• vom 24.05.2017, 19:02 Uhr

Museum

Update: 24.05.2017, 19:28 Uhr

Haus der Geschichte

"Die Sammlung ist auf Qualität und nicht auf Quantität ausgerichtet."




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Von Sonja Harter / APA / WZ Online

  • HGÖ-Direktorin Monika Sommer hat den Sammlungsaufbau und Tagungen im Fokus.

Monika Sommer im Gespräch.

Monika Sommer im Gespräch.© apaWeb - Hochmuth Monika Sommer im Gespräch.© apaWeb - Hochmuth

eit hundert Tagen leitet Monika Sommer das Haus der Geschichte Österreich (HGÖ), das am 12. November 2018 mit einer Ausstellung zum Republiksjubiläum in der Neuen Burg eröffnen soll.

- Seit 100 Tagen leiten Sie nun das HGÖ, das in weniger als eineinhalb Jahren eröffnen soll. Wie gestalten sich die Vorbereitungen?

Monika Sommer: Ich habe am 13. Februar - zunächst alleine - angefangen. Das Tolle ist, dass ich mir mein Team selbst zusammenstellen konnte. Momentan sind wir - inklusive zweier Kuratoren - zu fünft, mit Juni wird das Team um weitere drei Personen verstärkt. Es gibt zahlreiche Aufgaben, die parallel zu meistern sind, darunter zwei Bauprojekte: Einerseits läuft in Absprache und unter Federführung des KHM die Sanierung der Räumlichkeiten im Mezzanin. Andererseits läuft ein offener, EU-weiter Wettbewerb für die Einrichtung des Museums. Das umfasst die Museums-Generalplanung, Architektur, Grafik und Medienplanung. Wir freuen uns schon, wenn wir Mitte Juni nach der Jurysitzung wissen, wer unser Gestaltungspendant sein wird.

- Wie werden die Räume im Mezzanin derzeit genutzt?

Sommer: Ganz unterschiedlich; etwa als Depot, Restaurierwerkstätte und Manipulationsräume für Einrichtung des Weltmuseums.

- Nach der mehrmaligen Redimensionierung des Projekts stellt sich die Frage: Wird es noch ein Haus der Geschichte oder managen Sie die Schau zum Republiksjubiläum?

Sommer: Das HGÖ ist gesetzlich verankert. Es ist unser erster Auftrag, eine Republiksausstellung zu machen, daran arbeiten wir auch schon ganz konkret. Aber wir bauen natürlich eine Institution auf, deren erstes Aktionsfeld eben diese Ausstellung ist. Wir bauen auch bereits eine Sammlung auf. Hier gibt es dank der Vorarbeiten Oliver Rathkolbs auch schon einige konkrete Objekt-Ideen bzw. auch schon Angebote für Schenkungen.

- Kann man zu diesem Zeitpunkt überhaupt schon gezielt sammeln?

Sommer: Die Sammlung ist sicherlich auf Qualität und nicht auf Quantität ausgerichtet. Es geht darum, Objekte von hoher Signifikanz für die österreichische Zeitgeschichte zu finden. Das Sammeln ist dabei so angelegt, dass es in Absprache mit anderen Häusern passiert. Denn ich halte nichts davon, dass wir uns hier duplizieren. Ich habe ein sehr offenes Verständnis, was das betrifft. Ich finde es toll, wenn es in anderen Häusern Objekte gibt, die für österreichische Zeitgeschichte stehen. Den dezidierten Sammlungsauftrag dafür haben ab jetzt wir.

- Ist ein Transfer von anderen Sammlungen in jene des HGÖ angedacht?

Sommer: Das wird über Leihgaben geregelt werden. Wir verstehen uns als Netzwerkknoten. Ich halte nichts davon, in Diskussionsprozesse zu gehen, ob irgendwelche Objekte fix ins HGÖ verschoben werden sollen. Es geht für uns eher darum zu schauen, was bisher noch gar nicht gesammelt wurde.

- Was wäre das zum Beispiel?

Sommer: Objekte von österreichweiter Relevanz. Uns geht es darum, dass wir Objekte sammeln, die sowohl die große Strukturgeschichte als auch individuelle Erfahrungsgeschichte erzählen können. Das geht ein bisschen weg vom klassischen Begriff des Museumsobjekts als wertvoll im materiellen Sinne. Für uns sind das kulturwissenschaftliche Schätze, das können Alltagsobjekte genauso sein wie Objekte, die immateriellen Sinne wertvoll sind.

