• vom 05.06.2017, 15:27 Uhr

Kultur


Ökologie

Die kranke Mutter




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Von Edwin Baumgartner

  • Der 6. Juni ist der internationale Tag der Ozeane - das Ökosystem Meer ist heute gefährdeter denn je zuvor.

- © fotolia/robertharding

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Als Jurij Gagarin an jenem 12. April 1961, mit dem das Zeitalter der bemannten Raumfahrt begann, aus dem Fenster seiner Wostok-1-Kapsel sah, erblickte er die Erde als blauen Planeten. Das Meer ist der allbestimmende Faktor der Erde, es ist die Mutter allen Lebens, es ist der Motor allen Lebens. Der 6. Juni ist der internationale Tag der Ozeane. Das ist kein Umweltschutz-Tag wie viele andere. Denn obwohl beispielsweise eine Welt mit Walen schöner ist als eine Welt ohne Wale, kann eine Welt ohne Wale eine Leben tragende Welt sein. Eine Welt ohne Meer aber oder eine Welt mit einem toten Meer ist eine tote Welt.

Wo Meer ist, ist Leben
Die Griechen der Antike nützten das Meer als Handelsweg. Vielleicht aber ahnten sie dunkel seine wahre Bedeutung, denn Okeanos, der Gott des die Erde umströmenden Wassers, ist laut Homer der Vater aller Götter, der Ursprung der Meere, Flüsse, Quellen und Brunnen. Seine Frau Tethys ist die Göttin der Meere.


"Meer, mit deiner lebendigen Salzflut, mit deinen ungeschaufelten, doch stets bereiten Gräbern; / Heulendes, sturmtosendes, wetterwendisches und liebliches Meer; / Du und ich, wir sind eins", dichtete der Amerikaner Walt Whitman in der visionären Erkenntnis, dass die Ozeane Quell allen Lebens und Spiegel allen Lebens sind, und ein Sprichwort aus dem Jemen weiß: "Die See ist das Leben und der Tod."

Wohl seit es Menschen gibt, haben sie den Kampf mit der See ausgefochten: als Fischer, auf Frachtschiffen, auf Entdeckungsfahrten. Wer das Meer und seine Handelswege beherrscht, beherrscht die Welt. Die Seewege sind die Straßen, auf denen die Schiffe uns Energie und die Güter unseres Wohlstands heranschaffen. Bis heute ist das Meer ungezähmt. Schneller mag die Seefahrt geworden sein, sicherer wohl auch, gefahrlos ist sie nicht. Und sinken heute auch weniger Schiffe, so greift das Meer doch immer wieder nach ihnen mit der Kraft seiner Wogen und den Monsterwellen, die sich bis zu 26 Meter hoch auftürmen. "Navigare necesse est, vivere non est necesse", sagte der römische Feldherr Gnaeus Pompeius Magnus: "Seefahrt ist notwendig, Leben nicht."

Kaum erforscht ist diese Mutter allen Lebens. Zu zwei Drittel bedeckt das Meer den Planeten. 4000 Meter ist seine durchschnittliche Tiefe. Etwa 230.000 Lebensarten kennt man in den Ozeanen. Doch immer noch gilt, dass wir über die Oberfläche des Mondes mehr wissen als über die Tiefsee. Sie beginnt der Definition nach bei einer Wassertiefe von 200 Meter, denn nur bis hierher dringt das Licht der Sonne. Damit gehören 88 Prozent des Ozeans der Tiefsee an.

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Dokument erstellt am 2017-06-05 15:32:09



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