• vom 27.04.2017, 00:00 Uhr

Museum


Museumsstücke

Ein Wiener Philosoph als Meister und Magier




  • Artikel
  • Lesenswert (34)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Johann Werfring

  • Mit seiner Arte-Povera-Kunst hat der Wiener Gelehrte Walter Gartler zum Kunstgeschehen im spanischen Bocairente nicht wenig beigetragen.

Walter Gartler: Werk aus der Serie "Verbrannte Schriften", 2013 (l.); Drahtobjekt, 2011 (r.). - © Johann Werfring

Walter Gartler: Werk aus der Serie "Verbrannte Schriften", 2013 (l.); Drahtobjekt, 2011 (r.). © Johann Werfring

Der in Wien geborene und heute in Spanien wirkende Philosoph und Künstler Walter Gartler ist eine Persönlichkeit mit vielen Facetten. Ein Vierteljahrhundert lang bot er am Institut für Philosophie der Universität Wien Lehrveranstaltungen an. Von den Studenten wurde er gleichermaßen verehrt und abgelehnt. Während ihn die einen als charismatischen Wissenschafter und Lehrer schätzten und liebten, konnten andere seinen Vorlesungen kaum etwas abgewinnen. Es bedurfte einer geballten Lektüre-Erfahrung, um seinen Ausführungen folgen zu können.

Information

Los refugios artisticos de Gartler en Bocairente
46880 Bocairente (Spanien), Calle Virgen
de Agosto 8, Tel. 0034/689 973 929
https://www.airbnb.at/rooms/5637142

Heute betreibt Gartler in dem 95 Kilometer südwestlich von Valencia gelegenen mittelalterlichen Städtchen Bocairente zwei museale Gästehäuser. Ausgestellt sind dort ausschließlich Objekte seiner Hunderte Kunstwerke umfassenden Arte-Povera-Arbeiten. Ursprünglich inspiriert durch Henri Michaux, Antoni Tapies und Manolo Millares, generierte Gartler im Lauf der Jahrzehnte seinen eigenen Stil der "armen Kunst". Vielfach greift er Dinge des Alltags wie kaputte Sessel, Fenster oder Möbel aus ihrem Kontext der Verworfenheit heraus und gibt ihnen einen neuen Rahmen, verleiht ihnen damit eine Aura und macht sie zu verstörenden "Denkobjekten". Immer geht es dabei auch um Vergänglichkeit, "Heiligkeit" (Bataille) und "Gott" (Nietzsche).

Walter Gartler: Philosoph, Künstler, Kämpfer für soziale Gerechtigkeit.

Walter Gartler: Philosoph, Künstler, Kämpfer für soziale Gerechtigkeit.© Martha Lenz Walter Gartler: Philosoph, Künstler, Kämpfer für soziale Gerechtigkeit.© Martha Lenz

"Kunst hatte einstmals die Aufgabe, Gott selber darzustellen", indes sei dessen zunehmende Inkonsistenz in der Moderne die eigentliche Herausforderung für ihn als Künstler. Mit Objekten, wie dem hier abgebildeten, beabsichtigt er das Konzept der Schrift zu erweitern. "Ich bin ein Schriftbesessener", so Gartler, der unter dem Werktitel "Verbrannte Schriften" eine ganze Serie derartiger Bilder geschaffen hat.

In Bocairente, wo er mit seinen Arbeiten auch im städtischen Museo Antoni Ferri vertreten ist, wird Gartler als ein Meister und Magier wahrgenommen. Meister deshalb, weil seine Kunst beachtet und bewundert wird; Magier deshalb, weil er aus scheinbar nutzlosen Dingen Kunstwerke zaubert.

Das pittoreske Stadtbild von Bocairente.

Das pittoreske Stadtbild von Bocairente.© Johann Werfring Das pittoreske Stadtbild von Bocairente.© Johann Werfring

Gartlers Kunst ist eingebettet in ein Lebenskonzept der "Ars bene vivendi" (die Kunst gut zu leben), zu dem auch seine beiden Gästehäuser, seine 15 Katzen, seine meisterlich vorgetragene Flamenco-Musik sowie Wein und Kulinarik dazugehören. Gewissermaßen darf er als Epikureer ohne Luxus angesprochen werden. Die Gäste seiner musealen Häuser profitieren davon. Wenn die Chemie stimmt, krempelt Gartler gern die Ärmel auf und erfreut diese mit Musik und lukullischer Bewirtung.

Print-Artikel erschienen am 27. April 2017
in der Kolumne "Museumsstücke"
In: "Wiener Zeitung", Beilage "ProgrammPunkte", S. 7





Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-04-21 12:36:08
Letzte ─nderung am 2017-04-26 23:56:45



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Ausgespielt?
  2. Steirische Sturschädel unter der Discokugel
  3. Auffi, obi - und eini
  4. Interkontinental
  5. Je schwerer, desto leichter fällt es Barbara Hannigan
Meistkommentiert
  1. Ausgespielt?
  2. Ein Rabauke zeigt sich reuig
  3. Je schwerer, desto leichter fällt es Barbara Hannigan
  4. Interkontinental

Werbung




Durch den Abend begleitete der Moderator Stephen Colbert. "Was auch immer Sie für den Präsidenten empfinden, Sie können nicht leugnen, dass jede Sendung auf eine Weise von Donald Trump beeinflusst wurde", sagte er zur Eröffnung der Emmy-Verleihung und machte damit deutlich, dass der Rest des Abends ziemlich politisch zugehen werde. "Warum habt ihr Trump keinen Emmy gegeben?", fragte er das Publikum. "Wenn er einen gewonnen hätte, wäre er vielleicht nie in das Rennen um die Präsidentschaft gegangen." Trump war in der Vergangenheit mehrfach für seine TV-Show "Celebrity Apprentice" nominiert worden, hatte aber nie gewonnen und sich darüber häufig öffentlich beschwert.

Während einer Protestveranstaltung gegen Polizeigewalt vor dem Police Department von Baton Rouge, Louisiana, USA, am 9. Juli 2016, stellt sich die Aktivistin Ieshia Evans den vorrückenden Polizisten entgegen und streckt ihre Hände aus, bereit, sich verhaften zu lassen. Georgeund Amal Clooney gehörte die Aufmerksamkeit am Wochenende. Die gemeinsamenZwillinge blieben jedoch daheim bei der Nanny.

Matt Damon mit seiner Frau Luciana Barroso. "Downsizing", in dem Damon die Hauptrolle spielt, hat die 74. Festspiele von Venedig eröffnet. Der US-amerikanische Rapper Kendrick Lamar wurde sechsfach ausgezeichnet. Der wichtigste Preis: Sein Hit  "Humble" wurde zum Video des Jahres gewählt.

Werbung



Werbung