• vom 11.10.2017, 17:10 Uhr

Kultur

Update: 11.10.2017, 20:28 Uhr

Wahlwerbung

Woran man sich halten kann




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Von Edwin Baumgartner und Christoph Irrgeher

  • Eine Handreichung an die Wählerschaft in konfusen politischen Zeiten: Ein Praxistest der Partei-Kugelschreiber.



Vor 50 Jahren ging Wahlkämpfen noch anders. Der Spitzenpolitiker ging mit seinen Helfern hinaus zu den Menschen, er sagte hier und da ein paar nette Worte und übergab ein Geschenk. Die Menschen freuten sich über diese Worte, öfter noch über das Geschenk. Ja, vielleicht haben diese Präsente die eine oder andere Stimme bewegt. Ein Umstand, der heute anachronistisch wirkt: Schließlich bringt uns das Internet-Zeitalter in den Genuss einer gewaltigen Informationsfülle. Andererseits: In einem Wahlkampf, der von Sudelkampagnen, Fake-News und Revanche-Fouls nur so strotzt, hat man wieder allen Grund, der Informationsherrlichkeit zu misstrauen. Darum nimmt die "Wiener Zeitung" an dieser Stelle jenes Geschenk genauer unter die Lupe, an dem sich die Wählerschaft auch in verwirrenden Zeiten festhalten kann - an den Kugelschreibern der Parteien.

Als Wahlgeschenk ist solch ein "Schreibgerät, das eine Tintenpaste mittels einer Kugel auf Papier überträgt" (Definition laut Internet-Lexikon Wikipedia) auch wahrhaft nicht zu verachten. Zumal ja ein tieferer Sinn in dem Geschenk steckt. Ein Kuli nämlich ist alltäglich in Gebrauch. So hat man stets vor Augen, welche Partei, bitteschön, man wählen soll. Der wahlkampfgeschenkte Kugelschreiber ist quasi die Essenz der Botschaft, er ist Anstupser und mahnendes Gewissen des politisch denkenden Menschen. Mit dem Kuli der Grünen das Kreuz bei den Neos machen? Mit dem Kuli der Neos die FPÖ ankreuzen? Oder gar mit dem SPÖ-Kugelschreiber die ÖVP des Sebastian Kurz wählen? Ja, dürfen tut man das fraglos. Ob es aber moralisch ist, das steht auf einem anderen Blatt. Wobei in der Wahlkabine auch zu bedenken ist: Wem man sein Kreuzchen schenkt, der sollte sich über Jahre als stabil und praxistauglich erweisen. Allein schon aus diesem Grund tut es Not, die Partei-Kugelschreiber auf ihre Eignung zu überprüfen. Deshalb haben wir sie einem Test auf Mine und Feder unterzogen.


Ob der Kuli der Grünenunter fairen, antisexistischen und CO2-neutralen Bedingungen hergestellt wurde, ist zwar nicht überliefert. Das Gerät, so steht darauf, ist jedenfalls "biodegradable". Wer nicht ganz firm in Grünsprech ist, dem sei gesagt: "biologisch abbaubar" heißt das. Der Druckkugelschreiber in Grasgrün trägt in blütenreinem Weiß das Grünen-Logo, auf rotem Grund prangt "GRUENE.AT". Die Mine schreibt übrigens blau, was den Partei-Slogan "Wir machen nicht blau" schon irgendwie unterläuft. Aber der Stift liegt gut in der Hand, hat ein Griff-Feld, das den Fingern Halt bietet, und schreibt mit wenig Widerstand. Ein Kugelschreiber, der Freude macht. Und: Ein Design, das mit Ecken und Kanten in Erinnerung bleibt - was man vom Grünen Wahlkampf nicht vollinhaltlich sagen kann.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-10-11 17:15:05
Letzte ─nderung am 2017-10-11 20:28:52



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