• vom 01.03.2012, 06:30 Uhr

Museum

Update: 08.06.2014, 18:18 Uhr

Museumsstücke

Er hat in seinem Leben sehr viel falsch gemacht




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Von Johann Werfring

  • Museumsstücke
  • Edgar Mrugalla zählt weltweit zu den talentiertesten noch lebenden Kunstfälschern. Das Fälschermuseum in Wien-Landstraße präsentiert Highlights von ihm.

Pablo Picasso, "Le Repas Frugal", Lithografie (l.) und ein Vorabzug der Fälschung der Lithografie von Edgar Mrugalla, heute im Wiener Fälschermuseum. - © Foto: Fälschermuseum

Pablo Picasso, "Le Repas Frugal", Lithografie (l.) und ein Vorabzug der Fälschung der Lithografie von Edgar Mrugalla, heute im Wiener Fälschermuseum. © Foto: Fälschermuseum

Edgar Mrugalla wird im Wiener Fälschermuseum als eines der größten Talente seiner Zunft präsentiert. Als eines Tages in Paris eine Fälschung von Mrugalla enttarnt wurde, geriet eine Kuratorin des Louvre angesichts deren herausragender Qualität regelrecht ins Schwärmen.


In dem von Diana Grobe im Kellergewölbe eines Altbaus eingerichteten Fälschermuseum gegenüber dem Wiener Hundertwasser-Haus schmücken gleich mehrere Mrugalla-Fäslchungen die Wände. Als Neuerwerbung kam kürzlich die (unvollendete) Fälschung der bekannten Lithografie "Le Repas Frugal" ("Das karge Mahl") von Pablo Picasso (1881 bis 1973) hinzu.

Das robuste Leben des Fälscherkönigs

Information

Fälschermuseum Wien
1030 Wien, Löwengasse 28
Di bis So 10–17 Uhr
Tel. (01) 715 22 96

Zu jenem Zeitpunkt, als die hier abgebildete Fälschung entstand, war die Druckplatte noch nicht gänzlich fertiggestellt. Um die Erfordernisse für eine weitere Bearbeitung besser abschätzen zu können, fertigte Mrugalla einen Vorabzug an. Nimmt man die beiden Bilder etwas näher in Augenschein, kann recht gut nachvollzogen werden, dass Mrugalla in diesem Stadium die Feinheiten noch nicht wirklich herausgearbeitet hatte. Eine kleine Weile noch, und die beiden Bilder sollten wie ein Ei dem anderen gleichen.

Zur Fertigstellung kam es jedoch nicht mehr, da ihm schon seit einiger Zeit die deutsche Polizei auf der Spur gewesen war. 1987 flog alles auf. Die Kriminalisten beschlagnahmten nicht nur die schon fertigen Bilder, sondern auch Radierplatten, Holzschnitte und Steinplatten, die zur Herstellung der Lithografien dienten. Weil er entsprechend kooperativ war, kam Mrugalla mit einer bedingten Bewährungsstrafe davon.

Überaus bemerkenswert ist die "Karriere" des genialen Fälschers. 1938 in Berlin geboren, schlug sich Edgar Mrugalla zunächst eine Zeit lang recht robust durchs Leben. Nach eigenen Angaben hatte er in 35 verschiedenen Berufen gearbeitet – unter anderen als Schlosser, Preisboxer, Fernfahrer, Kohlenmann, Zeitungszusteller und Wohnungsentrümpler.

Ein ernüchterndes Erlebnis

Das Fälschermuseum ist in einem Altbau-Kellergewölbe untergebracht.

Das Fälschermuseum ist in einem Altbau-Kellergewölbe untergebracht.© Foto: Fälschermuseum Das Fälschermuseum ist in einem Altbau-Kellergewölbe untergebracht.© Foto: Fälschermuseum

Im Zuge einer Wohnungsräumung, so Mrugalla, habe er einem Antiquitätenhändler ein Bild um 50 Deutsche Mark verkauft. Als er einige Tage darauf einen Ausnüchterungsspaziergang machte und bei der Auslage des betreffenden Kunsthändlers vorbeikam, konnte er es nicht fassen: Während er mit einem Bagatellbetrag abgespeist worden war, wurde das Bild nun für die sagenhafte Summe von 84.000 Mark angepriesen. Es hatte sich um einen echten Heinrich Bürkel gehandelt.

Dieses Erlebnis sei für ihn eine Initialzündung gewesen, sagt Mrugalla. Als Autodidakt eignete er sich – bis zu Perfektion – alle möglichen künstlerischen Fertigkeiten an, und in einer Reihe von Experimenten erkundete er, wie man Artefakte vorzeitig altern lassen kann. Die aufwendige Technik der Lithografie zählte zu seinen Spezialgebieten.

Mittlerweile hat sich Edgar Mrugalla zur Ruhe gesetzt. 1993 veröffentlichte er seine Lebensgeschichte im Berliner Ullstein Verlag, wenige Jahre darauf erkrankte er an Parkinson. Seit 2009 lebt er zurückgezogen in der Nähe seiner Tochter Kerstin in Düsseldorf.


Print-Artikel erschienen am 1. März 2012
in der Kolumne "Museumsstücke"
In: "Wiener Zeitung", Beilage "ProgrammPunkte", S. 7




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Dokument erstellt am 2012-02-27 11:47:07
Letzte Änderung am 2014-06-08 18:18:24



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