Als Kaiser Franz Joseph im Dezember 1857 die Auflassung der Wehrbefestigungen rund um Wien verfügte (das gegenständliche Handschreiben des Monarchen an den Minister des Inneren wurde am 25. Dezember 1857 in der "Wiener Zeitung" abgedruckt), hatte dies nicht nur eine enorme Umgestaltung Wiens in architektonischer Hinsicht zur Folge. Durch die frei werdenden Flächen entlang der späteren Ringstraße ergab sich auch die Möglichkeit, grüne Erholungsgebiete zu schaffen. Bis heute existieren mit Stadtpark, Burggarten, Volksgarten, Rathauspark und Sigmund-Freud-Park bemerkenswerte Grünflächen an der Wiener Ringstraße.
Im Zuge der Schleifung der Befestigungsanlage wurde als erste große Parkanlage der Stadtpark errichtet. Bereits zuvor hatte es in dieser Gegend, namentlich auf dem Wasserglacis, ein Naherholungsgebiet gegeben. Ursprünglich durfte das Glacis vor der Stadtmauer nicht verbaut oder bepflanzt werden, um von der Stadt aus freie Schusslinie auf heranrückende Gegner zu haben.
Erlustigungsort vor den Mauern Wiens
Als die Türkengefahr vorbei war, ging man unter Kaiser Joseph II. (1741 bis 1790) dazu über, das Glacis zu begrünen und für Erholungszwecke zu nutzen. Das mit Alleen und Ziergärten versehene Wasserglacis wurde zum beliebtesten Erlustigungsort vor den Mauern Wiens – mit Musikveranstaltungen und sonstigen Vergnügungen. Es gab dort auch eine Trinkkuranstalt. Die Mineralwässer wurden in Plutzern (Tonkrügen) gelagert und den Wartenden wurde die Entkorkung der Plutzer mittels Glockenzeichen vermeldet.

Infolge der bereits zur Tradition gewordenen Naherholung auf dem Wasserglacis wurde dort 1861 mit der Anlage des Stadtparks im Stil eines englischen Landschaftsgartens begonnen. Der ursprüngliche Stadtpark-Entwurf stammte von dem Wiener Landschaftsmaler Joseph Selleny, dieser wurde vom ersten Wiener Stadtgärtner, Rudolf Siebeck, weiter bearbeitet und umgesetzt.
Die Kontinuität der Kur
Am 21. August 1862 wurde schließlich die erste in der Verwaltung der Stadt Wien befindliche Parkanlage eröffnet. Im darauf folgenden Jahr kam am gegenüber befindlichen Wienfluss-Ufer noch ein Kinderpark hinzu.
Am Rand des Stadtparks entstand im Auftrag der Gemeinde Wien nach Plänen von Johann Garben im Stil italienischer Renaissance ein Kursalon, der 1867 eröffnet wurde. Ebenso wie im Kurpavillon am Wasserglacis wurde dort ursprünglich Heilwasser zu Kurzwecken ausgeschenkt, ehe sich das Haus zu einer beliebten Tanz- und Konzertstätte wandelte. 1908 pachtete Hans Hübner den Kursalon und übertrug seinen Namen darauf. Ende der 1990er Jahre ging der Kursalon in das Eigentum der Familie Hübner über.
Print-Artikel erschienen am 12. Juli 2012
in der Kolumne "Museumsstücke"
In: "Wiener Zeitung", Beilage "ProgrammPunkte", S. 7
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