• vom 10.05.2017, 15:51 Uhr

Kultur

Update: 10.05.2017, 16:15 Uhr

Interview

"Das ist wie Mobbing"




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Von Petra Paterno

  • Die Präsidentin des Bundesdenkmalamtes, Barbara Neubauer, über die Rechnungshof-Kritik und die Zukunft der Behörde.

"Wenn wir Einnahmen generieren, wäre unsere Unabhängigkeit gefährdet", sagt BDA-Präsidentin Barbara Neubauer.

"Wenn wir Einnahmen generieren, wäre unsere Unabhängigkeit gefährdet", sagt BDA-Präsidentin Barbara Neubauer.© Robert Newald "Wenn wir Einnahmen generieren, wäre unsere Unabhängigkeit gefährdet", sagt BDA-Präsidentin Barbara Neubauer.© Robert Newald

Das Bundesdenkmalamt (BDA) gerät unter Beschuss. Es droht möglicherweise die Filetierung oder Ausgliederung der Bundesbehörde. Auch der Rechnungshof kritisierte jüngst die Gebarung der mächtigen Einrichtung.

Barbara Neubauer, BDA-Präsidentin, geht im Interview mit der "Wiener Zeitung" erstmals auf Kritikpunkte ein und äußert sich über die Zukunft der Einrichtung.


"Wiener Zeitung":Der Rechnungshof kritisierte jüngst massiv die Organisation des Bundesdenkmalamtes. Ist die mächtige Institution in der Krise?

Barbara Neubauer: In der Öffentlichkeit werden wir meistens dann wahrgenommen, wenn es ein Problem gibt. Dies betrifft aber nur Einzelfälle. Wir stellen jährlich an die 4300 Bescheide aus - Unterschutzstellungen, Grabungen, Ausfuhren von Kunstwerken et cetera. Das sind häufig knifflige Entscheidungen. Zudem hat jeder Eigentümer das Recht, gegen einen Bescheid beim Verwaltungsgericht zu berufen. In 0,35 Prozent der Fälle kommt es zu Berufungen, davon werden zwei Drittel für uns entschieden. 200 Kollegen arbeiten bis zum Anschlag, und sie erledigen ihre Arbeit hervorragend. Der Denkmalschutz ist keineswegs in Gefahr. Wie wir derzeit öffentlich schlecht geredet werden, das ist wie Mobbing.

Wie meinen Sie das?

Der Rechnungshof hat punktuell geprüft, ohne den größeren Zusammenhang zu berücksichtigen. Möglicherweise wurde nicht wirklich verstanden, wie unsere Organisation funktioniert. Wir sind nicht nur eine Behörde, die Bescheide erteilt, wir sind auch eine Forschungs- und Serviceeinrichtung, die Denkmalpflege praktisch vor Ort betreibt. Denkmalschutz ist nur in Interaktion mit Eigentümern und Handwerkern möglich.

Kommt es da aufgrund des Machtgefälles gegenüber Anbietern am freien Markt - es gibt viele Privatfirmen von Archäologen, Restauratoren, Steinhauern, Goldschmieden - nicht zu einer unzulässigen Einflussnahme des Marktes?

Das wird uns immer wieder vorgeworfen. Es mag sein, dass bei der einen oder anderen Firma der Eindruck entsteht, benachteiligt zu werden, aber glauben Sie mir, jeder Mitarbeiter wird sich hüten, irgendetwas in diese Richtung zu unternehmen. Wir unterliegen strengen Compliance-Vorgaben. In den vergangenen 20 Jahren ist der Markt sehr gewachsen, Qualität und Spezialisierung haben enorm zugenommen. Wo früher ein einziger Kirchenmaler gearbeitet hat, ist jetzt ein Team an Restauratoren und Spezialisten am Werk. Davon profitieren alle.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-05-10 15:57:06
Letzte ńnderung am 2017-05-10 16:15:42



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