• vom 04.05.2016, 00:00 Uhr

Museum

Update: 04.05.2016, 23:26 Uhr

Museumsstücke

Heilige des sozialen Wohnbaus in Wien




  • Artikel
  • Lesenswert (19)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Johann Werfring

  • Mit einer Ausstellung über Otto Rudolf Schatz und Carry Hauser möchte das Wien Museum zwei zu Unrecht vernachlässigte Künstler bekannt machen.

Otto Rudolf Schatz: 100.000 neue Gemeindewohnungen, 1160 Wien, Pfenninggeldgasse 4a, (l.); Carry Hauser: Befreiung Österreichs, 1180 Wien, Simonygasse 2b (r.). - © Klaus Pichler

Otto Rudolf Schatz: 100.000 neue Gemeindewohnungen, 1160 Wien, Pfenninggeldgasse 4a, (l.); Carry Hauser: Befreiung Österreichs, 1180 Wien, Simonygasse 2b (r.). © Klaus Pichler

Das Wien Museum verfügt über die größte Sammlung von Werken der bedeutenden Künstler Otto Rudolf Schatz (1900–1961) und Carry Hauser (1895–1985). Dieser Fundus, bereichert um hochkarätige internationale Leihgaben, veranschaulicht im Museum in beeindruckender Aufstellung das vielschichtige Schaffen zweier Künstler, das durch besondere Zeitumstände gleichermaßen eine reichhaltige Inspiration erfuhr. Vor allem waren ihre Biografien geprägt durch zwei Weltkriege, Exil und extreme lebensgeschichtliche Beeinträchtigungen durch politische Systeme.

Information

O. R. Schatz & Carry Hauser.
Im Zeitalter der Extreme

Wien Museum Karlsplatz
1040 Wien, Karlsplatz 8
Di bis So und Feiertag 10–18 Uhr
noch bis 16. Mai 2016
Tel. 01/505 87 47


Eines der Ausstellungskapitel beschäftigt sich mit der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Sowohl Hauser als auch Schatz hatten zu jener Zeit großes Ungemach hinter sich. Über beide war wegen ihrer politischen Einstellung von den NS-Machthabern ein Berufs- und Ausstellungsverbot verhängt worden. Gleichermaßen waren sie "rassischen" Verfolgungen ausgesetzt gewesen, da sie mit Frauen aus jüdischen Familien verheiratet waren. Hauser ging in die Schweiz ins Exil, Schatz wurde 1944 gemeinsam mit seiner Frau von der Gestapo verhaftet und schließlich in ein Konzentrationslager überstellt, woraus die beiden im Mai 1945 von russischen Militäreinheiten befreit wurden.

Übersehene Bilder an Wiener Wänden

Als nach dem Krieg in Wien der kommunale Wohnbau wieder angekurbelt wurde, rief die Stadt fast zeitgleich unter der Bezeichnung "Kunst am Bau" ein umfängliches Kunstförderungsprojekt ins Leben, welches vorrangig der Unterstützung von notleidenden Künstlern diente. Auf diese Weise entstanden zwischen 1949 und 1959 an Wohn- und Nutzbauten 1090 Arbeiten, die von 355 Künstlern ausgeführt wurden.

Typologisch knüpft Schatz auf seinem Mosaik an alte Stifterfiguren an.

Typologisch knüpft Schatz auf seinem Mosaik an alte Stifterfiguren an.© Klaus Pichler Typologisch knüpft Schatz auf seinem Mosaik an alte Stifterfiguren an.© Klaus Pichler



Die von Hauser und Schatz geschaffenen Werke zählen zu den monumentalsten Artefakten des damals florierenden Genres "Kunst am Bau". Das Mosaik "100.000 neue Gemeindebauten" von Otto Rudolf Schatz aus dem Jahr 1953 an der Wand eines Hauses in Ottakring verweist auf die Wohnbauleistung in Wien, wobei die Bautätigkeit zwischen 1923 und 1934 mitgezählt wurde. Typologisch lehnt sich die Darstellung an Stifterfiguren an. In Wien wird von alters her ja meist der heilige Leopold mit seiner Kirche im Arm in dieser Funktion gezeigt. In solcher Tradition stehend erscheinen die Männer auf Schatzens Mosaik wie ein Heer von Heiligen des sozialen Wohnbaus in Wien.

Ein sogenanntes Wimmelbild ist das hier abgedruckte Mosaik von Carry Hauser mit dem Titel "Befreiung Österreichs", das sich an der Fassade eines Hauses in Wien-Währing befindet. Wie die Ausstellungsmacher betonen, wurde dieses "Lehrbild zur Geschichte Österreichs", ebenso wie das erwähnte Schatz-Mosaik, an einer wenig markanten Hauswand, noch dazu in einer unbedeutenden Nebengasse, installiert.

Es ist den Ausstellungsgestaltern jedenfalls zu danken, dass der Blick von Museumsbesuchern fortan etwas stärker auf die in Wien meist "übersehenen" Kunst-am-Bau-Artefakte gelenkt wird.

Print-Artikel erschienen am 4. Mai 2016
in der Kolumne "Museumsstücke"
In: "Wiener Zeitung", Beilage "ProgrammPunkte", S. 7





Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2016-04-29 14:23:06
Letzte Änderung am 2016-05-04 23:26:24



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Bob Dylan kommt nach Österreich
  2. Kleine Stimme, große Kunst
  3. Bruckner als Kraftwalze
  4. Moonwalk in die Ewigkeit
  5. Poetisches Moll
Meistkommentiert
  1. Mit indignierter Distanz
  2. Johnny Hallyday tot

Werbung




CHAMPIGNON, 1850, Sepia, Kohle, Fettstift, Gouache auf Papier, 47,4 x 60,8 cm, Maisons de Victor Hugo, Paris/Guernesey,

Edvard Munch beschäftigte sich in zahlreichen Werken mit dem Thema Melancholie, die er bevorzugt als einsame Person am Strand darstellte. Ein riesiges Medieninteresse begleitete den kurzen Auftritt des österreichischen Hollywood-Exports Christoph Waltz bei seinem Besuch der Viennale.

Viennale-Interimschef Franz Schwartz (links) mit dem Stargast der Eröffnung: Schauspieler John Carroll Lynch zeigte sein Regiedebüt "Lucky" als Eröffnungsfilm der Viennale. Durch den Abend begleitete der Moderator Stephen Colbert. "Was auch immer Sie für den Präsidenten empfinden, Sie können nicht leugnen, dass jede Sendung auf eine Weise von Donald Trump beeinflusst wurde", sagte er zur Eröffnung der Emmy-Verleihung und machte damit deutlich, dass der Rest des Abends ziemlich politisch zugehen werde. "Warum habt ihr Trump keinen Emmy gegeben?", fragte er das Publikum. "Wenn er einen gewonnen hätte, wäre er vielleicht nie in das Rennen um die Präsidentschaft gegangen." Trump war in der Vergangenheit mehrfach für seine TV-Show "Celebrity Apprentice" nominiert worden, hatte aber nie gewonnen und sich darüber häufig öffentlich beschwert.

Werbung



Werbung