• vom 18.03.2013, 17:51 Uhr

Museum

Update: 18.03.2013, 17:51 Uhr

Jüdisches Museum

Und sogar Superman!




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Von Christina Böck

  • Alle meschugge?
  • Farkas, Tabori, Borat - sie alle vereint der jüdische Humor, meint eine neue Schau im Jüdischen Museum

"Aus der Misere etwas Lustiges machen": aus Dani Levys Komödie "Mein Führer". - © Ecki Fritz

"Aus der Misere etwas Lustiges machen": aus Dani Levys Komödie "Mein Führer". © Ecki Fritz

"Sind Sie jüdisch?" - "Wollen Sie meinen Penis überprüfen?" Das ist ein typischer Dialog aus der TV-Serie "Curb your Enthusiasm" von Larry David. Ein sehr typischer Dialog: ein Drittel politisch unkorrekt, ein Drittel aggressiv und ein Drittel - jüdisch. Also jüdischer Humor, wie er sich heute in der US-Fernsehlandschaft etabliert hat, hier in der Version für Fortgeschrittene. Einem Mainstreampublikum ist wohl die Serie "Die Nanny" bekannter: Wer erinnert sich nicht an die immer hungrige Mutter von Nanny Fran, die ihre Tochter mit einem jüdischen Arzt verheiratet sehen will. Der Brite darf’s dann auch sein, weil der ist, wenn schon kein Jude, immerhin Milliardär.

Nachkriegskabarett gab es in der Marietta Bar.

Nachkriegskabarett gab es in der Marietta Bar.© Jüd. Museum Wien Nachkriegskabarett gab es in der Marietta Bar.© Jüd. Museum Wien

Dass die Darstellung jüdischen Milieus es aus den Randzonen in den Hauptabend geschafft hat, das ist übrigens auch Larry David zu verdanken: Denn er hat in den 1990ern die Sitcom "Seinfeld" erfunden. Wie sich der jüdische Humor von den jiddischen Theatern Anfang des 20. Jahrhunderts weiterentwickelt hat zu dem, worüber wir heute so selbstverständlich in Film und TV lachen, das zeigt die Ausstellung "Alle meschugge? Jüdischer Witz und Humor" im Wiener Jüdischen Museum. Dabei hat sich diese Schau viel vorgenommen. Wer sich vor Reizüberflutung fürchtet, der ist vielleicht fehl am Platz. Denn die Kuratoren Marcus G. Patka und Alfred Stalzer haben das Multi in Multimedia wirklich ernstgenommen. Auch ist dies keine Ausstellung, die man im flotten Durchlauf erkunden kann. Für die vielen Hör- und Videobeispiele sollte man sich Zeit nehmen. Dann hat man nicht wenig zu lachen.

Information

Ausstellung
Alle meschugge?
Jüdisches Museum,
bis 8. September


Das New Yorker Grinzing
Wenig zu lachen - das ist eins der Schlagworte, die untrennbar zum jüdischen Humor gehören. Ein Volk, das wenig zu lachen hat, und trotzdem lacht. Oder, wie es Rafi Kishon, der Sohn Ephraim Kishons, bei der Eröffnung formulierte: "Aus der Misere etwas Lustiges machen." Das beste Beispiel ist wohl die Blüte des Kabaretts in den 1950er Jahren, etwa unter Karl Farkas - alle Beteiligten standen noch unter dem Schock des im Krieg und der Shoah Erlebten oder Überlebten. Und doch entstanden einige der uneinholbar lustigsten Sketche und Lieder der österreichischen Kabarettgeschichte zu jener Zeit. Viele davon sind hier zu sehen. Selbst im Exil machte der Humor nicht Pause, wie berührende Programme von Auftritten von Hermann Leopoldi zeigen: Die fanden in Eberhardts Cafe Grinzing statt - in der East 79th Street in New York.

Die Ursprünge des so showbusinesstauglichen Humors lokalisiert die Schau bei den Juden Osteuropas, die nach Wien und Berlin auswanderten. Da entstanden bald jiddische Theater und Vaudeville-Varietés. In der Vielvölkerstadt Wien waren sie beliebter als in Berlin, dort wurde das Jiddische nicht so weitflächig verstanden. Daraus wiederum entwickelten sich die Revuen, wie sie etwa Farkas und Grünbaum machten, aber auch literarisches Kabarett einer Stella Kadmon. Die Emigrationswelle ab 1938 brachte den spezifischen Witz nach Amerika und natürlich nach Hollywood, wo vor allem Billy Wilder nach wie vor der Säulenheilige der Filmkomödie ist.

Kishon und Bugs Bunny
In ihrem Willen, so ziemlich alles (sogar Superman) unterzubringen, kommen den Kuratoren leider ein paar Aspekte zu kurz. Es gibt etwa einen kurzen Film über (Zwangs-)Kabaretts in den Konzentrationslagern Westerbork und Theresienstadt, die durchaus einen genaueren Blick wert gewesen wären. Die Ecke, die sich dem jüdischen Humor in Israel widmet, ist auch knapp geraten: Hier wären mehr Informationen über zeitgenössische Tendenzen (also nach "Eis am Stiel") interessant gewesen. Der Raum, in dem Filmregisseur Dani Levy, Brachialkabarettist Martin Polak ("Ich darf das, ich bin Jude") und George Tabori zusammenkommen, zeigt eine gewagte Kombination. Relativ viel Platz wird wiederum Hollywood geboten. Dabei fehlt es aber an Analyse: Wenn etwa ein Sacha Baron Cohen als Vertreter des "jüdischen Humors" angeführt wird, braucht es doch Reflexion, wie es von dem eingangs als "warmherzigen, menschenfreundlichen" beschriebenen Witz zu dieser Ausformung, die die Herabwürdigung zur Kunst macht, gekommen ist.

Ein Highlight der trotzdem insgesamt sehenswerten Ausstellung ist die Kishon-Ecke. Da gibt es nicht nur das Video einer Lesung seines Übersetzers Friedrich Torberg und einen Film über seinen Arbeitsplatz (mit Bugs-Bunny-Figur). Da steht auch ein Schachcomputer, der mit Kishons Stimme spricht. "Der erste gut gelaunte Schachcomputer. Spielt nicht schlecht, kann aber die Klappe nicht halten." Da bekommt sein Spruch: "Jemand, der lacht, ist nicht besiegt" eine ganz neue Bedeutung. Auch lustig.




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Dokument erstellt am 2013-03-18 16:41:05
Letzte nderung am 2013-03-18 17:51:20



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