• vom 01.12.2016, 06:30 Uhr

Museum

Update: 02.12.2016, 22:22 Uhr

Museumsstücke

Unbekannte Pfade im Wiener Stephansdom




  • Artikel
  • Lesenswert (16)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Johann Werfring

  • Seit etlichen Jahren ist im Wiener Stephansdom ein spektakulärer Rundgang im Bereich des Westwerks mit herrlichen Blickerlebnissen möglich.

Die Bartholomäuskapelle soll in den kommenden Jahren mit den originalen mittelalterlichen Fenstern bestückt werden. - © Johann Werfring

Die Bartholomäuskapelle soll in den kommenden Jahren mit den originalen mittelalterlichen Fenstern bestückt werden. © Johann Werfring

Oftmals streben Besichtiger von historischen Gebäuden völlig ungezügelt voran, ohne viel nach links und rechts zu schauen. Infolge dieses kollektiven Verhaltens entgeht den allermeisten Besuchern des Wiener Stephansdomes ein spektakulärer Rundgang, der im romanischen südlichen Heidenturm beginnt und über die Bartholomäuskapelle sowie die Westempore (mit wunderbaren Einblicken ins Dominnere) in die Reliquienschatzkammer und in den nördlichen Heidenturm führt. Der (meist übersehene) Zutritt zu diesem wunderbaren Rundgang erfolgt nach Durchschreiten des Haupteingangs – haarscharf rechts – über einen kleinen Fahrstuhl.

Information

Der Domschatz von St. Stephan
Stephansdom
1010 Wien, Stephansplatz
Mo bis Sa 9–17 Uhr; So und
Feiertage 13–17 Uhr (Zugang über
Fahrstuhl beim Haupteingang rechts)
Tel. 01/515 52/3054

Noch bis zur Wiedereröffnung des Wiener Dommuseums im kommenden Jahr sind bei diesem Rundgang auch Schätze aus den Beständen des Museums zu sehen. Darunter befinden sich etwa der Ober-St.-Veiter Altar aus der Werkstatt Albrecht Dürers oder das Portrait Herzog Rudolfs IV., das als das älteste nachantike Herrscherbildnis im deutschsprachigen Raum gilt.

Eine in Vergessenheit geratene Kapelle

Bald nach dem Betreten der unter dem Titel "Der Domschatz von St. Stephan" firmierenden Ausstellung gelangt man in die Bartholomäuskapelle. Untersuchungen im Zuge der in den Jahren 2002/03 erfolgten Restaurierungen erbrachten neue Forschungsergebnisse. Unter anderem konnte mit dem Verfahren der Dendrochronologie (Baumringchronologie) eine Datierung auf die 1370er Jahre vorgenommen werden. Stifter der Kapelle war demnach Herzog Albrecht III., ab 1365 Nachfolger seines berühmten Bruders Rudolfs IV., des Stifters (Letzterem hat die Stadt Wien mit dem Auftrag zum Ausbau des Stephansdomes und der Gründung der Universität viel zu verdanken).

Wie auch die Schlusssteine der Bartholomäuskapelle mit Darstellungen des Erzengels Michael vermuten lassen, war diese ursprünglich dem heiligen Michael (der auch außen an der Westfassade des Doms figürlich dargestellt ist) geweiht. Seit 1840 war die im Jahr 1437 dem heiligen Bartholomäus geweihte Kapelle ein Lagerraum gewesen und infolgedessen schlichtweg in Vergessenheit geraten.

Albrecht III. und seine Nachfolger hatten die Kapelle als persönliches Oratorium genutzt, weshalb sie in alten Schriften als "Königskapelle" bezeichnet wird. Als unmittelbares Vorbild haben Forscher die private Kapelle Kaiser Karls IV. in Karlstein geortet, und als typologisches Vorbild gilt die Pariser Sainte-Chapelle König Ludwigs IX., des Heiligen.

Im Lauf der kommenden Jahre sollen in der Bartholomäuskapelle nach und nach wieder die seit 1889 im Historischen Museum der Stadt Wien (heute Wien Museum) befindlichen mittelalterlichen Fenster ("Habsburgerscheiben") mit Darstellungen von habsburgischen Herrschern und weiteren Sujets eingesetzt werden. Es wird dann in dieser Kapelle eine von den farbigen Originalfenstern wesentlich mitgeprägte Aura herrschen, wie das früher auch im Dominneren der Fall gewesen ist.

Print-Artikel erschienen am 1. Dezember 2016
in der Kolumne "Museumsstücke"
In: "Wiener Zeitung", Beilage "ProgrammPunkte", S. 7





Schlagwörter

Museumsstücke

Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2016-12-01 04:56:05
Letzte ─nderung am 2016-12-02 22:22:29



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Bruce Springsteen spielte Geheimkonzert für Obama-Angestellte
  2. Ein Gefühlsreigen
  3. D wie Dame, "Die" und Diva
  4. Rage, Riot, ramptamtam
  5. Schnäpse exen, derbe sexen
Meistkommentiert
  1. D wie Dame, "Die" und Diva
  2. Dich, teure Halle, grüß’ ich endlich . . .
  3. Bruce Springsteen spielte Geheimkonzert für Obama-Angestellte

Werbung




Ein Ausnahmeprojekt mit Ausnahmeproblemen: Die Elbphilharmonie, eine "gläserne Welle", die auf drei Seiten von Wasser umgeben ist. 

Billy Bob Thornton mit seinem Golden Globe für die Fernsehserie  "Goliath". Dirigent Gustavo Dudamel und die Wiener Philharmoniker am Sonntag beim Neujahrskonzert 2017.

Zu Gast bei der äthiopischen Nacht: Der Circus Debre Berhan aus Äthiopien. Der kanadische Sänger Leonard Cohen posiert auf einer Schienenschwelle, aufgenommen am 25.04.1976 anlässlich eines Konzertes in Frankfurt am Main.

Werbung



Werbung