• vom 11.08.2017, 15:59 Uhr

Kultur

Update: 11.08.2017, 17:26 Uhr

Museum

Traue deinen Augen nicht




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Von Viktoria Klimpfinger

  • Das Museum der Illusionen in Wien zeigt allerlei Erstaunliches aus dem Reich der Täuschungen.

Das Kaleidoskop im Museum der Illusionen macht das eigene Gesicht zum Retro-Muster.

Das Kaleidoskop im Museum der Illusionen macht das eigene Gesicht zum Retro-Muster.© apa/G. Hochmuth Das Kaleidoskop im Museum der Illusionen macht das eigene Gesicht zum Retro-Muster.© apa/G. Hochmuth

Weiche Knie, flau im Magen, ein Gefühl, als würde einem der Boden unter den Füßen weggezogen werden. Nein, hier ist nicht die Rede von Liebeskummer oder einem erbarmungswürdigen Kater, sondern von einem Streich unserer Sinne: Wer es auf die andere Seite des "Vortex"-Tunnels schafft, ohne kurz das Gleichgewicht zu verlieren, der war im falschen Tunnel. Denn durchwandert man den rotierenden Zylinder, dreht sich der Boden plötzlich mit - scheinbar. Erst auf der anderen Seite angekommen wird klar: Man ist erfolgreich einer der vielen Täuschungen zum Opfer gefallen, mit denen das neue Museum der Illusionen seine Besucher in die Irre führt.

Wir kennen sie alle, die rätselhaften Bildchen, die uns der Spaßvogel im Büro mit der hämischen Frage zeigt: "Welcher Pfeil ist länger?" Identifiziert man dann voller Überzeugung den vermeintlich längeren Pfeil, muss man sich unter schadenfrohem Spott eines Besseren belehren lassen: Die Pfeile sind natürlich beide gleich lang! Weil ihre Spitzen unterschiedlich sind, entsteht die Illusion einer Längendifferenz. Auf demselben einfachen, aber erstaunlich faszinierenden Niveau bewegen sich die E-Mails von Freunden mit dem Betreff: "Wow, sieh dir das an." Starrt man dann mit irren Augen für ein paar Sekunden auf den Schirm, formt ein Bild mit Schachbrettmuster doch tatsächlich eine sich drehende Kugel.

Information

Ausstellung
Museum der Illusionen
Wallnerstraße 4, 1010 Wien

Nicht nur zum Anschauen

Mit einer bunt gemischten Sammlung von Kuriositäten beweist das Museum der Illusionen aber, dass sich Sinnestäuschungen nicht nur auf derartige grafische Irreführungen beschränken. Scheinbar ungleich lange Pfeile und andere Trugbilder gibt es zwar auch zu sehen, aber hier wird unsere getrübte Wahrnehmung sogar mit einem am betreffenden Blendwerk befestigten Messobjekt eines Besseren belehrt.

Erstaunlicher sind die begehbaren Täuschungen des Museums: Der "Ames"-Raum beispielsweise lässt die Besucher je nach Perspektive und Position auf seinem schrägen Boden zu Zwergen schrumpfen oder zu Riesen wachsen. Einige dieser Attraktionen lösen bei enthusiastischen Wurstelprater-Besuchern mit Sicherheit nostalgische Gefühle aus. Neben dem "Vortex"-Tunnel - dem versierten Schießbuden-Cowboy bereits in Spaßhäusern wie dem "Magic Dreamland" im Prater untergekommen - kann man auch im kleinen Spiegelkabinett die Liliputbahn fast pfeifen hören. Die Vielzahl an eigenen Abbildern behauptet einen unendlichen Raum.

Wer sich aber selbst nicht gern im Spiegel sieht, der starrt im Museum der Illusionen am besten an die Decke. Denn blickt man unvorbereitet in eine dreieckige Röhre mitten im Raum, wird das eigene Gesicht für Beobachter auf der anderen Seite zum Kaleidoskop. Schreckt man dann verblüfft auf und blickt nach links, reflektiert der Unendlichkeitsspiegel den verwunderten Gesichtsausdruck schwach ad infinitum. Betreten flüchtet man auf die andere Seite des Raumes und schon wieder starrt man sich selbst entgegen, aber diesmal irgendwie verfremdet: Der Wahrheitsspiegel zeigt, wie andere das eigene Gesicht wahrnehmen - also, im wahrsten Sinne des Wortes, spiegelverkehrt.

Und ist der Widerschein der eigenen Visage schließlich nicht mehr auszuhalten, legt man sich einfach eine neue zu: Eine Vorrichtung mit in Abständen angeordneten spiegelnden Streifen zwischen sich und einem Gegenüber ermöglicht es, mit anderen die Nase zu tauschen.

Spaß für die ganze Familie

Auch wenn das Teilen der Gesichter vielleicht eher etwas für innigere Freundschaften ist, so ist das Museum der Illusionen doch generell auf Interaktion angelegt. Scheinbar unlösbare Puzzles, täuschende Rauminstallationen und allerhand andere Schelmereien dürfen nicht nur verdutzt angestarrt, sondern auch selbst ausprobiert werden. Und im Museum mit den Ausstellungsstücken zu spielen, reizt schließlich nicht nur die Kleinsten, sondern mit Sicherheit Kinder jedes Alters.





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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-08-11 16:03:11
Letzte ─nderung am 2017-08-11 17:26:51



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