• vom 06.04.2017, 00:00 Uhr

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Update: 30.04.2017, 23:11 Uhr

Museumsstücke

Täufer-Tortur in Wien




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Von Johann Werfring

  • In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts wurden in Wien nicht wenige Menschen wegen ihres Glaubens verbrannt oder in der Donau ertränkt.

Dr. Balthasar Hubmaier (1485–1528), der prominenteste Theologe unter den Täufern, wurde am 10. März 1528 in Wien beim Stubentor lebendig verbrannt, seine Frau wurde in der Donau ertränkt. Kupferstich nach Christoffel van Sichem, 1609. - © Wien Museum Karlsplatz

Dr. Balthasar Hubmaier (1485–1528), der prominenteste Theologe unter den Täufern, wurde am 10. März 1528 in Wien beim Stubentor lebendig verbrannt, seine Frau wurde in der Donau ertränkt. Kupferstich nach Christoffel van Sichem, 1609. © Wien Museum Karlsplatz

Schon 300 Jahre vor dem Thesenanschlag Luthers hatte Walther von der Vogelweide scharf gegen den Papst und die vom Stuhl Petri ausgehenden Missstände polemisiert. Weil der Rezipientenkreis des Sängers überschaubar war, schlug dessen Kritik aber noch keine allzu hohen Wellen.

Martin Luther hingegen konnte nach Erfindung des Buchdrucks eine ganz andere Wirkung erzielen, wodurch die Lage sowohl für den Papst und die katholische Kirche als auch für den Reformator und dessen Anhänger brenzlig wurde. Während in diversen Territorien aufgeschlossene Potentaten Anhängern der neuen Glaubensrichtung Schutz boten, blies in Wien den Neuerern des Glaubens eine scharfe Brise entgegen. Die vom Landes- und Stadtherrn, Ferdinand I., gegen sie ergriffenen Maßnahmen katapultierten die Donaumetropole mitten im Frühling der Neuzeit weit zurück ins finstere Mittelalter.

Information

Brennen für den Glauben – Wien nach Luther
Wien Museum Karlsplatz
1040 Wien, Karlsplatz 8
Di bis So und Feiertag 1018 Uhr
bis 14. Mai 2017
Tel. 01/505 87 47

In Wien fiel das von Luther vertretene Gedankengut infolge antiklerikaler Stimmung auf besonders fruchtbaren Boden. Ab 1521 reagierte Ferdinand I. mit entsprechenden Dekreten. Im Juli 1524 ließ er mehrere Personen verhaften. Infolge des Drucks, der gegen sie ausgeübt wurde und angesichts des drohenden Ketzertodes, widerriefen die meisten von ihnen ihre neue Glaubensgesinnung. Nur der angesehene Wiener Laubenherr Caspar Tauber blieb standhaft, musste aber dafür mit dem Tode bezahlen. Am 17. September 1524 wurde er auf dem Richtplatz in Erdberg enthauptet. Hernach wurde sein Leichnam als der eines Ketzers verbrannt.

In weiterer Folge wurde die lutherische Frühreformation in Wien nach wie vor bekämpft; die ganz harten Maßnahmen richteten sich nun aber gegen die radikalreformatorischen Wiedertäufer. Diese lehnten die Kindertaufe ab, weil sie nicht in der Bibel erwähnt wird, und legten auch sonst die Schrift auf eine besondere Weise aus.

Die erste Täuferhinrichtung in Wien, die an Dr. Balthasar Hubmaier vollzogen wurde, war zugleich die spektakulärste. Hubmaier war der bedeutendste Theologe unter den Täufern und hatte unter dem Protektorat von Leonhard Graf Liechtenstein in Nikolsburg (Mähren) gewirkt. Nachdem Hubmaier im Auftrag Ferdinands I. gefangen genommen worden war, brachte man ihn auf Burg Kreuzenstein bei Wien, wo er dazu gedrängt wurde, von seiner "Irrlehre" abzuschwören. Stattdessen schickte Hubmaier eine Rechtfertigungsschrift an Ferdinand I., woraufhin er nach Wien gebracht und gefoltert wurde, aber auch dadurch nicht von seinem Glauben abzubringen war. Wie überliefert ist, zelebrierte Hubmaier am 10. März 1528 in Wien seinen Gang zur Hinrichtungsstätte durch eine Abfolge von Gebeten, Gesängen und Bibelzitaten. Ehe er vor dem Stubentor bei lebendigem Leib verbrannt wurde, hielt er den Zuschauern der Exekution noch eine Abschiedsrede. Auch Hubmaiers Frau blieb standhaft. Sie wurde drei Tage danach in der Donau ertränkt.

Rund ein Vierteljahrhundert lang stellte man nun in Wien den Täufern nach. Zum Teil wurden sie öffentlich verbrannt oder ertränkt, zum Teil starben sie ohne Zuschauer.

Print-Artikel erschienen am 6. April 2017
in der Kolumne "Museumsstücke"
In: "Wiener Zeitung", Beilage "ProgrammPunkte", S. 7





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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-04-03 17:06:04
Letzte nderung am 2017-04-30 23:11:02



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