• vom 17.09.2017, 07:00 Uhr

Kultur

Update: 18.09.2017, 13:04 Uhr

Interview

"Ich glaube nicht mehr an Trends"




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Von Julia Wagner

  • "Vogue"-Chefin Christiane Arp über die neue Rolle von Luxus und warum man nicht zu allem eine Meinung haben muss.

"Die Medienbranche befindet sich in einer revolutionären Phase", sagt Christiane Arp.

"Die Medienbranche befindet sich in einer revolutionären Phase", sagt Christiane Arp.© APAweb / dpa, Jens Kalaene "Die Medienbranche befindet sich in einer revolutionären Phase", sagt Christiane Arp.© APAweb / dpa, Jens Kalaene

Berlin. Mode arbeitet heute mit Reizüberflutung und fast wöchentlichen neuen Kollektionen. Dass diese Entwicklung aber auch Chancen birgt, weiß Christiane Arp, seit 14 Jahren Chefredakteurin der deutschen "Vogue".

"Wiener Zeitung": Ist Mode politischer geworden?


Christiane Arp: Für mein Dafürhalten, ja. Designer können nicht mehr in ihrem Elfenbeinturm bleiben. Sie stehen heute auch mehr im Dialog mit ihren Konsumenten - direkt via Social Media. Es gibt eine vielfältigere Einflussnahme von der Gesellschaft auf Design, aber auch umgekehrt. Ich finde aber nicht, dass jeder Designer seine politische Haltung auf dem Laufsteg zeigen muss. Es muss ja auch glaubwürdig sein. Sich ein T-Shirt anzuziehen, auf dem irgendein Spruch steht, ist in manchen Fällen einfach nur ein modisches Signal.

Ein T-Shirt, wie zum Beispiel jenes, das Maria Grazia Chiuri für Dior entwarf und auf dem "We all should be feminists" stand, hat also keine politische Bedeutung?

Dieses T-Shirt wurde kreiert zu einem Zeitpunkt, als es die Pink-Pussy-Bewegung so eigentlich noch nicht gab. Die Wahl von Trump fand am 8. November statt, Maria Grazia hat dieses Shirt aber bereits Ende September auf den Laufsteg gebracht. Sie war die erste Frau, die mit Dior den Designjob eines großen Couture-Hauses übernommen hat. Es war also ihr Statement. Dass dieses dann anders benutzt wurde, war vermutlich gar nicht ihre Intention.

Feminismus-Themen sind auch in der Mode angekommen. Und ausgerechnet jetzt wird ein Mann Chef der britischen "Vogue". Ist das das richtige Zeichen?

Können nur Frauen Feministen sein? Das fände ich relativ klein gedacht. Wenn Edward Enninful die geeignetste Person zu diesem Zeitpunkt war, dann sollten wir als "Vogue" ohne Grenzen denken. Das ist unsere Haltung und das ist das, was wir propagieren. Es ist falsch verstandener Feminismus, zu denken, es muss eine Frau sein. Es muss die Person sein, die den besten Job macht.

Worin liegt die Chance heute für junge Modedesigner? Sie können mit den großen Modehäusern und der gängigen Massenproduktionen ja nicht mithalten.

Ihre große Chance ist die Nische. Für jüngere Menschen ist Luxus komplett anders besetzt, da geht es zum Beispiel auch um Nachhaltigkeit. Da geht es nicht darum, zehn Taschen zu haben, sondern die eine, und von der will ich wissen, woher sie kommt und wer sie gemacht hat und wer das Leder gegerbt hat, also auch echtes Handwerk.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-09-15 16:06:24
Letzte ─nderung am 2017-09-18 13:04:22



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