• vom 19.11.2015, 16:43 Uhr

Museum

Update: 19.11.2015, 17:12 Uhr

Buchmalerei

Ein goldenes Zeitalter




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Von Heiner Boberski

  • Die Österreichische Nationalbibliothek präsentiert einzigartige Buchmalerei aus dem Spätmittelalter.

Seite aus einer Handschrift der Goldenen Bulle, die 1400 von König Wenzel in Auftrag gegeben wurde.

Seite aus einer Handschrift der Goldenen Bulle, die 1400 von König Wenzel in Auftrag gegeben wurde. Seite aus einer Handschrift der Goldenen Bulle, die 1400 von König Wenzel in Auftrag gegeben wurde.

Wien. Im Prunksaal am Wiener Josefsplatz befindet man sich quasi im Herz der Österreichischen Nationalbibliothek (ÖNB). Und derzeit kann man dort auch an der Wiege dieser Institution stehen: Die Ausstellung "Goldene Zeiten" präsentiert nämlich das von Herzog Albrecht III. im Jahr 1368 in Auftrag gegebene Evangeliar des Johannes von Troppau, "das älteste nachweisbare Buch im Haus", wie ÖNB-Generaldirektorin Johanna Rachinger in einer Pressekonferenz am Donnerstag hervorhob. Das Werk sei ein "fulminanter Beginn der Buchgeschichte in Österreich", betonte auch der Leiter der ÖNB-Abteilung für Handschriften und alte Druckwerke, Andreas Fingernagel, als Kurator der Ausstellung.

Religiöses und weltliche Macht

Information

Goldene Zeiten - Meisterwerke der Buchkunst von der Gotik bis zur Renaissance
Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek, bis 21.2.2016.
Dienstag bis Sonntag 10-18 Uhr, am Donnerstag 10-21 Uhr.


Mit dieser Prachthandschrift, deren Text in Gold geschrieben wurde und deren Einband aus vergoldetem Silber gefertigt ist, beginnt ein historisch äußerst interessanter Streifzug durch etwa 200 Jahre, in denen sich die Kunst der Buchmalerei von den Klöstern an die Fürstenhöfe verlagerte und der Buchdruck für eine Medienrevolution sorgte. Das Troppauer Evangeliar wird zum ersten Mal seit vielen Jahren öffentlich gezeigt, Anfang Dezember ersetzt aus konservatorischen Gründen ein Faksimile das Original. Dieses Objekt ist auch deshalb einzigartig, weil sein kostbarer Einband im Original erhalten blieb, während es bei etlichen Werken vorkam, dass bei erhöhtem Finanzbedarf der Besitzer die Gold- und Silberausstattung von Büchern zu Geld gemacht wurde. Das als Gründungscodex der Nationalbibliothek geltende Werk war als Krönungsevangeliar für Herzog Albrecht III. konzipiert.

Ein anderes Highlight der Ausstellung ließ König Wenzel I. um das Jahr in Prag 1400 anfertigen - eine üppig illustrierte Prachtabschrift der Goldenen Bulle, jener seit 2013 zum Unesco-Weltdokumentenerbe zählenden Urkunde, mit der Kaiser Karl IV. im Jahr 1356 die näheren Umstände der Wahl und der Krönung der römisch-deutschen Könige durch die Kurfürsten regelte. Einflüsse aus Böhmen waren anfangs besonders prägend für die Buchmalerei in Österreich. Die Wiener Werkstätte, die sich im Lauf der Zeit entwickelte, nahm dann auch Einflüsse aus Frankreich und Italien auf.

So finster das Mittelalter auch manchmal geschildert wird, im 14. Jahrhundert erlebte Wien einen echten Aufbruch: Errichtung der Residenz, Gründung der Universität 650 Jahren, Ausbau von Kirchen und der Beginn "goldener Zeiten" für die Buchkunst. Diese Blütephase wurde vom 1365 jung verstorbenen Herzog Rudolf IV., dem Stifter, eingeleitet, mehr aber noch von seinem bis 1395 regierenden Bruder und Nachfolger Albrecht III. vorangetrieben. Den Habsburgern war bewusst, dass nicht nur monumentale Bauten, sondern auch Handschriften und später Drucke der Festigung des christlichen Glaubens und natürlich ihrer herrschaftlichen Repräsentation dienlich sein konnten.

Viele Werke verbinden Religiöses mit weltlicher Macht, mit Abbildungen von Adeligen oder deren Wappen. Albrecht VI. gab zum Beispiel ein Gebetbuch in Auftrag, in dem er als thronender Herrscher mit Erzherzogshut und Rosenkranz abgebildet ist. Kaiser Friedrich III. ließ die Einbände seiner Bücher mit seiner Devise AEIOU versehen, deren Bedeutung nie zweifelsfrei geklärt wurde. Die berühmteste der über 300 bekannten Deutungen lautet: Austria erit in orbe ultima (Österreich wird bis zum Ende der Welt bestehen).

Dürer und Cranach
Für den späteren Kaiser Maximilian I. wurden opulent illustrierte Lehrbücher hergestellt. Sie weisen, so Fingernagel, zum Teil keine Gebrauchsspuren auf, dürften also kaum benützt worden sein. Als erster Habsburger nutzte Maximilian die Möglichkeiten des aufkommenden Buchdrucks und beauftragte die größten Künstler seiner Zeit, darunter Albrecht Dürer, Lucas Cranach oder Albrecht Altdorfer. Cranach arbeitete in Wien mit dem im Rheinland geborenen Drucker Johannes Winterburger zusammen, in dessen berühmter Werkstatt 1502 das Wiener Heiltumsbuch entstand, der würdige Abschluss dieser sehenswerten Schau. Dieses aufwendig gestaltete Werk präsentiert in mehr als 260 Holzschnitten den Reliquienschatz der Kirche und beinhaltet eine der ältesten Darstellungen des Wiener Stephansdoms.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2015-11-19 16:47:05
Letzte Änderung am 2015-11-19 17:12:36



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