Wien. Egal, ob S.C.U.M nun passend zu ihrem uvre in konsequent schwarzer Robe oder dann doch ironisch gebrochen im Walkjanker oder retrogradistisch in der New-Romantics-Tracht von seinerzeit vor der Linse posieren: Konstant ist das Quintett, wenn es darum geht, mit distanziertem Blick eine gewisse Weltabgewandtheit zur Schau zu stellen.
Das hat augenscheinlich und hörbar damit zu tun, dass die blutjunge, 2008 im hippen Ostlondoner Stadtteil Shoreditch gegründete Band sich jener Fraktion zugehörig fühlt, die noch vor Kurzem in der Schule nicht zwingend für ihren Frohsinn bekannt war. Während verstohlen hinter der Sitzbank wieder einmal heimlich das Frühwerk von Nick Cave mit seiner Birthday Party, im Weltschmerz verwandte Helden wie Joy Division oder die in Sachen Gothic-Rock prototypischen Bauhaus nicht grundlos gehört wurden – die Wirkung von sensiblem Leid an der Welt mit einem Hauch von Misanthropie und leichter Selbstzerstörungstendenz auf Frauen war schon immer ein Hit –, ging es vermutlich ganz grundsätzlich darum, sich den vermuteten Mainstream weitestmöglich vom Leib zu halten. Wer hätte auch jemals vermuten können, dass Heerscharen global ähnlich denkender Jungmänner mit einem in der Heimgarage gestarteten Post-Punk-Revival Jahre später selbst für einen neuen Uniformismus sorgen würden?
Todschick gekleidet
S.C.U.M, deren Bandname sich übrigens nicht vom englischen Wort für Abschaum ableitet, sondern auf das bis heute kontrovers diskutierte feministische Manifest gleichen Namens zurückgeht, unterscheiden sich jedenfalls insofern von den Kollegen, als dass sie wie diese – frei nach Monty Python: wir sind alle Individuen! – natürlich in keine je erfundene Genreschublade passen wollen. Die trotzdem nach einer wilden Mischung der bereits erwähnten Fürsten der Finsternis klingenden Ergebnisse, erweitert noch um den Sound von Ian McCullochs Echo & The Bunnymen oder die Hallgitarren der Shoegazing-Bands, lassen das Zielpublikum jedenfalls mit einem wohligen Gefühl des wunschlosen Unglücks zurück.
Entsprechend hält sich das mit Jim Sclavunos (Nick Cave, Grinderman) vorab entworfene und schließlich von Ken und Jolyon Thomas (Sigur Ros) produzierte Debütalbum "Again Into Eyes" mit Hits nobel zurück. Zu den tanzbaren Grooves, brachialen Halleffekten, markanten Bässen und auch vordergründig erklingenden Vintage-Synthesizern von Stücken wie dem programmatischen Opener "Faith Unfolds" gesellt sich düsterromantischer Gothic-Pop ("Cast Into Seasons"), während es nach atmosphärischen Klangstudien letztlich doch noch in den Indie-Club geht.
Angeführt wird die bisweilen todtraurige, vor allem aber stets todschick gekleidete Band übrigens von Sänger Thomas Cohen – jenem mit Peaches Geldof verlobtem Fashion Victim, das Papa Bob bald zum Opa gemacht haben wird.
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