• vom 16.03.2017, 00:00 Uhr

Museum

Update: 23.03.2017, 00:00 Uhr

Museumsstücke

Magic Christian vor dem Weltgericht




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Von Johann Werfring

  • Für die Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien hat der österreichische Zauberkünstler Magic Christian ein eigenes Programm entworfen.

Magic Christian und mitwirkende Zuschauerin bei der Ausführung des Bechertricks vor dem Wiener Weltgericht von Hieronymus Bosch.

Magic Christian und mitwirkende Zuschauerin bei der Ausführung des Bechertricks vor dem Wiener Weltgericht von Hieronymus Bosch.© Claudia Rohrauer / Akademie der bildenden Künste Wien Magic Christian und mitwirkende Zuschauerin bei der Ausführung des Bechertricks vor dem Wiener Weltgericht von Hieronymus Bosch.© Claudia Rohrauer / Akademie der bildenden Künste Wien

Vieles im Werk von Hieronymus Bosch wirkt rätselhaft und entzieht sich plausiblen Deutungen. In gleicher Weise unerklärlich sind die zauberhaften Darbietungen von Magic Christian, des bekanntesten österreichischen Magiers, der auch weit über die Landesgrenzen hinaus einen hervorragenden Ruf genießt. Der Ort der Aufführungen in der Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien, direkt vor Boschs berühmtem Weltgerichtstriptychon aus der Zeit des ausgehenden Mittelalters, könnte mithin nicht trefflicher gewählt sein.

Information

Magic Bosch – Gaukler, Maler, Teufel.
Meister der Illusion
Zauber-Soiréen mit Magic Christian

Akademie der bildenden Künste Wien
1010 Wien, Schillerplatz 3
Zauber-Soiréen am 25. März, 6. Mai,
23. Juni und 16. Juli, jeweils 18.30 Uhr,
Anmeldung: Tel. 01/588 16-2201

Eingeleitet werden die Darbietungen in höchst stimmiger Weise von dem Kunsthistoriker Erwin Pokorny. Alleine schon die künstlerische Umsetzung von Boschs fantastischen Kreaturen sei insofern beeindruckend, als diese uns "wie echt vorgegaukelt" werden, sagt Pokorny, der zur Illustration etwa auf einen im Mittelteil des Wiener Weltgerichtstriptychons dargestellten "Kopffüßler" verweist. Es folgt ein kurzer Bildvortrag mit Beispielen, an denen deutlich wird, dass eine Reihe von bis heute probaten Zaubertricks bereits zur Zeit der Entstehung des Weltgerichtstriptychons bekannt war. Der Vergleich einer Darstellung aus einem frühneuzeitlichen Zauberbuch mit einzelnen Szenen auf dem Wiener Weltgerichtstriptychon macht deutlich, dass Hieronymus Bosch selber zauberische Darbietungen gesehen haben musste und sich von diesen inspirieren ließ.

Magic Christian beim Papierhutzaubern in seiner Soirée am Wiener Schillerplatz.

Magic Christian beim Papierhutzaubern in seiner Soirée am Wiener Schillerplatz.© Claudia Rohrauer / Akademie der bildenden Künste Wien Magic Christian beim Papierhutzaubern in seiner Soirée am Wiener Schillerplatz.© Claudia Rohrauer / Akademie der bildenden Künste Wien

Die lange Tradition der Zauberkünste

Als kurzweilige Überleitung zur eigentlichen Show gibt Magic Christian sodann Hinweise auf die lange Tradition der Zauberkünste, die mehr als 5000 Jahre zurückreicht. Wie sich herausstellt, verfügt er über eine beachtliche Sammlung an Schriften zur Geschichte der Zauberei. Die profunde Kenntnis der historischen Bezüge seiner Profession wird er sodann im passenden Moment immer wieder in der Show aufblitzen lassen.

Sein schauspielerisches Talent und seine psychologische Versiertheit stellt der sympathische Magier bravourös unter Beweis, indem er bei allen möglichen Gelegenheiten mit dem Publikum in Interaktion tritt. Immer wieder bittet er Zuschauer zu sich auf die Bühne, etwa bei dem hier abgebildeten Programmpunkt mit dem (historischen) Bechertrick. Die Annäherung ans Publikum erfolgt subtil und augenzwinkernd, etwa wenn Magic Christian auf der Suche nach Mitwirkenden für ein Puzzlespiel nach einem Ehepaar fragt, das schon eine Zeit lang verheiratet und "sich noch immer sympathisch" ist.

Alles in allem erlebt das Publikum herrliche Illusionen, gepfeffert mit reichlich Wortwitz, und zwar in spannungsgeladener Atmosphäre; schließlich kann man nie sicher sein, ob man nicht etwa selber auf die Bühne gebeten wird. Ein Buffet mit Weinbegleitung bildet den entspannten Ausklang.

Print-Artikel erschienen am 16. März 2017
in der Kolumne "Museumsstücke"
In: "Wiener Zeitung", Beilage "ProgrammPunkte", S. 7





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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-03-10 17:14:07
Letzte ńnderung am 2017-03-23 00:00:54



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