• vom 04.08.2010, 15:26 Uhr

Museum

Update: 28.03.2016, 15:49 Uhr

Museumsstücke

Kindertage eines genialen Musikers




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Von Johann Werfring

  • Der weltberühmte österreichische Komponist Joseph Haydn verbrachte seine Kindheit in einem schlichten, strohgedeckten Bauernhaus.

Die Wohnstube mit der originalen Holzdecke im Haydn-Geburtshaus. - © Johann Werfring

Die Wohnstube mit der originalen Holzdecke im Haydn-Geburtshaus. © Johann Werfring

Das strohgedeckte Geburtshaus Joseph Haydns (1732 bis 1809) in der niederösterreichischen Ortschaft Rohrau ist wohl die charmanteste unter den Gedenkstätten, die dem genialen Komponisten gewidmet sind. Eigentlich ist das Haus als Gedächtnisort auch dessen jüngerem Bruder, Michael Haydn (1737 bis 1806), gewidmet, der ebenso darin das Licht der Welt erblickte, jedoch steht Joseph Haydn klar im Vordergrund.

Information

Haydn-Geburtshaus
2471 Rohrau, Obere Hauptstraße 25
Di bis So 10–16 Uhr
Tel 02164/22 68
www.haydngeburtshaus.at

Besonders interessant sind hier weniger die in den Vitrinen ausgestellten Erinnerungsstücke aus dem Leben von Joseph Haydn, etwa seine Schnupftabakdose oder diverse Kompositionsblätter, sondern die Räumlichkeiten selbst. Die hier abgebildete große Wohnstube ist jener Teil des Hauses, der von späteren Veränderungen weitgehend verschont geblieben ist. Die Deckenbalken dieser Stube sind noch original erhalten, wohingegen die Holzdecken der anderen Räume einem Brand des Jahres 1899 zum Opfer gefallen sind.

Die "schwarze Kuchl" im Haydn-Haus

Die Einrichtungsgegenstände der Stube und des Geburtszimmers stammen zum einen Teil aus einem alten Bauernhaus in dem unweit gelegenen Dorf Schönabrunn und zum anderen Teil aus den Sammlungen des Niederösterreichischen Landesmuseums. Durch die Hinzufügung dieses Mobiliars sollen die Besucher verstärkt auf die Zeit Joseph Haydns eingestimmt werden.

Das strohgedeckte Geburtshaus des Komponisten Joseph Haydn in Rohrau.

Das strohgedeckte Geburtshaus des Komponisten Joseph Haydn in Rohrau.© Johann Werfring Das strohgedeckte Geburtshaus des Komponisten Joseph Haydn in Rohrau.© Johann Werfring

Die Küche war ursprünglich eine "schwarze Kuchl" (Rauchküche mit offenem Feuer). Basierend auf den Funden im Mauerwerk konnte sie sehr gut rekonstruiert werden. Die Decke und die Einrichtung dieses wiederhergestellten Raumes stammen ebenso aus dem Schönabrunner Bauernhaus.

Nur wenige Jahre war es Joseph Haydn vergönnt, in diesem familiären Idyll zu wohnen. Haydns Vater war als Wagnermeister tätig, und seine Mutter versah Küchendienst bei der gräflichen Familie Harrach. Obwohl seine Eltern keine Noten lesen konnten, hatten sie das musikalische Talent des Knaben schon früh erkannt. So kam es, dass sie ihn im Lebensalter von sechs Jahren nach Hainburg an der Donau schickten, wo er von einem Verwandten – dem Schulrektor Johann Matthias Frankh – Musikunterricht erhielt.

Kastration an Joseph Haydn verhindert

Im Jahr 1740 hörte der auf der Durchreise durch Hainburg befindliche Wiener Domkapellmeister Georg von Reutter den begabten Buben singen und nahm ihn sogleich nach Wien mit, wo er als Chorknabe von St. Stephan eine solide musikalische Ausbildung genießen durfte. Reutter war von Joseph Haydns Talent derart begeistert, dass er ihn – um die makellose Singstimme zu erhalten – vor Erreichen des Stimmwechsels sogar kastrieren lassen wollte, was aber von Haydns Vater letztlich verhindert wurde.

Dem Gedenken Joseph Haydns sind darüber hinaus ein museales Haus in Wien-Gumpendorf sowie die Haydnkirche, das als Museum geführte ehemalige Wohnhaus des Künstlers und das "Haydnhäuschen" in Eisenstadt gewidmet. Neu hinzugekommen ist im vorigen Jahr eine Joseph-Haydn-Rebanlage im Eisenstädter Schlosspark, die an einen im Besitz des Komponisten befindlichen Weingarten erinnern soll.

Print-Artikel erschienen am 5. August 2010
in der Kolumne "Museumsstücke"
In: "Wiener Zeitung", Beilage "ProgrammPunkte", S. 7





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Dokumenten Information
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Dokument erstellt am 2010-08-04 15:26:49
Letzte ńnderung am 2016-03-28 15:49:21



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