• vom 02.01.2013, 13:34 Uhr

Museum

Update: 21.03.2015, 22:35 Uhr

Wolfgang Kos

"Orte des Außergewöhnlichen"




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Von Petra Paterno

  • Direktor Wolfgang Kos über die Zukunft der Museen und die akute Standortfrage des Wien Museum
  • Sind Museen krisensicher - oder ist
  • die Institution seit Google obsolet?

"Ein Stadtmuseum muss dort sein, wo Menschen sind": Wolfgang Kos, Direktor des Wien Museum, plädiert in der ungeklärten Standortfrage für einen Verbleib des Museums am Karlsplatz.

"Ein Stadtmuseum muss dort sein, wo Menschen sind": Wolfgang Kos, Direktor des Wien Museum, plädiert in der ungeklärten Standortfrage für einen Verbleib des Museums am Karlsplatz.© S. Jenis "Ein Stadtmuseum muss dort sein, wo Menschen sind": Wolfgang Kos, Direktor des Wien Museum, plädiert in der ungeklärten Standortfrage für einen Verbleib des Museums am Karlsplatz.© S. Jenis

"Wiener Zeitung": Hat die Institution Museum als Bildungseinrichtung für ein medial überreiztes Publikum nicht längst ausgedient?

Wolfgang Kos: Im Gegenteil - Museen verstehen sich heute mehr denn je als Bildungsinstitutionen. Allerdings mussten sich viele Häuser in den vergangenen Jahrzehnten neu erfinden, ihr Selbstverständnis überdenken, neue Positionen einnehmen, - ein Prozess, der auch international zu beobachten ist. Museen sind nach wie vor Orte des Außergewöhnlichen, sie können Menschen faszinieren und einzigartige Erlebnisse erzeugen, die in keinem anderen Medium zu bekommen sind.


Was ist damit konkret gemeint?

Was wir anbieten, sind partielle Ausstiege aus einer medialen Dauerberieselung. Ein Museumsbesuch ist ein unmittelbares Erlebnis. Mit einer Ausstellung bieten wir - vergleichbar einem Theaterabend - gleichsam eine Welt an, in die man eintauchen kann. Museen sind durch nichts zu ersetzen, weil sie mit realem Material arbeiten, mit spektakulären Objekten ebenso wie mit nur scheinbar unspektakulären, alltäglichen Dingen, die viel zu erzählen imstande sind, wenn man sie befragt: Das erste Säuglingswäschepaket der Stadt Wien aus den 1920er Jahren ist beispielsweise eine absolute Besonderheit. Die Betrachtung eines raren Originals vermag immer noch mehr zu bewirken als jede mediale Repräsentation.

Sie beziehen sich auf die viel zitierte Aura des Originals?

Aura klingt so feierlich. Dennoch geht es um sinnliche Impulse. Gerade weil man sich gegenwärtig unendlich viel Bildmaterial beschaffen kann und alles scheinbar digital verfügbar ist, gewinnt die Unmittelbarkeit des realen Objekts an Bedeutung. Viele Kunstwerke sind ohne Verluste nicht fotografierbar, die Materialität der Farbe geht verloren, die Dreidimensionalität und die Wirkung im Raum sowieso. Tatsächliche Größen lassen sich nicht abbilden - seine Wirkung entfaltet ein Museumsobjekt aber nur dann zur Gänze, wenn man tatsächlich davorsteht und es aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten kann.

Wo liegen Ihre Schwerpunkte in Sachen Sammlungstätigkeit?

Gegenwärtig versucht man die Sammlung vor allem in jenen Bereichen zu stärken, die früher etwas vernachlässigt wurden. Das betrifft vor allem Objekte der jüngeren Vergangenheit, Zeitgeschichte und Dinge des Alltags, die vom Leben der Menschen Konkretes erzählen. Viele Sammlungen von Stadt- und Landesmuseen umfassen Gegenstände des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts, doch die jüngste Vergangenheit blieb häufig außen vor. Das holen wir nun nach.

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Dokument erstellt am 2013-01-02 13:38:05
Letzte nderung am 2015-03-21 22:35:06



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