• vom 13.11.2017, 17:01 Uhr

Kultur

Update: 13.11.2017, 22:15 Uhr

Angkor

Urwald-Heiligtum im Vormarsch




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Von Sigrid Mölck-Del Giudice

  • Der Tempelbezirk von Angkor ist Weltkulturerbe, wegen fehlender Überwachung blüht jedoch der illegale Kunsthandel.

Bedroht von Räubern, Touristen und der Natur: die Tempelanlagen in Angkor. - © Sigrid Mölck-Del Giudice

Bedroht von Räubern, Touristen und der Natur: die Tempelanlagen in Angkor. © Sigrid Mölck-Del Giudice



Angkor. Kosal mag keine Eile, doch jetzt kommt er nicht drum herum. In drei Stunden schließen pünktlich die Museen und Tempel, sagt er leicht nervös, und es gibt viel Verkehr. Aufschieben ist nicht möglich, denn morgen in aller Frühe geht es bereits in Richtung Siem Reap.

Pnom Penh, früher einmal eine der schönsten, von den Franzosen Mitte des 19. Jahrhunderts erbauten Städte Indochinas, dient heute für Reiseveranstalter und Touristen vornehmlich als Zwischenstation auf ihrer Reise zu den Tempelanlagen von Angkor. Meistens ist ein halber, bestenfalls ein ganzer Tag eingeplant, um wenigstens einen Blick auf die bedeutendsten Sehenswürdigkeiten zu werfen - das Nationalmuseum, den Königspalast und vor allem die Silberpagode mit ihrer fast lebensgroßen, 90 Kilogramm schweren Buddha-Statue aus purem Gold und den Smaragd-Buddha, die heiligste Buddha-Statue des Landes.


Willkommene Devisen
Die Tourismusbehörden würden die Besucher in der 1,6-Millionen-Einwohner-Kapitale gern länger sehen. Denn der Fremdenverkehr bringt Arbeit und Devisen, die Kambodscha dringend braucht. Der brodelnde Verkehr bis spät in die Nacht hinein und die Firmensymbole multinationaler Konzerne und internationaler Hotelketten und Banken entlang der mehrspurigen Hauptverkehrsadern täuschen darüber hinweg, dass in weiten Teilen des Jahrzehnte lang von Bürgerkriegen gebeutelten Landes noch bittere Armut herrscht.

Kosal, 24 Jahre alt, ist viel beschäftigt, doch er ist selten zu Haus. Ein Archäologiestudium, erzählt er, ist für ihn zu teuer und so arbeitet er als staatlicher Reiseführer für 130 Euro im Monat - davon die meiste Zeit in Angkor. Denn inzwischen kommen jährlich bereits zwei Millionen Besucher, um dort den bedeutendsten Tempelkomplex der Welt zu bestaunen. Es sind vor allem Südkoreaner, Vietnamesen, Japaner und Europäer. In der sechs Kilometer entfernten kleinen Provinzhauptstadt Siem Reap sind inzwischen über 100 Hotels entstanden, Restaurant reiht sich an Restaurant. Und man bereitet sich darauf vor, künftig drei und mehr Millionen Menschen pro Jahr durch die imposanten Monumente zu schleusen. Angkor ist - touristisch gesehen - definitiv im Vormarsch.

Beim Gang durch die Vergangenheit lässt sich nur erahnen, wie mächtig und glanzvoll das Khmer-Reich einst gewesen sein muss. Zwischen dem 9. und dem 13. Jahrhundert ließen die ruhmreichen Angkor-Könige an die 1000 Tempel und ebenso viel Mauerwerk, verziert mit aufwendigen Reliefs und kunstvollen Figuren, erbauen - verteilt auf über 200 Quadratkilometern.

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Dokument erstellt am 2017-11-13 16:32:08
Letzte ńnderung am 2017-11-13 22:15:19



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