund 40 Jahren "die Stunde der Reformer" schlagen wird.


Die römisch-katholische Kirche führt das Papsttum auf das Matthäus-Evangelium zurück. Dort sagt Jesus zu jenem Apostel, der ursprünglich Simon hieß und Kephas (Fels) genannt wurde: "Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen, und die Pforten der Hölle werden sie nicht überwinden." Nach kirchlicher Überlieferung hat Petrus später die christliche Gemeinde in Rom geleitet und ist dort als Märtyrer gestorben.

Volker Reinhardt, Historiker an der Universität Fribourg, zeichnet in seinem neuen Mammutwerk "Pontifex" die Geschichte der Petrusnachfolger - von den ersten kennt man kaum mehr als die Namen - umfassend und kritisch nach. Der "erste Papst" - wiewohl es diesen Titel erst ab dem 5. Jahrhundert gab - ist für Reinhardt Damasus im 4. Jahrhundert, der den umfassenden Primat des Bischofs von Rom beanspruchte. Seither gab es Lichtgestalten und alles andere als solche auf der Cathedra Petri, aber höchstwahrscheinlich - hier sind sich Reinhardt und Wolf einig - nie die "Päpstin Johanna". Stellvertreter Christi nannte man den Bischof von Rom, der auch vom Oberpriester des altrömischen Götterkultes den Titel "Pontifex maximus" erbte, erst ab Innozenz III. (1198-1216). Seine "Unfehlbarkeit", sofern er eine Lehre "ex cathedra" verkündet, hat erst 1870 das Erste Vatikanische Konzil festgelegt, seither wurde nur ein einziges Mal davon Gebrauch gemacht: 1950 durch Pius XII., der nach einer Befragung aller Bischöfe die leibliche Aufnahme Marias in den Himmel dogmatisierte.

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Dokument erstellt am 2017-04-13 15:51:10
Letzte nderung am 2017-05-03 14:24:11



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