
Gartenzwerg vertreibt Schnecke
(cai) Wieso ist der Apfel ein Bub und kein Mädchen? Eine Banane sieht jedenfalls viel männlicher aus. (Dafür ist die wiederum ein Mädel. Eine Sie.) Na ja, das liegt an seinem grammatischen Geschlecht. Äh, am Stängel? Das Apfelmännchen hat übrigens auch so was. Eine komische "Antenne" auf dem Kopf. Apfelmännchen? Ja. Der adipöse Star der sogenannten fraktalen Geometrie. Und der Sebastian Weissenbacher ist jetzt schon der Zweite, der diese höhere Mathematik in naive Kunst übersetzt. (Die Ersten waren die Erfinder der Teletubbies.)
Aus vier Kugerln bastelt er eine simple Anatomie und setzt ihr einen Hut auf. (Ist da der Stängel drunter?) Und bewaffnet sind "Die tapferen Apfelmännchen" wie die Kreuzritter. Kann man die auch als Gartenzwerge verwenden? Womöglich sollen die ja als Sternsinger verkleidete muslimische Terroristen von unseren christlichen Grundstücken vertreiben. Oder als Schnecken wiedergeborene buddhistische Briefträger. Meistens ist der Weissenbacher aber Maler. Von Genreszenen aus Plastik. Irgendwie apokalyptisch. Die Kreaturen aus den Überraschungseiern und Kinderzimmern (die Kinder?) haben auf der Erde die Macht ergriffen. Affe trifft Apfelmännchen, das zückt Münze: Aha, was ein Männchen schöner is wie ein Äffchen, is a Luxus. Und das Apfelmännchen zahlt grad die Luxussteuer. Ja, wenn der Bildtitel ein Zitat von der Tante Jolesch wär. Und nicht vom Karl Lueger. ("Wer ein Jud ist, bestimme ich.") He, ist das politisch korrekt?
Und der "frigide" Pinguin, der in einem Eiswürfel feststeckt und zur Sonne in Therapie geht? Einfach liebenswert. Witzig böse Kommentare zur Lage der Menschheit, getarnt als seichter Kitsch. Hm. Auf seine "Ich tu nix, ich will nur spielen"-Masche fällt dem Weissenbacher eh keiner mehr rein.
Galerie Peithner-Lichtenfels
(Sonnenfelsgasse 6)
Sebastian Weissenbacher
Bis 17. Mai
Di. - Fr.: 10 - 18 Uhr
Sa.: 10 - 16 Uhr
Jeder ist anders als er selbst
(cai) Lifes a piece of shit, when you look at it? Ja, vielleicht. Aber runtergespült wird es zumindest auf keiner Unisex-Toilette. Sondern entweder auf dem Damen- oder dem Männerklo. Das Leben ist ja schließlich nicht geschlechtsneutral. Katharina Cibulkas ziemlich poetisches Multimedia-uvre, das grad in der Fotogalerie vorgestellt wird, wirkt zwar sehr feministisch (dass man ihm reflexartig das Prädikat "Besonders weiblich" verleihen möchte), die Botschaft ist aber trotzdem nicht: Frauen sind anders, Männer nicht. Weil die sind alle gleich.
Wenn ein Vertreter des dominanten Geschlechts den blassen Schriftzug "Do Not Leave Any Traces" an einer Wand der Secession einfach übertüncht (ein Video dokumentiert diese zermürbend langsame, symbolische Aktion), dann ist der Maler und Anstreicher nicht unbedingt das personifizierte Patriarchat. (Mädeln, versuchts gar nicht erst, Geschichte zu schreiben!) Cibulka reflektiert über Rollenbilder, über den Kampf um eine eigene Identität, recherchiert Biografien. Fünf Musikerinnen filmt sie gleich zweimal: 1999 und zehn Jahre später, als deren Zukunft von der Realität eingeholt worden ist. Beeindruckend unaufdringliche Arbeiten. Bewusstseinsfördernde Understatements. Wie eine Nebensächlichkeit pickt ein Ausschnitt aus einem Psychotest an einem Pfeiler und enthält ein ganzes Weltbild: "Ihre berufliche Traumrolle läge am ehesten im . . . A) Nichtstun oder Künstlertum." Richtig. Künstler sind Tachinierer. (Künstlerinnen machen daneben ja wenigstens noch den Haushalt.)
Fotogalerie Wien
(Währinger Straße 59)
Katharina Cibulka
Bis 9. Mai
Di. - Fr.: 14 - 19 Uhr
Sa.: 10 - 14 Uhr
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