• vom 16.09.2017, 11:09 Uhr

Kultur

Update: 26.09.2017, 11:06 Uhr

Ausstellung

Propagandavideo der Vorarlberger NS-Künstlerin Hollenstein gefunden




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Von WZ Online

  • Künstler-Duo entdeckte Filmrollen: Die NS-Malerin Stephanie Hollenstein wollte anscheinend 1938 einen Propagandafilm drehen. Die Ausstellung "Anschlüsse" stellt die widersprüchliche Vorarlbergerin in den Mittelpunkt.

Das Vorarlberger Künstler-Duo Sarah Schlatter und Jakob Weingartner setzt sich in der Ausstellung "Anschlüsse" mit der NS-Malerin Stephanie Hollenstein auseinander.  - © Helmut Schlatter

Das Vorarlberger Künstler-Duo Sarah Schlatter und Jakob Weingartner setzt sich in der Ausstellung "Anschlüsse" mit der NS-Malerin Stephanie Hollenstein auseinander.  © Helmut Schlatter

Stephanie Hollenstein, hier gekleidet als Mann in den Dolomiten, war eine widersprüchliche Künstlerin. 

Stephanie Hollenstein, hier gekleidet als Mann in den Dolomiten, war eine widersprüchliche Künstlerin. © Archivfund Stephanie Hollenstein, hier gekleidet als Mann in den Dolomiten, war eine widersprüchliche Künstlerin. © Archivfund

Die NS-Malerin Stephanie Hollenstein (1886–1944) war eine widersprüchliche Persönlichkeit: Sie führte eine homosexuelle Beziehung und kleidete sich als Mann, gleichzeitig galt sie als einflussreiche österreichische Künstlerin des Dritten Reiches, war nationalsozialistische Funktionärin einer arisierten Künstlerinnenvereinigung.

"All diese Stichworte charakterisieren ein Leben zwischen Täterinnen- und Opferschaft", so das Vorarlberger Künstler-Duo Sarah Schlatter und Jakob Weingartner.

Information

Sarah Schlatter (geb. 1982 in Feldkirch) lebt als Künstlerin in Berlin undd Vorarlberg. Sie konzipiert und erarbeitet Ausstellungen, öffentliche Interventionen und Kunstwerke. Mit unterschiedlichen Medien kommentiert sie Spuren, die an Orten und in Archiven hinterlassen werden, um sie in aktuelle Diskurse einzubringen.

Jakob Weingartner (geb. 1979 in Feldkirch) lebt als Autor und Regisseur in Berlin. Er gestaltet Dokumentarfilme, Hörspiele und Radiofeatures, erzählt Geschichten von oft harten sozialen Realitäten, ihrer historischen Sedimentierung und dem menschlichen Willen, sie zu überwinden.

Die Ausstellung "Anschlüsse" wird in der Galerie Hollenstein in Lustenau in Vorarlberg gezeigt.  
23. September bis 22. Oktober 2017
Eröffnung: Freitag, 22. September, 18 Uhr

Die beiden machten im Archiv Lustenau einen bemerkenswerten Fund: Schlatter und Weingartner stießen bei ihren Recherchearbeiten auf drei Filmdosen, die vermutlich aus dem Jahre 1938 stammen und wahrscheinlich von Stephanie Hollenstein selbst gedreht wurden.

"Hollenstein wollte anscheinend Propaganda für den Anschluss an Hitlerdeutschland machen"

"Als wir uns die persönlichen Bücher Hollensteins durchsahen, standen plötzlich diese 16mm-Filmrollen hinter den Buchrücken, die bei der Archivierung durchgerutscht sein müssen. Als wir den Filmstreifen zum ersten Mal gegen das Licht hielten, waren wir fassungslos: Hollenstein wollte anscheinend 1938 einen Film drehen, um Propaganda für den Anschluss an Hitlerdeutschland zu machen."

Ganz unplausibel wäre dies nicht, denn Hollenstein war Mitglied der NSDAP und vergötterte Leni Riefenstahl. "Vermutlich sieht man ihre Familie bei der Arbeit an einem Triumphbogen, der durch fotografisches Material belegt ist. Dieses außergewöhnliche Material wird der kunstgeschichtlichen Forschung zur einflussreichsten österreichischen Künstlerin des Dritten Reichs wertvolles Material liefern, denn es zeigt sie von einer völlig unbekannten, persönlichen Seite", so die KünsterInnen.

Diese Filme stehen nun im Mittelpunkt der Ausstellung "Anschlüsse", die von 23. September bis 22. Oktober 2017 in der Galerie Hollenstein in Lustenau, Vorarlberg zu sehen sein wird.





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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-09-16 11:09:28
Letzte nderung am 2017-09-26 11:06:37



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