• vom 26.06.2017, 15:54 Uhr

Kultur

Update: 26.06.2017, 16:17 Uhr

Sachbuch

Der linksdemokratische Visionär




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Von Wolfgang Taus

  • US-Politiker Bernie Sanders verlautet in einem neuen Buch sein bekanntes Credo: für Fairness und Gerechtigkeit, gegen Habgier der Superreichen.

Fordert die gelebte Demokratie: Bernie Sanders.

Fordert die gelebte Demokratie: Bernie Sanders.© afp Fordert die gelebte Demokratie: Bernie Sanders.© afp

"Einen langjährigen Verbündeten wie Deutschland zu beleidigen ist etwas, womit viele von uns sich unwohl fühlen", betonte der frühere US-Präsidentschaftskandidat und Senator der Demokratischen Partei, Bernie Sanders, unlängst. Damit spielte er auf Kritik des amtierenden Präsidenten Donald Trump an, der Deutschland und dessen Kanzlerin Angela Merkel in einer Twittermeldung für den Handelsüberschuss und die aus seiner Sicht zu geringen Militärausgaben scharf kritisiert hat. Der 75-jährige Sanders fügte noch hinzu: "Meiner Ansicht nach ist es nicht akzeptabel, dass der Präsident die deutsche Kanzlerin öffentlich attackiert."

Bei den Vorwahlen zum US-Urnengang (in denen die Parteien ihre Kandidaten küren) gewann Sanders vor allem viele junge linksorientierte Wähler für seine Reformvorstellungen, unterlag parteiintern dann aber der (letztlich glücklosen) Demokratin Hillary Clinton.

Information

Sachbuch
Unsere Revolution
Bernie Sanders, Ullstein 2017, 464 Seiten, 24,70 Euro

Nun legt der "demokratische Sozialist", wie er sich selbst sieht, in seinem packenden Buch mit dem Titel "Unsere Revolution" nach, um die Menschen für eine "bessere und gerechtere Gesellschaft" aufzurütteln. Seine Vision umfasst ein Wirtschaftssystem, das nicht nur Arbeit schafft, sondern auch für gerechte Löhne sorgt; ein Gesundheitswesen, das allen zugutekommen sollte; den nachhaltigen Schutz der Umwelt - und ein entschiedenes Eintreten gegen jede Form von Rassismus. Nur durch diese umfassende Neuorientierung, meint Sanders, werde es gelingen, Amerika und der Welt ein besseres Dasein zu ermöglichen. Klingt nach abgedroschenen sozialistischen Slogans, sollte aber zum Nachdenken anregen. Ihm gehe es nicht um gewaltsamen "Umsturz", sondern darum, dass die Menschen die Demokratie wirklich leben. "Der Kampf für ökonomische, soziale, ethnische und ökologische Gerechtigkeit darf nicht aufhören. Der Kampf gegen die Habgier der Milliardärskaste muss weitergehen", schreibt Sanders. Diese Ziele können aber nicht erreicht werden, "wenn wir die Demokratie nur aus der Zuschauerperspektive betrachten und annehmen, dass andere für uns die Kastanien aus dem Feuer holen werden. Das werden sie nicht."

Das Übel: die Grenze im Kopf

Es gehe vielmehr darum, selbst für die angestammten Rechte aktiv einzustehen. "Die Zukunft liegt in euren, in unseren Händen." Die Menschheit stehe am Scheideweg. Wir Menschen könnten weiterhin dem gegenwärtig beschrittenen Weg von "Habgier, Konsumismus, Oligarchie, Krieg, Rassismus und Umweltzerstörung" folgen. Oder wir könnten die Welt auf einen Weg führen, der in eine andere Richtung weist. Sanders’ Buch ist ein Appell an alle, die nach Alternativen suchen. Die zentrale Krise insbesondere in den westlichen Post-Industriegesellschaften sei die "Begrenzung unserer Vorstellungskraft, die einem unglaublich mächtigen ökonomischen, politischen und medialen Establishment zum Opfer" gefallen sei, das den Bürgern jeden Tag einhämmere, dass eine echte Veränderung undenkbar sei, "dass wir klein denken müssten, nicht groß".

Sanders fasziniert viele hilfesuchende Menschen, weil er die Nöte des sogenannten kleinen Mannes offen anspricht und dazu aufruft, diese "Begrenzungen" im Denken zu durchbrechen, um auf demokratische Weise die Visionen von Fairness und Gerechtigkeit endlich mit Leben zu erfüllen. Bei allen rasanten soziopolitischen, ökonomischen und technologischen Veränderungen unserer Welt müsse stets der Mensch im Mittelpunkt stehen.





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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-06-26 15:55:12
Letzte nderung am 2017-06-26 16:17:40



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