• vom 16.02.2017, 00:00 Uhr

Museum

Update: 20.03.2017, 21:11 Uhr

Museumsstücke

Netzjargon bei den Steinzeitmenschen




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Von Johann Werfring

  • Seit dem Jahr 2010 hat die Galerie der komischen Künste im Wiener MuseumsQuartier nahezu drei Dutzend Sonderausstellungen veranstaltet.

Cartoon zum Thema Sprache von Dorthe Landschulz.

Cartoon zum Thema Sprache von Dorthe Landschulz.© Galerie der komischen Künste Cartoon zum Thema Sprache von Dorthe Landschulz.© Galerie der komischen Künste

Nachdem die Galerie der komischen Künste in ihren Ausstellungen bereits alle möglichen Themen, darunter Literatur, Krieg, Landleben, Veganismus, Hunde und Katzen, aufgegriffen hat, widmen sich in der aktuellen Schau rund 60 Zeichner der Wissenschaft. In den vergangenen Jahren wurden in dieser Kolumne bisher achtmal herrliche Sujets aus Ausstellungen der Galerie der komischen Künste besprochen. Was die derzeit laufende Schau anbelangt, so darf ein Gutteil der darin präsentierten Cartoons zu den Highlights der gesamten Ausstellungsserie gezählt werden.

Zu den hoch begabten Akteuren ihres Fachs zählt die in Hamburg geborene, heute in der Bretagne lebende und wirkende Karikaturistin und Cartoonistin Dorthe Landschulz. Seit 2011 erfreut sie mit ihren Werken unzählige Internet-User auf ihrer Facebook-Seite "Ein Tag Ein Tier".

Information

Wissenschaftliche Cartoons
Galerie der komischen Künste
MuseumsQuartier / Q 21
1070 Wien, Museumsplatz 1
Mo bis So 11–18 Uhr
noch bis 28.Februar 2017
Tel. 01/890 27 53
www.komischekuenste.com

Gleich in mehrfacher Hinsicht wirkt das Bild mit den Steinzeitmenschen in ihrer Höhle auf die Fantasie der Rezipienten beflügelnd. Freilich steht die Sprache ganz im Zentrum der Betrachtung. Ohne zu wissen, inwieweit die moderne Wissenschaft den sprachlichen Äußerungen der Ur-Altvorderen auf die Spur gekommen ist, können sich Ausstellungsbesucher – solcherart angeregt – selber allerlei Äußerungen überlegen, die sie den Figuren in ihre Sprechblasen hineinschreiben möchten.

Physiognomien der Höhlenbewohner

Als einigermaßen bejahrter Betrachter ist man auf den ersten Blick durchaus geneigt, der Zeichnerin die Generierung einer fiktiven Steinzeitsprache abzunehmen. Bei näherer Betrachtung verfängt sich das misstrauisch gewordene Auge aber bei dem Wörtchen "Lol". In der Wiener Straßenbahn fahrend, und jugendlichen Sitznachbarn auf’s Handy-Display geguckt, konnte ich die Aneinanderreihung dieser Buchstaben bereits einige Male wahrnehmen. Eine rasche Recherche in der virtuellen Welt ergibt nunmehr, dass es sich um ein Akronym für "Laughing out loud" handelt. Mithin wird klar, dass junge Handynutzer damit ihrer Erheiterung Ausdruck verleihen wollen.

Auch die meisten anderen Sprechblaseninhalte stellen sich bei weiterer Nachschau als "Wörter aus dem Netzjargon" (wobei "Netz" für digitale Datennetze steht) heraus. "Yolo" meint "You only live once" und rechtfertigt auch dümmliches Verhalten. Dass "Yolo" 2012 in Deutschland zum Jugendwort des Jahres gekürt wurde, war mir bislang nicht bekannt. Auch "Rofl" hat eine Bedeutung: "Rolling on (the) floor laughing". Selbst dem archaisch anmutenden "Omg" wird auf Displays ein Sinn zuteil: "Oh my God". Ob indes auch "Grunz" zur Jugendsprache zählt, konnte bei der Recherche nicht herausgefunden werden.

Auf alle Fälle hat Dorthe Landschulz die Bedeutungen der einzelnen Sprechblaseninhalte bravourös in die Physiognomien der Höhlenbewohner eingeschrieben. Aufgrund dessen können ältere Semester ohne Netzjargon-Erfahrung – bei entsprechend einfühlsamer Betrachtung des Bildes – sogar ohne jegliche Recherche die jeweiligen Bedeutungen herausfinden.

Wie schon angemerkt, regt das Bild auch in anderer als in sprachlicher Hinsicht zum Grübeln an. So tut sich in Anbetracht der speziellen Bekleidung der unrasierten Gestalten die Frage auf, wann sich in historischer Zeit erstmals ein Modebewusstsein ausgebildet hat. Und die Tatsache, dass sich unter den Netzjargon-Steinzeitmenschen keine Frauen befinden, wirft die Frage auf, ob es in dieser frühen Phase der Menschheitsgeschichte auch schon Männerbünde gegeben hat.

Print-Artikel erschienen am 16. Februar 2017
in der Kolumne "Museumsstücke"
In: "Wiener Zeitung", Beilage "ProgrammPunkte", S. 7





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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-02-10 19:36:05
Letzte ─nderung am 2017-03-20 21:11:40



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