• vom 11.02.2016, 00:15 Uhr

Museum

Update: 20.03.2017, 21:18 Uhr

Museumsstücke

Die Meriten des "feschen Edi"




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Von Johann Werfring

  • Als Resultat einer langen privaten Sammeltätigkeit wurde im vorigen Jahr in Wien-Alsergrund das Museum der Johann-Strauss-Dynastie gegründet.

"Wien über alles", Titelblatt der Erstausgabe für Klavier (l.), Porträtfoto von Eduard Strauss (1835–1916) alias "der fesche Edi".

"Wien über alles", Titelblatt der Erstausgabe für Klavier (l.), Porträtfoto von Eduard Strauss (1835–1916) alias "der fesche Edi".© Museum der Johann-Strauss-Dynastie "Wien über alles", Titelblatt der Erstausgabe für Klavier (l.), Porträtfoto von Eduard Strauss (1835–1916) alias "der fesche Edi".© Museum der Johann-Strauss-Dynastie

Mit einer Fülle von reizenden Themenschwerpunkten begeistert seit vorigem Jahr das Museum der Johann-Strauss-Dynastie seine Besucher. Dem Musiker Eduard Strauss, Sohn des Walzerkönigs Johann Strauss (Vater), ist ein separater Ausstellungsbereich gewidmet. Wie Museumsdirektor Helmut Reichenauer, der zahlreiche, in jahrzehntelanger Sammeltätigkeit zusammengetragene Objekte ins Museum eingebracht hat, bei der Führung betont, wurden die Verdienste Eduards in der bisherigen biografischen Literatur viel zu wenig gewürdigt. Zu Unrecht stehe dieser bis heute im Schatten seiner Brüder Johann Strauss (Sohn) und Josef Strauss.

Freilich hatten seine älteren Brüder Johann und Josef bereits vor ihm die Form des Wiener Walzers wesentlich verbessert. Jedoch trat auch Eduard mit bedeutenden Kompositionen hervor und begeisterte als Dirigent in nachhaltiger Weise. Alleine schon von seinem Erscheinungsbild war man in Wien hingerissen. Alsbald hatten ihm die Bewohner der kaiserlichen Haupt- und Residenzstadt den Spitznamen "fescher Edi" verpasst.

Information

Museum der Johann-Strauss-Dynastie
1090 Wien, Müllnergasse 3
Mi bis Sa 14–18 Uhr, So 10–13 Uhr
Tel: 01/310 31 06

Nach dem Rücktritt Johanns vom Tanzmusikgeschäft übernahm dessen Bruder Eduard 1870 (in diesem Jahr war Bruder Josef verstorben) die Leitung der Strauss-Kapelle. In den folgenden Jahrzehnten dirigierte Eduard im Goldenen Saal des Wiener Musikvereins die wöchentlichen Promenadenkonzerte. Es sei dies ein nicht zu unterschätzendes Verdienst Eduards gewesen, ist im Museum zu erfahren, weil solcherart die Präsenz und Aktualität der Strauss-Werke kontinuierlich gewahrt blieb. Ebenso sei der positive Ruf der Strauss-Dynastie und deren Kompositionen infolge seiner zahlreichen internationalen Tourneen enorm befördert worden.

Eduard Strauss mit Ehefrau Maria und den Söhnen Johann sowie Josef Eduard.

Eduard Strauss mit Ehefrau Maria und den Söhnen Johann sowie Josef Eduard.© Museum der Johann-Strauss-Dynastie Eduard Strauss mit Ehefrau Maria und den Söhnen Johann sowie Josef Eduard.© Museum der Johann-Strauss-Dynastie

Eine rätselhafte Vernichtungsaktion

Speziellen Nachruhm erwarb sich Eduard Strauss durch eine im Jahr 1907 von ihm angeordnete Verbrennungsaktion. Am 22. Oktober dieses Jahres begab sich der letzte noch am Leben befindliche Sohn von Johann Strauss (Vater) in eine Fabrik in Wien-Mariahilf, wo sich zwei riesige Öfen befanden. Ein Lastwagen, beladen mit Zentnern von Notenmaterial der Strauss-Kapelle, brauste heran. Eduard setzte sich vor den zur Aufnahme des Notenmaterials bestimmten Ofen in einen Fauteuil und überwachte die Verbrennung. Erst nach fünf Stunden, als die Verbrennung gänzlich abgeschlossen war, verließ er die Fabrik. Zwei weitere Wagenladungen Notenmaterial ließ er sodann in einer Fabrik in der Wiener Porzellangasse verbrennen.

Über die Ursachen dieser Aktion ist viel gerätselt und spekuliert worden. Einer der Gründe, so heißt es, sei gewesen, dass Eduard das Notenmaterial seinem Sohn Johann nicht übergeben wollte, weil dieser durch seine Spielsucht das väterliche Vertrauen verloren hatte . . .

Print-Artikel erschienen am 11. Februar 2016
in der Kolumne "Museumsstücke"
In: "Wiener Zeitung", Beilage "ProgrammPunkte", S. 7





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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2016-02-08 15:20:09
Letzte ─nderung am 2017-03-20 21:18:15



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