• vom 12.09.2017, 16:58 Uhr

Kultur


Grönlandhai

Der Hai, der aus der Kälte kam




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Von Edwin Baumgartner

  • Grönlandhaie haben von allen Wirbeltieren die höchste Lebenserwartung - und sind die großen Unbekannten ihrer Spezies.



Ásgeir Ásgeirson stoppt die Motorwinde, mit der er das Netz an Bord der "Ellidi" zog, und betrachtet seinen Fang. Ein Hai ist darunter. Ásgeir Ásgeirson schaut den Hai an, der Hai schaut Ásgeir Ásgeirson an. Dann öffnet der Hai sein Maul und sagt: "Wenn du mich zurück ins Meer wirfst, erzähle ich Dir, wie ich 1778 das Wettschwimmen mit der ,Resolution‘ von Käpt’n Cook gewonnen habe. Aber da war ich 239 Jahre jünger. Jetzt, mit 402, käme ich da schon etwas außer Atem."

Seemannsgarn? - Aber nur, weil Haie sich nicht mit Menschen unterhalten. Der Rest könnte stimmen. Obwohl... Nun, Ásgeir Ásgeirsons Grönlandhai könnte ein Aufschneider gewesen sein. Denn James Cooks Schiffe waren zweifellos nicht sonderlich schnell, aber der Grönlandhai schwimmt mit gerade einmal etwas mehr als einem Stundenkilometer. Seine Altersangabe indessen darf man ihm glauben.


Der Tieftauch-Spezialist
Der Grönlandhai, auch Eishai genannt, ist eines der langlebigsten Tiere der Welt, auf jeden Fall das langlebigste Wirbeltier. Denn übertroffen wird er nur von der Islandmuschel mit einer Lebensdauer von mehr als 500 Jahren und dem Antarktischen Riesenschwamm mit einer Lebensdauer von möglicherweise an die 10.000 Jahre. Der Grönlandhai kommt laut Forschern immerhin auf 392 plus/minus 120 Jahre. Sein Verbreitungsgebiet sind die arktischen Gewässer des Atlantiks, und er kommt in Tiefen bis zu 2200 Meter vor. Der Grönlandhai wird bis zu 6,4 Meter lang und bis zu 1000 Kilogramm schwer. Geschlechtsreif wird er im Alter von etwa 150 Jahren, und er gehört zu den lebendgebärenden Haien.

Damit ist man mit dem Wissen über ihn fast schon am Ende. Was der Grund dafür ist, dass sich die Forschung derzeit verstärkt um diesen Hai kümmert.

Gerade die Haie haben manch seltsames Exemplar hervorgebracht, etwa den Hammerhai mit seinem tragflächenartig verbreiterten Kopf oder dem Koboldhai mit seinem paddelförmigen Kopffortsatz, der aussieht, als sei die Fantasie mit einem mittelalterlichen Zeichner bei der Darstellung eines Dämons durchgegangen. Erst im März dieses Jahres entdeckten Forscher im Belize Barrier Reef eine neue Hammerhai-Spezies, die wie ein lebendig gewordenes U-Boot einer Jules-Verne-Verfilmung anmutet. Der Sofa-Hai wiederum hat weder die haitypische Rücken- noch die haitypische Schwanzflosse und sieht aus wie ein schwabbeliges Kissen mit Glupschaugen und Knuddelnase.

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Schlagwörter

Grönlandhai, Eishai

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Dokument erstellt am 2017-09-12 17:03:06



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