• vom 25.04.2012, 18:28 Uhr

Kultur

Update: 25.04.2012, 18:29 Uhr
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Das portugiesische Guimarães ist neben Marburg die Europäische Kulturhauptstadt 2012

Kulturhauptstadt der Herzen



Eine Kulturhauptstadt der anderen Art: Nicht einmal die Altstadt des portugiesischen Guimarães scheint zu erwachen. Doch die
Erneuerungen finden statt, wenngleich stärker in lokale Traditionen eingebettet als in anderen europäischen Kulturhauptstädten.

Eine Kulturhauptstadt der anderen Art: Nicht einmal die Altstadt des portugiesischen Guimarães scheint zu erwachen. Doch die
Erneuerungen finden statt, wenngleich stärker in lokale Traditionen eingebettet als in anderen europäischen Kulturhauptstädten.
Eine Kulturhauptstadt der anderen Art: Nicht einmal die Altstadt des portugiesischen Guimarães scheint zu erwachen. Doch die
Erneuerungen finden statt, wenngleich stärker in lokale Traditionen eingebettet als in anderen europäischen Kulturhauptstädten.

Die eckigen Herzen des Kulturhauptstadt-Logos sind selbstgefertigt und omnipräsent.

Die eckigen Herzen des Kulturhauptstadt-Logos sind selbstgefertigt und omnipräsent. Die eckigen Herzen des Kulturhauptstadt-Logos sind selbstgefertigt und omnipräsent.

Für den Zugereisten ist das natürlich zuerst einmal bedauerlich, weil halt nicht so viel los ist. Mit der Zeit genießt man jedoch die freundliche Reserviertheit der Bewohner, weil sich diese bodenständige Zurückhaltung letztlich auf die eigene Lebensqualität auswirkt. In jedem Fall beeindrucken aber dann der Stolz und die fast kindische Freude der Guimaraner über ihre neugewonnene gesamteuropäische Bedeutung. Während die Marburger ihrer Kulturhauptstadt großräumig auszuweichen, wenn nicht gar sie zu fliehen schienen, sieht man in Guimarães in nahezu jedem Geschäft das CEC-2012-Logo, ein leicht eckiges Herz.

Auch die Kirche
nützt das Logo

Das Berührende daran ist, dass das nicht einfach von der Marketingabteilung zur Verfügung gestellte industriell vorgefertigte und ergo idente Herzen sind, sondern lauter individuelle, mit der Hand (und viel Liebe) hergestellte selbstgebastelte. Da finden sich in den diversen Auslagen also "Coracoes" aus Stoff, Korken, Mascherln, Feilen, Haarteilen, Blumen, Baumrinden, Gebäck, Baisers, Schokolade, Kaffeebohnen, Rasierklingen, Scheren, Landkarten, Fotos und, und, und. Was dem an sich etwas banalen PR-Slogan "Eu faz parte" (ich nehme daran teil) dann doch eine gewisse Authentizität verleiht. Witzig ist auch, dass sogar die lokale katholische Kirche auf den fahrenden Kulturhauptstadtszug aufzuspringen versucht und das Kürzel CEC (Capital Europeia da Cultura) in Cristo E Cultura umdeutet.

Wobei das im familiären guimaraeschen Zusammenhang gar nicht so an den Haaren herbeigezogen wirkt, denn hier klingen die Geräusche der Karfreitagsprozession (das Scheppern nachgezogener Kreuze, das Klirren metallverstärkter Robensäume inmitten des allgemeinen großen Schweigens) fast auch wie ein entferntes Echo der großen John-Cage-Ausstellung in der Kulturfabrik ASA.

Ein bis zwei Tage Aufenthalt in dieser reizenden, gut erhaltenen Kleinstadt, in der das normale Leben seinen normalen Gang geht, alte Männer an Hausecken causieren oder in Fünfzigerjahren-Cafés Fußball schauen, hat also durchaus seinen Charme.

Wer allerdings an einem längeren Verbleib und an handfesteren Attraktionen interessiert ist, tut gut daran, Guimarães vielleicht erst dann zu besuchen, wenn unter anderem die Plataforma das Artes (ein mit einer goldglänzenden Außenhaut überzogenes neues Kulturzentrum im revitalisierten alten Markt) oder die Casa da Memoria (ein interaktives Geschichtsmuseum angeblich neuen Typs) fertiggestellt sind oder das "Gil Vicente"-Festival (Portugals bedeutendstes Avantgardetheaterfestival) stattfindet.




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-04-25 14:59:09
Letzte Änderung am 2012-04-25 18:29:02


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