
Grau - jetzt noch bunter
(cai) Nach Sonnenuntergang verwandeln sich bekanntlich alle Katzen in graue Mäuse. (Oder in eine graue Masse?) Jedenfalls wird in der Nacht ja sogar Pikatzos, Tschuldigung: Picassos blaue Periode grau. He, was hat nun folgendes Phänomen zu bedeuten? Wenn man "Katze" schlampert ausspricht, klingt das wie "Hase"! Na ja, vielleicht dass der Osterhase a) sich irgendwann eine graue Periode gönnen wird (Grau ist das neue Bunt) oder b) weiterhin bunte Eier legen wird, aber die sind nächtens halt grau. Wurscht.
In den leibhaftigen Stillleben eines Landsmannes von Hercule Poirot (also eines Belgiers), die dem Extra-Extra-Grau huldigen, da kommen sowieso keine Eier vor. Oder Katzen. Okay, einen Hund gibts. Hans Op de Beeck garniert Podeste und Regale mit minuziösen Kopien der banalen Wirklichkeit. Mit Flaschen, Büchern, Obst. Sind Zigaretten eigentlich Vanitas-Symbole? (Immerhin brennen sie schneller ab als Kerzen.) Der Realismus der extragrauen Arrangements aus synthetischem Gips ist so packend, wenn man das Licht ausmachen würde, könnte man locker drauf reinfallen (weil im Dunkeln hat die Welt ja keine Farbe). Und den falschen Sessel mit einem echten verwechseln. Sich auf seine zwölf Buchstaben setzen. (Wieso zwölf?) Ein "Illusionskünstler". Der obendrein Filme dreht und dramatischen Kitsch malt. (Ein bissl desillusionierend sind höchstens die Gussnähte.)
Und die drei Brombeeren, die auf dem Tisch rumkullern, sind sicher ein Test. Ob man sich beherrschen kann und sie nicht auf den Teller legt. Zu den andern Brombeeren. (Oder Himbeeren? Hm. In der Nacht sind doch eh alle Himbeeren Brombeeren.) Woher ich weiß, dass die nicht angeklebt sind? Weil ich den Test nicht bestanden habe. (Übrigens: Die Hämorrhoiden haben zwölf Buchstaben.)
Galerie Krinzinger
(Seilerstätte 16)
Hans Op de Beeck
bis 20. April
Di. - Fr.: 12 - 18 Uhr
Sa.: 11 - 16 Uhr
Die Leere wird immer fülliger
(cai) Eine Rechenaufgabe: Ein Philosoph trinkt eine Flasche Brandy ex, die sowohl halb voll als auch halb leer ist. Ist die Flasche jetzt a) leerer, als wenn sie am Anfang ganz voll gewesen wäre, b) weniger leer oder c) ganz normal leer (aber der Philosoph ist trotzdem randvoll)? Hm. Das hängt wahrscheinlich vom Durst des Philosophen ab. Besucht man ohne was im Magen die Galerie Artmark, so wird einem die Luft in der Schale, die der Franz Gassner wie einen Kommentar zu seinem Werk auf einen Sockel gestellt hat, ja auch dünner vorkommen. Wenn man dort drin hungrig mit den Blicken herumstochert wie mit Essstäbchen in imaginärem Reis.
Ähm, ist dieses Gefäß vollgestopft mit a) Leere, b) Raum, c) Stille oder d) Hunger? Gassner reduziert die Kunst bis aufs Existenzminimum. Seine imposanten Triptychen sind visuelle Meditationsmusik mit locker verstreuten Rhythmen. Und Armenien komprimiert er zu winzigen Farbholzschnitten, verwandelt Geschichte und Landschaft in klare Geometrie und den Berg Ararat in ein Dreieck. Diese konzentrierten Bildchen sind so spirituell, die reichen für eine Speisung der 5000 Augenpaare, ohne blasser zu werden. Plötzlich wird man aus dem Zen-Garten in die Disco gebeamt. Okay, man muss zu Fuß nach nebenan gehen. Wo einen die effektvollen Muster vom Christian Eder groggy machen. Die Augen flimmern, als hätte man zu schnell vom Wetterpanorama zu den Pokémons umgeschaltet. Oh, witzig: Die unmenschliche Perfektion wird ja durch neckische Fehler korrigiert. (Konstruktivistischer Humor?)
Artmark Galerie
(Singerstraße 17)
Gassner / Eder
bis 21. April
Do., Fr.: 13 - 18 Uhr
Sa.: 11 - 15 Uhr
Konsequenz: Wenn ein einziges Wort gibt, das die US-Band Shellac beschreiben kann, dann dieses. Denn Shellac sind konsequente Musiker in Takt...weiter
(g. s.) Wenn schon Retro, dann gleich ordentlich. Und dieser Herr kann das leisten. Von 1971 bis 1977 Mitglied von Genesis...weiter
Ab 25. Mai zeigt die Albertina eine große Retrospektive von Gottfried Helnweins Arbeiten. Vieles davon wird zum ersten Mal in Wien zu sehen sein...
weiter
Was eine Retrospektive zum 70. Geburtstag des Malers und Fotografen Manfred Bockelmann werden sollte, reduziert sich jetzt auf zwei Serien mit...
weiter
Jede Woche neu: ein aktuelles Bild aus der Welt der Kunst und Kultur. Falls Sie diesbezüglich Vorschläge haben, schicken Sie uns doch eine Mail.
weiter
Düsseldorf. Christoph Meyer, Intendant der Deutschen Oper am Rhein in Düsseldorf, erfährt derzeit auf die harte Tour...
weiter
Jonas Kaufmann bat vor seinem Liederabend im Wiener Konzerthaus für Verständnis: Nach seiner überstandenen Verkühlung sei sein Kreislauf noch...
weiter
Wien. Wenn sich am Mittwoch bei den Festwochen erstmals der Opernvorhang hebt, kommen weder zartfühlende Helden noch düstere Mörder zum Vorschein...
weiter
Ihre bis dato letzte neue Rolle präsentierte Sopranlegende Edita Gruberová in konzertanter Version im Wiener Musikverein...
weiter
Düsseldorf. Christoph Meyer, Intendant der Deutschen Oper am Rhein in Düsseldorf, erfährt derzeit auf die harte Tour...
weiter
Wien. Wenn sich am Mittwoch bei den Festwochen erstmals der Opernvorhang hebt, kommen weder zartfühlende Helden noch düstere Mörder zum Vorschein...
weiter
Sie dreht an ihren Knöpfen, reißt, zieht und zupft an den Steckern und Kabeln, schiebt an den Reglern, und dabei singt...
weiter
Die Band auf der Bühne darf getrost als Ausnahmeerscheinung bezeichnet werden. Zwar mochten The xx aus London mit ihrem selbstbetitelten Debütalbum im...
weiter
Wien. Es ist nicht ganz ironiefrei, wenn Sinéad OConnor ihren Auftritt im Wiener Konzerthaus mit einer Coverversion von John Grants "Queen Of...
weiter
Die Fans mit den strahlenden Augen in den ersten drei Reihen sind davon überzeugt, dass sich das Burgtheater heute schon zur Halbzeit leeren wird...
weiter