• vom 15.06.2017, 16:14 Uhr

Museum


Technisches Museum Wien

Fragile Giganten und Stahldinosaurier




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Etwa 80 Autos, ebensoviele Motor- und Fahrräder von 1890 bis heute fasst die erste Halle - die Palette reicht vom roten "Celeritas"-Rennwagen von 1901, einem Austro-Daimler ADR aus dem Jahr 1930 über ein Fuhrwerk der Anker-Werke aus der Zwischenkriegszeit bis zu jüngsten Modellen mit CO2 oder Erdgas-Antrieb. Die Inventur haben die Objekte alle schon durchlaufen, eine umfassende Provenienzforschung ebenso, auch in der online abrufbaren Datenbank sind sie erfasst. Fahrtüchtig sind die Fahrzeuge alle nicht - beziehungsweise dürfen es nicht sein. Nicht nur, weil sämtliche Flüssigkeiten entfernt wurden, auch der Denkmalschutz verbietet eine Inbetriebnahme. Nicht einmal auf den Originalreifen dürfen sie stehen oder gar rollen, sie sind alle fein säuberlich aufgebockt. "Die Fahrzeuge sollen bewahrt werden", erklärt Helmut Lackner. Jede Nutzung würde zu Abnutzung führen und eventuell Reparaturen nach sich ziehen, was den Originalzustand verändern würde.

Worauf die Objekte hier warten ist eine neuerliche Ausstellung - im Technischen Museum oder im Leihbetrieb mit anderen Häusern oder Firmen. Das vier Meter lange und bis ins Detail aufwendig gestaltete Modell einer Langsieb-Papiermaschine aus 1914 etwa schmückte gerade einige Jahre einen Betrieb in Südafrika.

Am mysteriösesten ist die mittlere Halle, hier lagern in hohen Regalgängen technische Gerätschaften aus zwei Jahrhunderten: Textilmaschinen, eine Standkassa mit Tresor, ein Industrieroboter, diverse Generatoren. Unter einer Zeilensetzmaschine oder einer Radio-Sendeanlage kann man sich noch etwas vorstellen, was genau jedoch ein Röntgen-Diffractometer für eine Funktion hatte, ist da schon schwieriger. Auch Lackner und sein Team stoßen immer wieder auf Apparaturen, deren genaue Funktion Rätsel aufgibt - vor allem in der Metallerzeugung.

Flügel und Zahnräder
Was in die Sammlung kommt, entscheiden die einzelnen Sammlungsleiter, wobei einige Bereiche - etwa Staubsauger oder Landwirtschaftsmodelle aus dem 19. Jahrhundert - bereits geschlossen sind. Was wieder aus der Sammlung kommt, auch. Von einer Handvoll Objekten, erzählt Helmut Lackner, hat sich das Museum im Rahmen der Übersiedlung getrennt - etwa einer von zwei Fasstaubenerzeugungsmaschinen ein und der selben Firma.

Die Giganten der Sammlung lagern im letzten Drittel. Eine Straßenwalze aus 1936, ein Bagger aus 1960, die Zahnradbahn "Almrausch" aus 1894 oder eine Hebeldraisine der K & K Staatsbahnen. Auch die fragilsten Objekte sind hier zu finden: Unter den zerlegten Flugzeugen findet sich zum Beispiel ein Pischof-Autoplan Motorflugzeug von 1910. Die mit Stoff bespannten Tragflächen haben eine Spannweite von knapp 14 Metern und waren beim Transport eine Herausforderung - sie konnten nur mit speziellen Planenwagen übersiedelt werden.

Noch sind sie luftig bestückt die drei Lagerhallen. Das wird die Zeit ändern, ist Lackner sicher. Die Sammlung des Museums wird jedenfalls weiter wachsen, dafür sorgt nicht zuletzt der technische Fortschritt.

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Dokument erstellt am 2017-06-15 16:17:06



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