• vom 26.09.2017, 15:52 Uhr

Kultur

Update: 26.09.2017, 16:00 Uhr

Klimawandel

Warme Arktis kühlt Europa ab




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  • Die geschwächte Luftzirkulation lässt die arktische Kälte entweichen.

Die Arktis erwärmt sich etwa doppelt so schnell wie die übrige Erde.

Die Arktis erwärmt sich etwa doppelt so schnell wie die übrige Erde.© APA, ap, David Goldman Die Arktis erwärmt sich etwa doppelt so schnell wie die übrige Erde.© APA, ap, David Goldman

Potsdam. (eb) Die Arktis wird wärmer und Europa wird kälter und das eine hängt ursächlich mit dem anderen zusammen. Das ist das durchaus erstaunliche Ergebnis der Untersuchungen, die ein Team um Marlene Kretschmer am Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung (PIK) vorgenommen haben.

Die Arktis erwärmt sich etwa doppelt so schnell wie die übrige Erde. Das beeinflusst massiv die Zirkulation der Luftströmungen. "Im Winter ist die eiskalte arktische Luft normalerweise von starken, den Nordpol umkreisenden Winden mehrere zehntausend Meter hoch in der Atmosphäre eingeschlossen", erklärt Marlene Kretschmer. Dieser polare Vortex, wie die Luftzirkulation in der Fachsprache genannt wird, bildet gleichsam ein Gatter, in dem sie die kalte Luft über der Arktis einfängt und auch an Ort und Stelle hält.


Die Klimaerwärmung verändert jedoch die Luftzirkulation. Die starken um die Arktis kreisenden Winde lassen nach, die kalte Polarluft kann so aus der geschwächten Umzäunung ausbrechen und auf Teile der Nordhalbkugel entweichen. Dort kann sie extreme Winter auslösen. Wie Kretschmer und ihre Kollegen feststellen, ist genau dies in den letzten vier Jahrzehnten mit zunehmender Häufigkeit und Dauer passiert.

Die Kälte greift um sich
Das Team um Kretschmer kann zum ersten Mal den Nachweis führen, dass sich die Winde hoch oben in der arktischen Stratosphäre bereits verändert haben: "Wir fanden heraus, dass es bei diesem Polarwirbel in der Stratosphäre einen Wandel zu länger anhaltenden Schwächezuständen gibt", sagt Kretschmer.

Wenn das Meereis nördlich von Skandinavien und Russland schmilzt, gibt der freigelegte Ozean mehr Wärme in die Luft ab. Das wiederum beeinflusst die Stratosphäre und bringt dadurch die Polarwinde durcheinander. "Tatsächlich erklärt dies die meisten beobachteten Kälteextreme in den eurasischen Wintern seit 1990", wird Marlene Kretschmer auf der Internet-Wissenschaftsseite scinexx.de zitiert. Den Forschern zufolge gehen rund 60 Prozent dieser Abkühlung auf das Konto des geschwächten polaren Vortex.

Teammitglied und Studien-Koautor Judah Cohen vom Massachusetts Institute of Technology sagt dazu: "Verschiedenste Wetterextreme nehmen mit dem Klimawandel zu, und unsere Studie bietet weitere Belege, dass dies auch Kältewellen einschließen kann - was eine unangenehme Überraschung für diese Regionen ist." Die Rede ist dabei von Teilen Russlands und Skandinaviens - dass sich die arktische Kälte auch noch auf weitere Teile Europas ausdehnen und extreme Winterbedingungen verursachen kann, ist anzunehmen.




Schlagwörter

Klimawandel, Arktis

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Dokument erstellt am 2017-09-26 15:57:03
Letzte nderung am 2017-09-26 16:00:49



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