• vom 06.09.2017, 17:04 Uhr

Kultur

Update: 07.09.2017, 06:55 Uhr

Johann Gottfried Piefke

Der Piefke




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Von Edwin Baumgartner

  • Militärmusiker Johann Gottfried Piefke verkörperte alle Klischees des Preußentums.

Die Schlacht bei Königgrätz endete mit einem Sieg der Preußen. Als sie in Wien paradierten, führte Johann Gottfried Piefke die Militärmusik an. - © Creative Commons

Die Schlacht bei Königgrätz endete mit einem Sieg der Preußen. Als sie in Wien paradierten, führte Johann Gottfried Piefke die Militärmusik an. © Creative Commons

Johann Gottfried Piefke war für die Wiener die Verkörperung des Preußentums.

Johann Gottfried Piefke war für die Wiener die Verkörperung des Preußentums. Johann Gottfried Piefke war für die Wiener die Verkörperung des Preußentums.

"Dadatrimtata datadada Dadatrrimtata datradada - schaut’s, Kinda, do kumman s’, de Piefke!"

Ja, sicher, das könnte heute irgendwo in Österreich sein, die Gfrastl Mitzi könnt’ es sagen im Moment, da Hans Ulrich Schwiemel mit Familie in ihrer Pension eintrifft, um Urlaub im schönen Kaffnitz am Wald zu machen. Doch eher hat den Satz die Rosi Muhr gesagt, damals, am 31. Juli 1866, als die Preußische Armee auf dem Marchfeld bei Gänserndorf eine große Parade abhielt. Da also marschierte Johann Gottfried Piefke an der Spitze des Musikcorps und neben ihm sein Bruder Rudolf, 1,90 Meter groß, in betont aufrechter Haltung wie das ganze preußische Heer: der Schritt wie als Ballett einstudiert, eine gewaltige Maschine aus Menschen.


Der Militärmusiker dirigiert mit dem Degen
Das war ihnen neu, den Wienern. Das machte Eindruck. Die Piefkes - ein Schimpfwort? Ach was, Bewunderung war es!

Nun gut, die Schlacht bei Königgrätz: Verloren, wie beinahe alle Schlachten und alle Kriege des Hauses Habsburg-Lothringen. Es gab gute Gründe, weshalb man, solange es ging, lieber auf Heiratspolitik setzte als auf Strategie.

Aber die Preußen waren ja auch unfair gewesen. Das Zündnadelgewehr einzusetzen! So was macht man nicht in einem anständigen Krieg. Das war kein schöner Sieg, das war, flüstern wir’s unter vorgehaltener Hand, ein durch überlegene Technik ergaunerter Triumph.

Ganz von der Hand weisen kann man das nicht. Schon gar nicht in einer Zeit, als noch die ritterliche Kriegsführung in den Köpfen der Menschen war, der anständige Kampf, bei dem die Ehre eine große Rolle spielte, und welche Ehre hat schon einer, der solch einen Kampf nur dank der Waffentechnik gewinnt? Nur, dass halt das österreichische Heer eine Chance gehabt hätte, wäre es nicht finanziell und personell ausgehungert und in Sachen präziser Befehlsausführung nicht zu nachlässig gewesen. Die Bewunderung der Österreicher für die Preußische Armee kam nicht von ungefähr.

Und für dieses Heer stand jener Johann Gottfried Piefke, der am 9. September seinen - ja, was nun? - feiert. So ganz klar ist das nämlich nicht. Einige Quellen geben den 9. September 1815 als Geburtsdatum an, andere den 9. September 1817. Halten wir uns an letztgenannte, ist es der 200. Geburtstag jenes Mannes, der den Österreichern ihr liebstes xenophobes Schimpfwort beschert hat.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-09-06 17:09:08
Letzte ─nderung am 2017-09-07 06:55:33



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