• vom 26.01.2017, 00:00 Uhr

Museum

Update: 20.03.2017, 21:12 Uhr

Museumsstücke

Im Schatten des Stephansdomes




  • Artikel
  • Lesenswert (12)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Johann Werfring

  • Die seit kurzem wieder zugängliche Vigilkapelle unter dem Wiener Stephansplatz ist nun auch durch eine aufschlussreiche Museumspublikation dokumentiert.

Links: Die Maria-Magdalena-Kapelle, Illustrationsmalerei von Bernhard Münzenmayer-Stipanits; rechts: die Virgilkapelle. - © Johann Werfring

Links: Die Maria-Magdalena-Kapelle, Illustrationsmalerei von Bernhard Münzenmayer-Stipanits; rechts: die Virgilkapelle. © Johann Werfring

Illustration des unterirdischen Raumes vor Einbau eines Gewölbes mit einer darüber geplanten Kapelle.

Illustration des unterirdischen Raumes vor Einbau eines Gewölbes mit einer darüber geplanten Kapelle.© Patrick Schicht Illustration des unterirdischen Raumes vor Einbau eines Gewölbes mit einer darüber geplanten Kapelle.© Patrick Schicht

Als im Zuge des U-Bahn-Baus im Jahr 1973 unter dem Stephansplatz die Virgilkapelle wiederentdeckt wurde, stellte das in Wien eine kleine Sensation dar (für ausgesprochene Kulturmenschen war es freilich eine Riesensensation). Im Jahr 2008 musste die Kapelle aus konservatorischen Gründen geschlossen werden. Im Zuge der Restaurierung wurde unter anderem, infolge des durch die hohe Luftfeuchtigkeit zu befürchtenden rasanten Verfalls, eine Klimaanlage eingebaut und im Nebenraum ein kleines Museum installiert, welches zum einen die Kapelle selbst, zum anderen in spannender Weise die Verhältnisse im vorindustriellen Wien thematisiert.

Die Zeit der Schließung von 2008 bis Ende 2015 wurde für intensive interdisziplinäre Forschungen genützt. Deren Resultate sind nun in einem umfänglichen – über Crowdfunding finanzierten – Buch nachzulesen.

Information

Virgilkapelle
1010 Wien, Stephansplatz
Eingang in der U-Bahn-Passage Stephansplatz
Di bis So und Feiertag 10–18 Uhr
Tel. 01/505 87 47/881 73

Wenngleich über die Frühzeit der im 13. Jahrhundert gebauten Kapelle keine schriftlichen Quellen vorliegen, konnten die Forscher in geradezu detektivischer Manier Licht ins Dunkel der Geschichte bringen und allerlei spannende Hypothesen aufstellen. Vor allem die Rolle des Babenberger-Herzogs Friedrich II., des Streitbaren (1211–1246), der sich um eine Anerkennung Österreichs als Königreich bemühte, ist im Buch spannend dokumentiert. Da es immens wichtig war, einen Landesheiligen zu küren und dessen Reliquien vor Ort zu haben, dürfte Friedrich die Kapelle für deren Unterbringung auserkoren haben, so die Forscher. Indes kam es durch seinen frühen Tod nicht zur Verwirklichung der Pläne.

Später wurde die Virgil-Kapelle mit der Maria-Magdalena-Kapelle überbaut und anderweitig genützt. Diese ganz dicht neben der Stephanskirche in deren Schatten befindliche Kapelle (die 1781 abbrannte) und deren Untergeschoß, die Virgilkapelle, haben eine recht komplexe Geschichte. Es ist empfehlenswert, sich die Zeit für eine Führung zu nehmen, bei welcher Kulturinteressierte ihr Bild von der Geschichte Wiens erheblich abrunden können.

Print-Artikel erschienen am 26. Jänner 2017
in der Kolumne "Museumsstücke"
In: "Wiener Zeitung", Beilage "ProgrammPunkte", S. 7





Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-01-19 16:03:06
Letzte ─nderung am 2017-03-20 21:12:33



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Beat Furrer erhält Ernst von Siemens Preis
  2. Fulminantes Beethoven-Finale mit der Fünften
  3. Die flüchtigen Klänge des Humanismus
  4. Tausend Tränen tief
  5. Cool und vital
Meistkommentiert
  1. Dialekt jenseits seiner Grenzen
  2. Intensität ohne Netz
  3. Sängerin der Cranberries gestorben
  4. Tausend Tränen tief
  5. Mit breitem Pinsel dünn aufgetragen

Werbung




Wissensdurstig, neugierig, seelenvoll und nachdenklich sieht David Bowie auf den Aufnahmen aus. Hier in August Wallas Zimmer.

Die 75. Golden Globes wurden zur Bühne der Frauen mit einer Kampfansage an Sexismus, Missbrauch und Benachteiligungn. "Ich möchte, dass heute alle Mädchen wissen, dass ein neues Zeitalter am Horizont anbricht", sagte die US-Entertainerin Oprah Winfrey in ihrer Dankesrede nach Empfang des Ehrenpreises für ihr Lebenswerk - und rührte viele im Saal zu Tränen. "Zu lang wurden Frauen nicht angehört oder ihnen wurde nicht geglaubt, wenn sie den Mut hatten, gegen die Macht von Männern aufzubegehren." Deren Tage seien nun gezählt. Jetzt müssten alle dafür kämpfen, dass es in Zukunft niemanden mehr gibt, der als Opfer "Me too" sagen muss, mahnte Winfrey. Zur ganzen Rede Ein Gruppenfoto der PreisträgerInnen.

CHAMPIGNON, 1850, Sepia, Kohle, Fettstift, Gouache auf Papier, 47,4 x 60,8 cm, Maisons de Victor Hugo, Paris/Guernesey, Edvard Munch beschäftigte sich in zahlreichen Werken mit dem Thema Melancholie, die er bevorzugt als einsame Person am Strand darstellte.

Werbung



Werbung