• vom 22.05.2012, 19:34 Uhr

Museum

Update: 22.05.2012, 19:35 Uhr
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Wien Museum

Erotik im Tapetenraster


Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

  • Gesamtschau des Bestandes von Gustav Klimt

Gustav Klimts Zeichnungen, hier etwa "Liegende Frau in gemustertem Kleid" (1911/12), zeigen den Künstler von einer ungewohnten und dabei experimentierfreudigen Seite.

Gustav Klimts Zeichnungen, hier etwa "Liegende Frau in gemustertem Kleid" (1911/12), zeigen den Künstler von einer ungewohnten und dabei experimentierfreudigen Seite.© Wien Museum / Peter Kainz Gustav Klimts Zeichnungen, hier etwa "Liegende Frau in gemustertem Kleid" (1911/12), zeigen den Künstler von einer ungewohnten und dabei experimentierfreudigen Seite.© Wien Museum / Peter Kainz

411 Zeichnungen auf 400 Quadratmeter vereint ausstellen - das hört sich als ein Ding der Unmöglichkeit an. Dazu kommen die unzensurierten Skandalplakate für die Secessionseröffnung 1898, der einzige erhaltene Malerkittel Gustav Klimts, aber auch acht Ölbilder, darunter die "Pallas Athene" und das wohl wertvollste Stück Leinwand, ein Ganzkörperporträt des Lebensmenschen Emilie Flöge aus dem Jahr 1902. Das Wien Museum besitzt aus Schenkungen und Ankäufen seit 1893 die größte Anzahl an Werken des Jugendstilmeisters, wobei auch Memorabilia wie die Totenmaske, Originalfotos und eine Menge Druckwerke dabei sind. Kuratorin Ursula Storch und BWM Architekten ist es dabei gelungen, diese Menge unterzubringen und den Ausstellungsraum im Erdgeschoss dennoch offen und breit wirken zu lassen.

Information

Ausstellung
Klimt. Die Sammlung des Wien Museums
Ursula Storch, Kerstin Krenn (Kuratorinnen)
Wien Museum
bis 16. September

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Von den Papierarbeiten ist fast ein Drittel so fein aufgetragen und die teils minderwertigen Papiere sind im Laufe eines Jahrhunderts dermaßen vergilbt, dass die feinen Linien nur noch von nahe auszumachen sind. Doch das ist typisch für die differenzierte Strichtechnik Klimts. Seine Meisterzeichnungen haben wenige schwarze Rahmen unter den vielen weißen, wobei es in der Masse durchaus noch Blätter zu entdecken gibt, die besondere Akzente setzen.

Blei- und Farbstift waren Klimts Favoriten, mit der nicht im Handgelenk locker drehbaren Tuschefeder hat er sich schwerer getan. Die Einteilung des Rasters mit einzelnen Nummern, über die ein Begleitheft Auskunft gibt, ist klar nach inhaltlichen Gruppen gegliedert. In der angenehm unhierarchischen Präsentation gibt es durchaus neue Akzente neben den aus den vielen Publikationen bekannten Arbeiten.

In den letzten Jahrzehnten gingen 800 Objekte als Leihgaben in die ganze Welt, am meisten gefragt ist der Malerkittel. Im Haus selbst war 1984 die letzte Schau, weshalb der komplette Satz
auch Geschichte und Komplexität der Sammlung zum Ausdruck bringt. Während der Vorbereitung tauchten weitere Originalzeichnungen auf, die von der Klimt-Expertin der Albertina, Marian Bisanz-Prakken, in ihren Ergänzungsband des zeichnerischen Gesamtwerks aufgenommen werden. Sie schreibt auch im Kata-log, der nun den ganzen Bestand vereint.

Es ist richtig für ein Stadtmuseum, nicht mit "Best of"-Präsentationen zum 150. Geburtstag zu konkurrieren, sondern ein unkonventionelles Konzept vorzutragen - so wünscht man sich zwar zuweilen eine Leiter, um auch die höheren Reihen nahe betrachten zu können, merkt aber auch, dass Voyeure ohnehin nicht zu kurz kommen: Erst in unserer Gegenwart ist es möglich, dass die Aktmodelle dem Publikum ihre Körperöffnungen genau in Augenhöhe entgegenstrecken. Wer sich auf den weichen Teppich setzt, kann auch die unterste Reihe gut ins Visier nehmen.

Ein eigener Wiener Kosmos ist das 1907 ins Haus gekommene Bild des alten Burgtheaters von innen vor dem Abriss, für das Klimt 1887 den Auftrag und einen letzten Preis des Staates bekam. Danach hat er nur noch für den der Moderne gegenüber aufgeschlossenen Teil der Wiener Gesellschaft gemalt.

Das Raster mit den 411 Zeichnungen verweist auf Klimts Lieblingsthema: Nicht das Malen goldener Küsse, nicht die jungen Expressiven oder die japanische Kunst haben ihn vorangetrieben, sondern die Linie und das Experimentieren in Serie. Wenn das Klimtjahr einen Sinn hat, ist es der, endlich seine besondere Arbeitsweise zu vermitteln.




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-05-22 15:44:07
Letzte Änderung am 2012-05-22 19:35:22


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