• vom 25.08.2016, 00:00 Uhr

Museum


Museumsstücke

Osterhasen statt Mondhasen




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Von Johann Werfring

  • Die heurige Jahresausstellung auf Schloss Halbturn im Burgenland bietet Einblicke in die fabelhafte Welt fantastischer Tiere aus unterschiedlichen Kulturen.

Mondkröte auf einem Berg von Münzen, Bronze, Peking, 20. Jh. (l.); Mondhase, Tonfigur, Peking, 20. Jh. (r.). - © Johann Werfring

Mondkröte auf einem Berg von Münzen, Bronze, Peking, 20. Jh. (l.); Mondhase, Tonfigur, Peking, 20. Jh. (r.). © Johann Werfring

Ein Kapitel der Ausstellung ist China gewidmet. Neben dem Neujahrsfest ist dort das herbstliche Mondfest das zweitwichtigste Fest im Jahreskreis. Auch bei dieser Gelegenheit wird erwartet, dass alle zusammenkommen; abwesende Familienmitglieder sollen möglichst anreisen.

Zum Mondfest werden traditionell für die Mondfee und den Mondhasen Altäre errichtet. Verschiedene Überlieferungen beziehen sich auf diese. Wie berichtet wird, nahm die Mondfee das kapselförmige Elixier des langen Lebens ein, das eigentlich für ihren Mann bestimmt gewesen wäre, und floh – aus Angst vor dessen Zorn – auf den Mond. Dort spuckte sie die medizinale Kapsel aus, und es entsprang daraus der Mondhase. Gemeinsam mit der Mondfee bewohnt er den Jadeplast im Himmel.

Information

Tier – Mensch
Mythos, Fabelwesen und Wirklichkeit

Schloss Halbturn
7131 Halbturn, Im Schloss
Di bis So und Feiertag 10–17 Uhr
bis 26. Oktober 2016
Tel. 02172/8577

Devotionalie und Kinderspielzeug

Beim Mondfest hat auch der Mondhase Hochsaison. Ursprünglich war dieser ein Objekt rein religiöser Verehrung gewesen. Irgendwann kam es dann auf, dass man die Kinder mit den Figuren spielen ließ, woraufhin der Hase vor allem den Charakter eines Kinderspielzeugs annahm. Darüber hinaus kann er bis heute eine Devotionalie sein.

Die Gewandung des Mondhasen, der als Mischwesen einen menschlichen Körper und einen Hasenkopf aufweist, kann recht unterschiedlich sein. Oft trägt er, wie hier abgebildet, eine rote Robe, bisweilen erscheint er auch in der Rüstung eines Generals. Als Reittiere kommen häufig Tiger, aber auch andere Tiere zum Einsatz, mitunter sitzen Mondhasen auf Lotusblüten.

Die Kinder freuen sich nicht nur wegen der Figuren, sondern auch wegen der zum Mondfest gebackenen Mondkuchen. Wie berichtet wird, wurden diese Kuchen vor rund 700 Jahren als Waffe während der Mongolenherrschaft benutzt. Laut der einen Version habe man die Kuchen mit Gift versetzt und diese dann den Mongolen kredenzt. Die gängigere Version hingegen überliefert, dass anno dazumal in die Mondkuchen Nachrichten eingebacken wurden, welche im entscheidenden Moment den jeweiligen Hausherrn informierten, dass er den einquartierten mongolischen Krieger töten solle.

Was den Mondhasen betrifft, so war dessen Besitz und Inverkehrbringung während der von Mao Zedong verordneten Kulturrevolution verboten. Wie der österreichische China-Experte Gerd Kaminski berichtet, waren die ersten Hasenfiguren, die in China nach der Kulturrevolution auftauchten, westliche Schoko-Osterhasen gewesen, der autochthone chinesische Mondhase kehrte erst später wieder zurück.

Das zweite in der Ausstellung vertretene Mondtier, namentlich die dreibeinige Mondkröte, gilt in China als Symbol für langes Leben und Reichtum, weshalb es oft mit Münzen dargestellt wird. Laut Volksglaube versucht diese Kröte, den Mond bisweilen zu verschlingen, was ihr im Falle einer Mondfinsternis auch tatsächlich gelingt . . .

Print-Artikel erschienen am 25. August 2016
in der Kolumne "Museumsstücke"
In: "Wiener Zeitung", Beilage "ProgrammPunkte", S. 7





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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2016-08-19 17:38:04
Letzte Änderung am 2016-08-21 02:33:05



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