• vom 14.04.2016, 00:00 Uhr

Museum

Update: 20.03.2017, 21:17 Uhr

Museumsstücke

Wirtshausseligkeit im alten Klosterneuburg




  • Artikel
  • Lesenswert (25)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Johann Werfring

  • Eine kurzweilige Ausstellung mit einer Fülle an wunderbaren Exponaten zum Thema Gastronomie ist im Stadtmuseum Klosterneuburg zu bestaunen.

Wirtshausküchenutensilien aus Holz in der Ausstellung (l.), Nagelspende der Tischgesellschaft Dämmerstunde, 1914–1915 (r.). - © Johann Werfring

Wirtshausküchenutensilien aus Holz in der Ausstellung (l.), Nagelspende der Tischgesellschaft Dämmerstunde, 1914–1915 (r.). © Johann Werfring

Kinder am Tag ihrer Erstkommunion im Höfleiner Gasthaus Rudolf Kutscha im Jahr 1946.

Kinder am Tag ihrer Erstkommunion im Höfleiner Gasthaus Rudolf Kutscha im Jahr 1946.© Höfleiner Privatarchiv Kinder am Tag ihrer Erstkommunion im Höfleiner Gasthaus Rudolf Kutscha im Jahr 1946.© Höfleiner Privatarchiv

Ältere Semester, die sich lebhaft an jene Palette an Gastronomiebetrieben, wie sie noch vor einigen Jahrzehnten vorhanden gewesen ist, erinnern können, wird wohl beim Rundgang durch die aktuelle Ausstellung im Stadtmuseum Klosterneuburg mehrheitlich eine gewisse Wehmut überkommen. Die in der Schau gebotene Gegenüberstellung der seinerzeit von zünftigen Wirtshäusern (nebst Wein- und Bierhäusern, Milchtrinkhallen und Bahnhofsrestaurants) dominierten Gastroszene mit jener von heute, die nur noch wenige Gasthöfe (dafür aber Pizzerias, Chinarestaurants, McDonald, Schnitzelhäuser und dergleichen) aufweist, ist selbstredend.

Es ist verdienstvoll, in welch akribischer Weise das Ausstellungsteam die vielfach in Privatbesitz vorhandenen historischen Zeugnisse der Stadtgemeinde Klosterneuburg sowie der beigeordneten Katastralgemeinden gesichtet und im Wege der Schau zugänglich gemacht hat; eine entsprechende Publikation ist überdies in Vorbereitung. Die gebotene Objektauswahl gibt einen guten Überblick zur Genese der örtlichen Gastronomie seit 1900; in einer Reihe von Fällen überrascht die Ausstellung mit raren Museumsstücken zur Mentalitäts- und Alltagsgeschichte.

Information

Vom Anker zum Zwergesel –
Gastronomie in Klosterneuburg
von 1900 bis heute

Stadtmuseum Klosterneuburg
3400 Klosterneuburg, Kardinal-Piffl-Platz 8
Sa 14–18 Uhr, So & Feiertag 10–18 Uhr
bis 25. September 2016
Tel. 02243/444-299

Ein Ausstellungskapitel widmet sich etwa dem Abbau und der Lagerung von natürlichem Eis für gastronomische Zwecke sowie der Erzeugung von Speiseeis zur Zeit der ausgehenden Habsburgermonarchie. Ebenfalls aus dieser Zeit stammt die Nagelspende der Tischgesellschaft Dämmerstunde, die ihren Vereinssitz im Klosterneuburger Stiftskeller hatte. Die in den Jahren 1914 und 1915 von den Dämmerstunde-Mitgliedern erfolgte Benagelung der Granatenskulptur verfolgte einen karitativen Zweck: Wer – entgeltlich – einen Nagel einschlug, unterstützte damit Witwen und Waisen von im Ersten Weltkrieg gefallenen Soldaten. Den Stiftskeller in der Albrechtsbergergasse gibt es übrigens heute noch.

Ein herrliches Objekt ist das Foto aus dem Jahr 1946, auf dem die Kinder der Klosterneuburger Katastralgemeinde Höflein bei der Feier im Gasthaus Rudolf Kutscha am Tag ihrer Erstkommunion zu sehen sind. Sogleich drängt sich vor geistigem Auge ein Vergleich dieser schüchternen Nachkriegskindergesichter mit den aufgeweckten (und zum Teil "coolen") Physiognomien heutiger Kinder in diesem Alter auf.

Die hier abgebildeten Küchenutensilien aus Holz (Salzbehälter, Buttermodel, Krenreißer, Holzgabel und -löffel) lassen daran denken, dass die Wirtshausbesucher seinerzeit durch die Verwendung von Naturmaterialien auch keinen Schaden genommen haben. Heutzutage haben sich die Leute an den Verzehr des Plastikabriebs von Schneidbrettern und sonstigen verordneten Utensilien schon gewöhnt.


Print-Artikel erschienen am 14. April 2016
in der Kolumne "Museumsstücke"
In: "Wiener Zeitung", Beilage "ProgrammPunkte", S. 7




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2016-04-08 15:20:05
Letzte ─nderung am 2017-03-20 21:17:43



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Lügen haben lange Nasen
  2. Frühling mitten im Herbst
  3. AC/DC-Gitarrist Malcolm Young ist tot
  4. Don, der Gynäkologe
  5. Eindringlich aus Unvollkommenheit
Meistkommentiert
  1. AC/DC-Gitarrist Malcolm Young ist tot
  2. Gipfelanalysen
  3. Zwischen Schönklang und Rebellion

Werbung




CHAMPIGNON, 1850, Sepia, Kohle, Fettstift, Gouache auf Papier, 47,4 x 60,8 cm, Maisons de Victor Hugo, Paris/Guernesey,

Edvard Munch beschäftigte sich in zahlreichen Werken mit dem Thema Melancholie, die er bevorzugt als einsame Person am Strand darstellte. Ein riesiges Medieninteresse begleitete den kurzen Auftritt des österreichischen Hollywood-Exports Christoph Waltz bei seinem Besuch der Viennale.

Viennale-Interimschef Franz Schwartz (links) mit dem Stargast der Eröffnung: Schauspieler John Carroll Lynch zeigte sein Regiedebüt "Lucky" als Eröffnungsfilm der Viennale. Durch den Abend begleitete der Moderator Stephen Colbert. "Was auch immer Sie für den Präsidenten empfinden, Sie können nicht leugnen, dass jede Sendung auf eine Weise von Donald Trump beeinflusst wurde", sagte er zur Eröffnung der Emmy-Verleihung und machte damit deutlich, dass der Rest des Abends ziemlich politisch zugehen werde. "Warum habt ihr Trump keinen Emmy gegeben?", fragte er das Publikum. "Wenn er einen gewonnen hätte, wäre er vielleicht nie in das Rennen um die Präsidentschaft gegangen." Trump war in der Vergangenheit mehrfach für seine TV-Show "Celebrity Apprentice" nominiert worden, hatte aber nie gewonnen und sich darüber häufig öffentlich beschwert.

Werbung



Werbung