• vom 18.05.2017, 00:00 Uhr

Museum

Update: 28.06.2017, 00:18 Uhr

Hutmuseum

Fabelhafte Kellerwelt in der Wiener Josefstadt




  • Artikel
  • Kommentare (1)
  • Lesenswert (21)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Johann Werfring

  • Der Wiener Piaristenkeller bietet neben Kulinarik eine breitgefächerte Schausammlung mit zahlreichen originalen Kunstobjekten aus der Kaiserzeit.

Kaiserin Maria Theresia, Ölgemälde mit Prunkrahmen, um 1780 (l.) und der Hut eines Offiziers der königlich ungarischen Gendarmerie (r.). - © Johann Werfring

Kaiserin Maria Theresia, Ölgemälde mit Prunkrahmen, um 1780 (l.) und der Hut eines Offiziers der königlich ungarischen Gendarmerie (r.). © Johann Werfring

Gleich zwei Museen und ein Restaurant betreibt Erich Emberger im Piaristenkeller in der Wiener Josefstadt. Sowohl die beiden Museen als auch das Restaurant sind eng mit der Geschichte Österreichs und jener des bis 1918 regierenden Kaiserhauses verbunden.

Ehe Emberger vor 36 Jahren den Keller übernommen hatte, war er nahezu
20 Jahre lang mit Design und Handel von Trachten beschäftigt gewesen. "Kaiser Franz Joseph, der als Jäger oft mit Lederhose und Janker aufgetreten ist, hat die Tracht hoffähig gemacht", sagt Emberger. Insofern hatte er bereits zu jener Zeit ein Faible für die Kultur des Hofes und den vorletzten österreichischen Monarchen entwickelt.

Information

K. u. K. Weinschatzkammer und
Kaiser-Franz-Joseph-Hutmuseum

Piaristenkeller
1080 Wien, Piaristengasse 45
Tel. 01/406 01 93

Nachdem der historisch interessierte und mittlerweile zum Kommerzialrat aufgestiegene Gastronom immer intensiver in die Geschichte der Piaristen in der Josefstadt eingetaucht war, hatte er herausgefunden, dass die Mönche und deren Kloster- sowie Kirchenensemble der kaiserlichen Familie, insbesondere Leopold I. und Maria Theresia, nicht wenig zu verdanken haben.

So kam es, dass die Habsburger im Piaristenkeller eine zunehmend wichtige Rolle zu spielen begannen. Im Lauf der Jahre kaufte und ersteigerte Emberger eine Vielzahl an originalen Gemälden, Skulpturen und sonstigen Kunstwerken mit Bezug zur Kaiserfamilie und integrierte diese in kunstsinniger Weise in seinen Keller. Eines der wertvollsten Objekte ist ein Porträt der Kaiserin Maria Theresia aus der Zeit um 1770 mit Prunkrahmen. Zu seinen Lieblingsobjekten zählt Emberger auch ein Ölgemälde aus dem Jahr 1909 von Julius von Blaas, darstellend Kaiser Franz Joseph I. zu Pferde im Manövergelände. Die Objekte der grandiosen Kunstsammlung sind über das Restaurant, die beiden Museen und weitere Nebenräume verteilt und dienen dem Keller als Dauerleihgabe der von Erich Emberger errichteten Kunstsammlung Kaiser Franz Joseph Privatstiftung.

Weinpokal aus dem Privatbesitz Kaiserin Maria Theresias.

Weinpokal aus dem Privatbesitz Kaiserin Maria Theresias.© Johann Werfring Weinpokal aus dem Privatbesitz Kaiserin Maria Theresias.© Johann Werfring

Der Delfin als Sisis Steckenpferd

Die Weinschatzkammer des Weinmuseums im Piaristenkeller ist ein der Kaiserin Elisabeth (Sisi) gewidmeter – künstlerisch hochwertig ausgestatteter – Prunktresorraum, worin Weinraritäten aus drei Jahrhunderten eingelagert sind. Unter anderem befinden sich darunter zehn Bouteillen Madeira aus dem Geburtsjahrgang der Kaiserin Elisabeth (1837). Bis vor kurzem war im Piaristenkeller übrigens auch das von Sisi selbst entworfene Tafelgeschirr aus Korfu ausgestellt, darunter die mit den "Sisi-Delfinen" verzierten Gläser, aus denen sie ihren Wein konsumiert hatte.

Das Hutmuseum schließlich bietet eine Reihe von originalen Hüten und Uniformkappen mit Sammlungsschwerpunkt 1860 bis 1918. Als besondere Attraktion ließ Erich Emberger rund 400 aufwendig gestaltete Nachbildungen von kaiserzeitlichen Hüten anfertigen, welche die Museumsbesucher bei ihrem Rundgang tragen dürfen. Entsprechende Fotografien zählen bei Wienreisenden in so manchem Falle zu den bevorzugten Erinnerungsobjekten.

Print-Artikel erschienen am 18. Mai 2017
in der Kolumne "Museumsstücke"
In: "Wiener Zeitung", Beilage "ProgrammPunkte", S. 7





1 Leserkommentar




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-05-15 12:36:09
Letzte ─nderung am 2017-06-28 00:18:00



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Bob Dylan kommt nach Österreich
  2. Kleine Stimme, große Kunst
  3. Bruckner als Kraftwalze
  4. Moonwalk in die Ewigkeit
  5. Poetisches Moll
Meistkommentiert
  1. Mit indignierter Distanz
  2. Johnny Hallyday tot

Werbung




CHAMPIGNON, 1850, Sepia, Kohle, Fettstift, Gouache auf Papier, 47,4 x 60,8 cm, Maisons de Victor Hugo, Paris/Guernesey,

Edvard Munch beschäftigte sich in zahlreichen Werken mit dem Thema Melancholie, die er bevorzugt als einsame Person am Strand darstellte. Ein riesiges Medieninteresse begleitete den kurzen Auftritt des österreichischen Hollywood-Exports Christoph Waltz bei seinem Besuch der Viennale.

Viennale-Interimschef Franz Schwartz (links) mit dem Stargast der Eröffnung: Schauspieler John Carroll Lynch zeigte sein Regiedebüt "Lucky" als Eröffnungsfilm der Viennale. Durch den Abend begleitete der Moderator Stephen Colbert. "Was auch immer Sie für den Präsidenten empfinden, Sie können nicht leugnen, dass jede Sendung auf eine Weise von Donald Trump beeinflusst wurde", sagte er zur Eröffnung der Emmy-Verleihung und machte damit deutlich, dass der Rest des Abends ziemlich politisch zugehen werde. "Warum habt ihr Trump keinen Emmy gegeben?", fragte er das Publikum. "Wenn er einen gewonnen hätte, wäre er vielleicht nie in das Rennen um die Präsidentschaft gegangen." Trump war in der Vergangenheit mehrfach für seine TV-Show "Celebrity Apprentice" nominiert worden, hatte aber nie gewonnen und sich darüber häufig öffentlich beschwert.

Werbung



Werbung