Wien. Einen besonderen Hang zur österreichischen Dramatik konnte man Burgtheater-Direktor Matthias Hartmann bislang nicht nachsagen: Das heimische szenische Schreiben kam seit seiner Amtszeit im Haus am Ring nicht gerade häufig vor.
Das wird sich in der kommenden Spielzeit, Hartmanns vierter Saison, drastisch ändern: Mit elf Inszenierungen deckt das Burgtheater ein breites Spektrum des hiesigen Dramenschaffens ab, das vom klassischen Kanon - Raimunds "Der Alpenkönig und der Menschenfeind" (Premiere: 29. September) - bis zu Neuentdeckungen reicht, wie der Uraufführung von "Die gesetzliche Verordnung zur Veredelung des Diesseits" der 30-jährigen Tiroler Schriftstellerin Petra Maria Kraxner.
Erstmalig wird Matthias Hartmann auch ein Stück von Elfriede Jelinek inszenieren. Den jüngsten Text der Literaturnobelpreisträgerin "Schatten (Eurydike sagt)" wird er im Jänner uraufführen; im März folgt seine Deutung von Grillparzers "Die Ahnfrau".
Nestroys wohl meistgespieltes Drama, "Der Talisman", wird von David Bösch inszeniert und Barbara Frey setzt Molnárs unverwüstliche Praterlegende "Liliom" um.
Meister und Newcomer
Mit "Räuber. Schulden.genital" wird zum ersten Mal ein Stück von Ewald Palmetshofer im Akademietheater gezeigt. Der Grazer Autor, entdeckt von Schauspielhaus-Intendant Andreas Beck, gilt derzeit als einer der erfolgreichsten österreichischen Jungdramatiker, seine Schiller-Paraphrase wird im Dezember uraufgeführt.
Eine Rarität des heimischen Theaterschaffens gelangt mit Ferdinand Bruckners "Die Marquise von O." in der Regie des Athener Theaterleiters Yannis Houvardas auf die Bühne. Michael Thalheimer wird Hofmannsthals "Elektra" zurechtstutzen. Peter Handkes Festwochen-Uraufführung "Die schönen Tage von Aranjuez" wird in den Spielplan übernommen und Hartmann hat weiters angekündigt, dass er die übernächste Saison mit der Dramatisierung von Handkes berühmtem Roman "Wunschloses Unglück" eröffnen wird.
Volksbühnen-Chef Frank Castorf wird Hans Henny Jahnns "Die Krönung Richard III." auf die Bühne des Burgtheaters wuchten. Ein weiterer Höhepunkt dürfte "Onkel Wanja" mit Gert Voss werden.
Üblicherweise werden bei Spielplanpräsentationen Auslastungszahlen präsentiert. Hartmann nennt diesmal jedoch keine Zahlen, da er derlei Statistiken nicht für "aussagekräftig" hält. Nach Hochrechnungen dürfte die Burg bis Saisonschluss etwa 425.000 Besucher verzeichnen - "mehr, als es in der Geschichte des Burgtheaters jemals gab".
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