- Es haben ja bereits einige Veranstaltungen im Vorfeld stattgefunden, weiters gibt es einige Arbeitskreise. Was sind die Projekte für die nächsten 18 Monate?

Sommer: In konkreter Planung ist eine Tagung in Zusammenarbeit mit der Universität für Musik und darstellende Kunst von 29. bis 31. Mai ("Zentren und Peripherien? Das musikkulturelle Leben in Österreich zwischen 1848 und 1918", Anm.). Im Herbst folgt eine Tagung der Forschungsgruppe Sport, die speziell ausgerichtet ist auf Objektgeschichten. Es wird auch sicherlich ein Statement des HGÖ zum März 2018 geben, in Hinblick auf das "Anschlussgedenken".

- Im Vorfeld haben Sie auch eine inhaltliche Aufbereitung von Zeitgeschichte im Internet angekündigt. Wie weit sind die Pläne gediehen?

Sommer: Wir haben mittlerweile einen Webkurator für die Website gefunden, die spätestens im Herbst online gehen wird. Hier wird es ein neues Angebot geben, das sich ganz stark als Ergänzung bzw. Verstärkung von allen zeithistorisch arbeitenden Institutionen versteht, die sich hier gerne einbringen möchten. Viele Institutionen sind an einer Zusammenarbeit interessiert, etwa die Mediathek, das Archiv des ORF oder das österreichische Filmmuseum. Gerade im Bereich des Sammelns von bewegtem Bild haben wir einen hohen Auftrag für die Zukunft. Ganz junge Leute suchen ja gar nicht mehr über Google, sondern es geht ganz stark um das bewegte Bild. Das Webportal soll spätestens im Herbst online gehen.

- Wo liegen die großen Herausforderung in Geschichtsvermittlung bei jungen Menschen?

Sommer: Einzelne Peer Groups sind ab September in die Entwicklung der Ausstellung involviert. Es wird auch verschiedene Vermittlungsprojekte in Kooperation mit KulturKontakt geben. Eine Herausforderung ist auch, Texte in den Ausstellungen in einer vereinfachten Sprache anzubieten.

- Wie sieht es mit der Einbindung anderer Orte - etwa dem Heldentor - aus?

Sommer: Das ist derzeit nicht vorgesehen. Was mir aber ein großes Anliegen ist, sind Formate, wo das Haus der Geschichte sich zum Ziel setzt, über die Neue Burg hinaus zu agieren. Das ist immer eine Frage der Finanzierung, aber mit Wechselausstellungen hinauszugehen, wäre uns ein sehr großes Anliegen.

- Apropos Finanzen. Wie setzt sich die Finanzierung nach derzeitigem Stand zusammen?

Sommer: Für den laufenden Betrieb sind von 2017 bis 2019 insgesamt 4 Mio. Euro vorgesehen, für die Einrichtung des Museums 2,5 Mio. Euro.

- Reicht das? Oder werden Sie um Sponsoren nicht herumkommen?

Sommer: Sponsoren sind immer gut. Sie helfen, zusätzliche Ideen zu realisieren. Wir sind gerade dabei, einen Verein der Freunde des HGÖ aufzubauen, um hier ein Gefäß zu haben, wo man mit Sponsoren kooperieren kann. Es gibt auch eine weitere Neuerung: Gestern hat erstmals das Publikumsforum getagt. Das ist erstmalig in der Museumslandschaft, dass es einen Publikumsbeirat gibt. Das ist ein Hinweis darauf, dass wir ein Museum sind, das im demokratischen 21. Jahrhundert errichtet wird und sich nicht der habsburgischen Geschichte verdankt.

- Abschließend: Ein Neubau ist für Sie nach wie vor das langfristige Ziel?

Sommer: Ich bin da ganz bei Kulturminister Thomas Drozda (SPÖ, Anm.), dass das eine interessante Option für die Zukunft ist. Aber es ist klar: Das HGÖ ist im Museumsgesetz verankert und braucht sicherlich eine gute Zukunftsvision.





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Dokument erstellt am 2017-05-24 16:46:01
Letzte nderung am 2017-05-24 19:28:27



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