• vom 14.02.2012, 18:29 Uhr

Kultur

Update: 14.02.2012, 18:29 Uhr

Festival Neue Literatur

Wettlesen im Big Apple




  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief





Die Palette reicht vom German Book Office (ein Außenposten der Frankfurter Buchmesse, federführend), über das Goethe-Institut, die Schweizer Kulturbotschafter von prohelvetia, bis zu den Österreichern (vertreten durch das Austrian Cultural Forum in Person Hannah Likos); die jeweiligen Konsulate tragen als Unterstützer ihr Scherflein bei.

Mission erfüllt also, weitgehend zumindest. Wie tief die Unterschiede im Herangehen manchmal liegen, erfuhr etwa Inka Parei, als sie erklärte, wie schwierig es für sie als Westdeutsche gewesen sei - die Mittvierzigerin stammt aus Frankfurt/Main, lebt in Berlin -, im Rahmen der Arbeit an ihrem neuen Roman "Die Kältezentrale" die Brüche im Leben der ihrer Generation Angehörigen, aber in der DDR Aufgewachsenen aufzubereiten. Derlei Skrupel lösen bei Amerikanern nur nachdenkliches Kopfschütteln aus, schließlich, wie es eine ältere Dame auf den Punkt brachte, "wenn die Literatur nicht alles darf, wer dann?" Den Beleg, wie schief der interkontinentale Diskurs manchmal gehen kann, lieferten der vielfach ausgezeichnete Florescu (unter anderem Chamisso- und Anna-Seghers-Preisträger), Schweizer mit rumänischen Wurzeln, sowie auf amerikanischer Seite die Kritikerin und Übersetzerin Schillinger.

Das ist New York und nicht Dallas
Ersterer unterrichtete das Publikum nach dem Motto Es-gibt-ein-richtiges-Leben-im-falschen-nämlich-meins in bestimmtem Oberlehrer-Ton mit banalen Erkenntnissen über die Rolle der Geschichte in der Gegenwart (Kommentar eines amerikanischen Zuhörers: "Vielleicht sollte ihm einer sagen, dass das hier New York ist und nicht Dallas"). Schillinger zeigte sich im Rahmen der unter dem Titel "Schreiben an den Rändern: Literatur zwischen den Kulturen" stehenden Abschlussveranstaltung in Sachen europäischer Nachkriegsgeschichte eine Spur gar zu unbeleckt; sie erstaunte das Publikum, indem sie zunächst die neonazistischen Ausschreitungen von Hoyerswerda in der Honecker-Ära, dann die in Mitteleuropa teilweise seit den Fünfzigerjahren bestehenden, staatlich geförderten Gastarbeiterprogramme in den Siebzigern ansiedelte ("Ich dachte, da wäre es nur um die Türken gegangen. Italiener als Gastarbeiter? Spanier? Portugiesen? Wirklich?").

Es blieben die einzigen Episoden, die ein bisschen zum Weinen waren.

zurück zu Seite 1




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2014
Dokument erstellt am 2012-02-14 15:26:08
Letzte Änderung am 2012-02-14 18:29:43


Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. "Pizzeria Anarchia": Journalistengewerkschaft kritisiert Platzverbot
  2. "Wohnen war ein Menschenrecht"
  3. Die iPod-Julia liebt den Klampfn-Romeo
  4. Muskatnuss!
  5. Schuppiger Nachwuchs
Meistkommentiert
  1. "Ich bin keine Feministin, weil...."
  2. Ikarus fliegt in die Nacht
  3. "Pizzeria Anarchia": Journalistengewerkschaft kritisiert Platzverbot
  4. Ein Fall für die Löwinger-Bühne
  5. "Unzureichend"

Werbung



Comics

Wo die bunten Bilder laufen

Mystique - © apaWeb / Reuters - Sandy Huffaker Hier trifft der Joker auf Robocops und Hobbits: In San Diego in Kalifornien hat die Comic Convention begonnen. Zum Start war unter anderem... weiter




Superhelden

Es ist Zeit für einen schwarzen "Captain America"

Ein schwarzer "Captain America" kommt im Jahre 2014 nicht gerade früh. - © Marvel New York. Die Revolution bei den US-Comichelden geht weiter: Einen Tag nach der Ankündigung, dass Thor künftig als Frau erscheint... weiter






Romandebut

Langer Atem statt schnelle Pointen

Hat sich auf die Spuren monarchistischer Zirkel in Wien begeben: Michael Ziegelwagner. - © Foto: Alexander Ginzel Das Wiener Kaffeehaus Weidinger am Gürtel, wo man noch Karten und Billard spielen kann, wirkt wie zu Zeiten der k.u.k. Monarchie... weiter




Literatur

Ikarus fliegt in die Nacht

Mythos, Abenteuer und ein Kinderherz: Antoine de Saint-Exupéry. - © adoc-photos/Corbis Er war ein Zerrissener, der sich von der Erdenschwere niedergedrückt fühlte und deshalb gern in die Lüfte aufstieg... weiter




Literatur

Grün, Lili: Mädchenhimmel!

Mädchenhimmel_Cover - © Aviva-Verlag "Mädchen, die schrecklich allein sind, sollen nicht küssen. Die glauben dann immer gleich, dass sie den Betreffenden auch liebhaben... weiter






Werbung