John Peel war bekannt für seine kurzen, prägnanten Aussagen und Befunde über Bands - vielen verhalf er damit zu Prestige und Erfolg. In Bezug auf die englische Gruppe And Also The Trees (AATT) aus Worcestershire hinterließ er allerdings ein Rätsel. Als der legendäre, 2004 verstorbene BBC-Radio-DJ und Moderator in den frühen 1980ern über AATT sagte, sie seien "too english for the English", fasste er möglicherweise nur den Tenor der britischen Musikpresse zusammen, die der Underground-Band aufgrund ihrer ländlichen Wurzeln nicht viel abgewinnen konnte.
AATT sangen nicht über das urbane Leben und gesellschaftliche Entfremdung, sondern über Dichter, Gemälde, Folklore, Natur und Landschaften, die ihnen allesamt Inspiration und Thema zugleich waren.
Vielleicht spielte Peel aber auch auf das eigenwillig stilvolle, an die Zeit von Charles Dickens erinnernde Outfit der Bandmitglieder an: Gehrock, Abendhemd und Gilet, erworben in Secondhand-Läden oder Antiquitätengeschäften. Oder aber John Peel versuchte mit seiner Aussage zu erklären, warum eine Band aus England am Kontinent erfolgreicher war als auf der Insel.
Experimentierfreudig
Des Rätsels Lösung wird man wohl nie erfahren, einschließlich der Frage, was Peel mit "Englishness" gemeint haben mag. Was wir allerdings wissen, ist, dass AATT bis heute zu jenen Bands zählen, die 1984 ihre Peel Session absolvieren durften, und dass man - wie beim Erkunden eines Waldes - Zeit und Aufmerksamkeit braucht, um ihre delikate Welt zu betreten.
Die ersten musikalischen Gehversuche machte die Band rund um die Gebrüder Jones im Gefolge von The Cure Ende der 1970er, mit selbstgebauten Verstärkern und einer ungetrübt musikalischen Experimentierfreudigkeit. Eine tiefe monotone Stimme, eine unterkühlte Atmosphäre mit viel Raum für Moll und Nicht-Dur-Akkorde, sowie Bass, Schlagzeug und Gitarre auf einer Ebene: Damit waren AATT in der dunklen, unterkühlten Ecke des Post-Punk gelandet.
Auch wenn die ersten beiden Alben von AATT ("And Also the Trees", 1983, und "Virus Meadow", 1985) Kinder ihrer Zeit waren, so war auch damals bereits etwas Eigenständiges da - etwas, das die Band für eine lange Phase charakterisieren sollte.
Diese Originalität liegt in der Struktur und im Detail. Retrospektiv gesehen, sind AATT bis heute nahezu einzigartig darin, aus einer beharrlichen Spannung explosive Songs zu erzeugen, was etwa auf ihrem 1987 erschienenen Live-Album "The Evening Of The 24th", dokumentiert ist. Hinzu kommen phantasievolle Kombinationen aus Bass- und Schlagzeuglines, die zu einer außergewöhnlichen Textur verschmelzen.
(eb) "Gisei - Das Opfer" ist das Werk eines Achtzehnjährigen. Selbstverständlich hat Carl Orff zu diesem Zeitpunkt seinen auf Repetitionen und...
weiter
Paco de Lucía ist alles andere als ein Purist, was ihn zum weltweit bekanntesten Flamencomusiker gemacht hat. Dass er allen Ausflügen vom Jazz bis zur...
weiter
Als Nachfolger von Mark Lanegan als Gaststimme bei den Soulsavers und solchermaßen für ein schweres Erbe qualifizieren Dave Gahan vor allem zwei...
weiter
Gelenkig um Gogostangen gleitende Girls - man möchte meinen, das sei der ultimative Trumpf beim Eurovision Song Contest. Und leuchtende Hinterteile...
weiter
Der Walrossbart, den Stuart A. Staples aktuell trägt, lässt nicht nur an Lee Hazlewood denken, dessen Einfluss auf die Tindersticks kaum überschätzt...
weiter