• vom 12.11.2015, 01:00 Uhr

Museum

Update: 20.03.2017, 21:19 Uhr

Museumsstücke

Kaiser Franz Joseph und die Maurerweiber




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Von Johann Werfring

  • Eine wunderbare Ausstellung der Wienbibliothek im Rathaus thematisiert facettenreich und kurzweilig die Entstehungsgeschichte der Wiener Ringstraße.

Grundsteinlegung im Fundament des Turms des Wiener Rathauses am 14. Juni 1873. - © Illustrirte Zeitung vom 17.Juli 1873 / Wienbibliothek

Grundsteinlegung im Fundament des Turms des Wiener Rathauses am 14. Juni 1873. © Illustrirte Zeitung vom 17.Juli 1873 / Wienbibliothek

Die Grundsteinlegung für den Bau des Wiener Rathauses am 14. Juni 1873 war ein weitgehend elitäres gesellschaftliches Ereignis. Auf der hier abgedruckten Illustration ist Kaiser Franz Joseph dargestellt, wie er am Grundstein, der soeben abgeseilt wurde, mit einem Hammer die entscheidende Aktion vollbringt. Direkt hinter ihm sind Herrschaften des Hofes, der Regierung und des Militärs versammelt, auf der Seite des neben dem Monarchen dargestellten Bürgermeisters, Cajetan Felder, sind bürgerliche Honoratioren zu sehen.

Auch sonst sind jede Menge vornehme Wiener Persönlichkeiten gekommen. Um ihnen einen besseren Blick auf das kaiserliche Tun zu ermöglichen, wurden spezielle Zuschauertribünen errichtet. Einen recht erhabenen Anblick bieten auch die vielen rot-weiß-roten Fahnen und das Festzelt, in welchem der Monarch vor dem Festakt Station gemacht haben dürfte.

Auf bereits errichteten Teilen des Fundaments sind Arbeiter postiert, darunter die sogenannten Maurerweiber (auch "Mäulterweiber" – von "Malter" = Mörtel). Frauen sind in der Habsburgermonarchie, und auch noch in der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg, auf Baustellen keine seltene Erscheinung gewesen. Sie mischten den Mörtel und übernahmen allerlei Zureichdienste. Auf das Zureichen (wienerisch "Zuaroacha") des Mörtels durch die Frauen an die Maurer verweisen die in ihren Händen befindlichen Schaffeln.

Information

Vom Werden der Wiener Ringstraße
Ausstellungskabinett und Foyer
der Wienbibliothek im Rathaus

1010 Wien, Stiege 6, 1. Stock
Mo bis Do (werktags) 9–18.30 Uhr,
Fr (werktags) 9–16:30 Uhr
bis 15. Jänner 2016


Was die Gans auf ihrem Schwaferl trägt

Wien war ja zur Zeit der Entstehung der zahlreichen Bauten entlang der Ringstraße jahrzehntelang permanent eine riesige Baustelle. Insofern war das "Maurerweib" im Wiener Straßenbild zu jener Zeit ganz besonders präsent. Aber auch sonst zählte es zum Alltag. Dementsprechend lautet eine Strophe von einem lustigen Gänselied, das in der Umgebung Wiens anno dazumal verbreitet war: "Vetter Hans, was trägt die Gans auf ihrem Schwaferl? / Weana Maurerweiba, samt de Schafferl." Da sie anno dazumal praktisch allerorten anzutreffen waren, sind die bei der Grundsteinlegung – gewissermaßen als Aufputz – hinzugenommenen "Mäulterweiber" sicher auch für den Kaiser keine exotischen Gestalten gewesen . . .

Print-Artikel erschienen am 12. November 2015
in der Kolumne "Museumsstücke"
In: "Wiener Zeitung", Beilage "ProgrammPunkte", S. 7




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2015-11-10 18:50:04
Letzte ─nderung am 2017-03-20 21:19:58



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