Für Europas Cineasten war es ein Schock, als Ende Jänner die Nachrichtenagenturen den Tod des griechischen Filmemachers meldeten. Während der Dreharbeiten zu seinem neuen Film wurde er beim Überqueren der Straße von einem Motorradfahrer angefahren. Und ist in der Folge in Piräus, 76-jährig, einer Gehirnblutung erlegen.
Vielen galt Angelopoulos als die Stimme Griechenlands. Der Meisterregisseur, der für den Film "Die Ewigkeit und ein Tag" (1998) mit Bruno Ganz die Goldene Palme beim Festival von Cannes erhielt. Früher, Anfang der 80er Jahre, hat man Angelopoulos schon bei den Filmfestspielen von Venedig gewürdigt: 1980 wurde er dort mit dem Goldenen Löwen für sein Werk "Der große Alexander" ausgezeichnet.
Prophetische Gewehrschüsse
Der in Cannes ausgezeichnete Film "Landschaft im Nebel" gilt als sein letztes Hauptwerk. Die Gewehrschüsse (im Jahr 1988) am Ende des Films werden heute wie eine Ankündigung damals kommender Kriege gesehen.
Angelopoulos war ein Gigant des Weltkinos wie bei der Filmschau zu erkennen sein wird. Die Zeit vermochte seinen Werken nichts anzuhaben. Sie strahlen wie eh und je.
Theodoros Angelopoulos, geboren 1935 in Athen, gehörte zur Welle des Neuen Griechischen Kinos, die sich in den späten 60er Jahren aufzutürmen begann, dann aber von der Obristendiktatur gebrochen und marginalisiert wurde. Einige Filmemacher verließen das Land, andere zogen sich ins innere Exil zurück; Angelopoulos war unter jenen, die der Junta zum Trotz versuchten, ihre Filme zu machen. 1970 gab er mit "Rekonstruktion", der Aufarbeitung eines Mordfalls, sein Langfilmdebüt. Der Film wurde als Geniestreich eingestuft, den man sogleich als Manifest verstand. Sein nächster Film, "Tage von 36" (1972), wurde zu seiner Meisterprüfung: Angelopoulos erwies sich als subversiver Modernist, der an einer Ästhetik arbeitete, die anders war als alles, was man bis dato kannte.
Zyklus tragischer Versäumnisse
Er blieb seiner filmischen Linie treu, seiner stillen Bildsprache langsamer Einstellungen. Komplex choreografierte Plansequenzen bilden auch den Kern von Angelopoulos Kinoschaffen.

In "Tage von 36" erzählte er 1972, auf dem Höhepunkt der griechischen Diktatur, eine Geschichte aus der Metaxas-Frühzeit - so, dass den zeitgenössischen Betrachtern die Parallelen zu Griechenlands faschistischen späten 30er Jahren kaum entgehen konnten. Die Geschichte war für Angelopoulos ein Zyklus tragischer Versäumnisse. Gemäß der Gewaltigkeit seiner Sujets begann er schon früh, in Zyklen zu denken: So wurde "Tage von 36" zum Auftaktwerk seiner ersten Trilogie, jener der "Geschichte". Auch "Die Wanderschauspieler" (1975) und "Die Jäger" (1977) gehören dazu: drei epische Streifen, in denen die griechische Vergangenheit des damals letzten halben Jahrhunderts ausgemessen wurde. Seine folgende Trilogie, jene des "Schweigens", besteht aus "Reise nach Kythera" (1984), "Der Bienenzüchter" (1986) und "Landschaft im Nebel" (1988). Hier machte sich Angelopoulos auf die Suche nach dem Griechenland seiner eigenen Zeit und entdeckte eine Welt der reinen Flüchtigkeit.
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