• vom 15.12.2016, 06:00 Uhr

Museum

Update: 20.03.2017, 21:13 Uhr

Museumsstücke

Simmering am Kanal




  • Artikel
  • Lesenswert (17)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Johann Werfring

  • Das Bezirksmuseum Simmering widmet dem Wiener Neustädter Kanal, der einst auch durch den Bezirk verlief, eine facettenreiche Sonderausstellung.

Der erste Wiener Kanalhafen im Jahr 1809. Links die Magazinbrücke im Verlauf der Landstraßer Hauptstraße. - © Wien Museum

Der erste Wiener Kanalhafen im Jahr 1809. Links die Magazinbrücke im Verlauf der Landstraßer Hauptstraße. © Wien Museum

Kanalschiff mit Steuermann, Mann am Vorschiff, Pferd und Pferdeführer. Modell im Bezirksmuseum Simmering.

Kanalschiff mit Steuermann, Mann am Vorschiff, Pferd und Pferdeführer. Modell im Bezirksmuseum Simmering.© Johann Werfring Kanalschiff mit Steuermann, Mann am Vorschiff, Pferd und Pferdeführer. Modell im Bezirksmuseum Simmering.© Johann Werfring

Zur Ausstellung ist ein Buch von Johannes Hradecky, Mitarbeiter im Bezirksmuseum Simmering, und Werner Chmelar von der Stadtarchäologie Wien erschienen. Ausstellung und Buch handeln detailreich die Geschichte des zu Beginn des 19. Jahrhunderts gebauten Schifffahrtskanals ab, der von Wien bis Wiener Neustadt fertig gestellt wurde (bis Pöttsching gab es eine Verlängerung) und sogar bis nach Triest geplant war. Dass er schon nach etlichen Jahrzehnten infolge des zügigen Ausbaus des Eisenbahnnetzes an Bedeutung verlieren sollte, war zu Projektbeginn keineswegs absehbar.

Am Beginn des Zeitalters der Industrialisierung, in der die kaiserliche Residenzstadt einen immens gesteigerten Bedarf vor allem an Bau- und Brennholz hatte, leistete der Kanal nach seiner Eröffnung 1803 Beachtliches. Ein einziges Pferd reichte aus, um mit einem langen Kanalschiff 30 Tonnen zu bewegen. Demgegenüber hatte ein Pferd mit einem Fuhrwerk auf der ebenen Straße eine Zugleistung von einer Tonne, und im Falle der später aufgekommenen Pferdeeisenbahn konnte ein Pferd nur 6,75 Tonnen bewegen.

Information

Neues vom Wiener Neustädter Kanal
Bezirksmuseum Simmering
1110 Wien, Enkplatz 2
Fr 14–17 Uhr sowie jeden 1. u. 3. Sonntag
im Monat 10–12.30 Uhr; Kuratorenführung am 27. Jänner, 17 Uhr
noch bis 19. Februar 2017
Tel. 01/740 34-111 27

Buchtipp
Johannes Hradecky und Werner Chmelar: Wiener Neustädter Kanal. Vom Transportweg zum Industriedenkmal, hg. Museen der Stadt Wien – Stadtarchäologie, Phoibos Verlag, Wien 2014 (= Wien Archäologisch, Band 11)

Zwischen Wiener Neustadt und Wien liegen rund 100 Höhenmeter, die der Kanal in 50 Gefällestufen überwand. In den 50 Schleusenkammern mit je 24,70 Meter Länge wurden die Schiffe binnen drei bis vier Minuten gehoben oder abgesenkt. Zu den eindrucksvollen Kanalbauwerken zählten weiters die ursprünglich 16 Aquädukte, mit denen auch Gewässer überquert wurden.

Die Schiffsbesatzung bestand aus drei Mann: Steuermann, ein Mann auf dem Vorschiff, der dafür sorgte, dass das Schiff von Hindernissen freikam, und ein Pferdeführer, der gemeinsam mit dem Pferd auf dem Treppelweg einherschritt. Binnen 16 Stunden konnte so die Fracht über 56 Kilometer von Wiener Neustadt nach Wien transportiert werden. Unser Bild zeigt den ersten Wiener Kanalhafen mit dem Lagerplatz im Bereich der Landstraßer Hauptstraße vor den Toren der Stadt. 1849 wurde der Wiener Hafen zwei Kilometer nach Süden verlegt. Er befand sich dort, wo später der Aspangbahnhof entstand; kürzlich wurde in diesem Bereich die Siedlung "Eurogate" angelegt.

In der Ausstellung und im Buch werden auch Spezifika behandelt, die sich auf die Bezirksgeschichte von Simmering beziehen. So gab es seitens der Stadt Wien den Wunsch, den Kanal für den Leichentransport zu dem 1874 in Simmering eröffneten Zentralfriedhof zu nutzen, der letztlich aber nicht erfüllt wurde.

1879 wurde schließlich auch das zweite Wiener Hafenbecken zugeschüttet. Südlich von Wien, zwischen Wiener Neustadt und Biedermannsdorf, sind heute noch rund 36 Kilometer vom Kanal vorhanden. Der Treppelweg wird heute als Fahrradweg genützt.

Print-Artikel erschienen am 15. Dezember 2016
in der Kolumne "Museumsstücke"
In: "Wiener Zeitung", Beilage "ProgrammPunkte", S. 7





Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2016-12-12 16:02:05
Letzte ńnderung am 2017-03-20 21:13:49



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Trauer um einen Parade-Onegin
  2. AC/DC-Gitarrist Malcolm Young ist tot
  3. Lügen haben lange Nasen
  4. Grabbesuch mit Discogroove
  5. Beyonce ist höchstbezahlte Musikerin 2017
Meistkommentiert
  1. AC/DC-Gitarrist Malcolm Young ist tot
  2. Gipfelanalysen
  3. Zwischen Schönklang und Rebellion
  4. Don, der Gynäkologe

Werbung




CHAMPIGNON, 1850, Sepia, Kohle, Fettstift, Gouache auf Papier, 47,4 x 60,8 cm, Maisons de Victor Hugo, Paris/Guernesey,

Edvard Munch beschäftigte sich in zahlreichen Werken mit dem Thema Melancholie, die er bevorzugt als einsame Person am Strand darstellte. Ein riesiges Medieninteresse begleitete den kurzen Auftritt des österreichischen Hollywood-Exports Christoph Waltz bei seinem Besuch der Viennale.

Viennale-Interimschef Franz Schwartz (links) mit dem Stargast der Eröffnung: Schauspieler John Carroll Lynch zeigte sein Regiedebüt "Lucky" als Eröffnungsfilm der Viennale. Durch den Abend begleitete der Moderator Stephen Colbert. "Was auch immer Sie für den Präsidenten empfinden, Sie können nicht leugnen, dass jede Sendung auf eine Weise von Donald Trump beeinflusst wurde", sagte er zur Eröffnung der Emmy-Verleihung und machte damit deutlich, dass der Rest des Abends ziemlich politisch zugehen werde. "Warum habt ihr Trump keinen Emmy gegeben?", fragte er das Publikum. "Wenn er einen gewonnen hätte, wäre er vielleicht nie in das Rennen um die Präsidentschaft gegangen." Trump war in der Vergangenheit mehrfach für seine TV-Show "Celebrity Apprentice" nominiert worden, hatte aber nie gewonnen und sich darüber häufig öffentlich beschwert.

Werbung



Werbung