• vom 28.01.2016, 00:15 Uhr

Museum

Update: 20.03.2017, 21:18 Uhr

Museumsstücke

Wiener, seid froh! Oho, wieso?




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Von Johann Werfring

  • In der Wiener Leopoldstadt, nicht weit vom großen Fluss entfernt, komponierte Johann Strauß 1867 den Walzer "An der schönen, blauen Donau".

Links: Johann Strauß am Stehpult im Arbeitszimmer seiner Wiener Wohnung, Tempera, sign. Th. Zasche (Ausschnitt), rechts: "An der schönen, blauen Donau", Walzer op. 314, 1866/67, Titelblatt der Erstausgabe für Klavier. - © Johann Werfring

Links: Johann Strauß am Stehpult im Arbeitszimmer seiner Wiener Wohnung, Tempera, sign. Th. Zasche (Ausschnitt), rechts: "An der schönen, blauen Donau", Walzer op. 314, 1866/67, Titelblatt der Erstausgabe für Klavier. © Johann Werfring

Zu Lebzeiten des Walzerkönigs Johann Baptist Strauß stand dessen Sohn Johann, obgleich er von seinem Können bereits hinlänglich Zeugnis gegeben hatte, noch ganz und gar im Schatten des Altvorderen. Nachdem der Vater am 25. September 1849 plötzlich im 46. Lebensjahr verstorben war, wandte sich Johann Strauß (Sohn) in der darauf folgenden Woche mit einem umfänglichen Inserat in der "Wiener Zeitung" an "das geehrte Publicum Wiens". Neben Dankensworten an die Wiener für die zahlreich erwiesene Anteilnahme sprach Strauß in diesem Inserat auch familiäre Belange sowie Kalamitäten mit Feinden an und erklärte, dass er gewiss sei, der Vater habe ihm "zum schönsten Erbteil die Liebe Wiens hinterlassen".

In verhältnismäßig kurzer Zeit gelang es Johann Strauß, in der Öffentlichkeit aus dem Schatten des Vaters herauszutreten und selber als Walzerkönig das Zepter zu übernehmen. Gemeinsam mit seinem Bruder Joseph entwickelte er in weiterer Folge die Form des Wiener Walzers, und überhaupt der Unterhaltungsmusik, enorm weiter.

Information

Johann-Strauß-Wohnung
1020 Wien, Praterstraße 54
Dienstag bis Sonntag und feiertags
10–13 Uhr und 14–18 Uhr
Tel. 01/214 01 21

Seinen berühmten Walzer "An der schönen, blauen Donau" komponierte Johann Strauß bezeichnenderweise in einer Wohnung in der Wiener Praterstraße, die nicht weit vom Donaustrom entfernt war. Strauß nahm den Fluss freilich noch ganz anders wahr, als wir das heute tun, denn die Donau war damals in Wien noch unreguliert und hatte allerlei Nebenarme.

Verfasst hat Strauß dieses Werk als Chorwalzer für den Wiener Männergesang-Verein. Zunächst war von der Donau noch keine Rede gewesen. Die Aussendungen des Vereins betitelten die neue Schöpfung von Strauß lediglich als "Walzer für Chor und Orchester". Erst bei der vom Musikverlag C. A. Spina am 21. Jänner 1867 herausgegebenen Endvariante fand sich der Titel "An der schönen blauen Donau".

Ob Johann Strauß diesen Titel selber vergeben hat, ist nicht bekannt. Gesichert ist indes, dass der für den Chor verfasste Text von Josef Weyl stammt. Dieser hatte für den Wiener Männergesang-Verein immer wieder ironisch-satirische Texte beigesteuert.

Im Gegensatz zu der 1890 herausgekommenen Variante ("Donau, so blau"), die bis heute gilt, kommt im ursprünglichen Text die Donau noch nicht vor. Mit den der Melodie unterlegten Anfangsworten "Wiener, seid froh! Oho, wieso?" spielt Weyl auf die aus Wiener Sicht wenig erfreulichen Verhältnisse nach der im Jahr zuvor verlorenen Schlacht bei Königgrätz an.

Die Uraufführung fand am 15. Februar 1867 im Wiener Dianasaal statt. Johann Strauß war nicht dabei. Er war an jenem Abend anderweitig verpflichtet.

Print-Artikel erschienen am 28. Jänner 2016
in der Kolumne "Museumsstücke"
In: "Wiener Zeitung", Beilage "ProgrammPunkte", S. 7





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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2016-01-25 12:23:05
Letzte ńnderung am 2017-03-20 21:18:59



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