
(cai) Sterben ist ungesund. Weil immerhin ist es tödlich. Und den Tod überlebt man sowieso nicht. Als Normalsterblicher jedenfalls. Wenn Gottfried Ecker jetzt einen Totenschädel mit überdimensionalen Mikadostäbchen durchbohrt, gehts da aber wohl nicht um die lebensgefährliche Migräne ("Meine Kopfschmerzen bringen mich noch um!"), das ist ein Memento mori. Ach, weil man den Ureinwohnern von Neuseeland nachsagt, sie seien Kopfjäger gewesen?
Nein. Außerdem sind das die Ma-ori. "Memento mori" bedeutet nicht: "Sei eingedenk der Ureinwohner Neuseelands", sondern: "Bedenke, dass du irgendwann verendest." Oder ist das imposante makabre Mikadospiel eine Allegorie der Totenstarre? (Die Leiche, die sich zuerst bewegt, hat verloren.) Das Hütchenspiel ist sicher auch eine Metapher. Da schaut ein Fotoapparat einem Hütchenspieler genau auf die Finger, und obwohl sich die Bilder eh nicht bewegen, kommt das Auge nicht mit. Wahrlich: Eher wirft man mit einem Stück Würfelzucker einen Sechser, bevor man errät, unter welcher Schale sich der kleine Würfel befindet, der so blind ist wie ein Zuckerwürfel, also keine Augen hat. Ja, plakativ sind die Sachen schon ein bissl. Die schockierend banale Bastelarbeit "The Promise" illustriert womöglich einfach das In-guten-wie-in-schlechten-Tagen. Aus einem Herzerl schießen zwei Stängel empor, und obendrauf: zweimal dasselbe Männergesicht (auf der Rückseite zweimal dieselbe Frau), einmal mit Bussis übersät, einmal mit Schlammschlacht-Make-up (dreckig). Na ja, als Hochzeitsgeschenk wär das origineller als ein Mixer. (Wieso wünscht man einem Brautpaar eigentlich nicht Hals- und Ehebruch?) Dafür sind die düsteren Aquarelle und Ölbilder mystisch poetisch. Im dicken Nebel steht: "Sie war dünn, ihre Stimme." Aha.

Galerie Chobot
(Domgasse 6)
Gottfried Ecker, bis 19. Mai
Di. - Fr.: 13 - 18 Uhr
Sa.: 11 - 16 Uhr
Zu viel Feenstaub geschnupft?
(cai) Das Planiversum? (Klingt irgendwie zweidimensional.) Wo befindet sich denn dieser mysteriöse Ort? In einem Flachbildfernseher? Das Weltall muss dort auf jeden Fall eine Scheibe sein. Eine hauchdünne Palatschinke. Nein, offenbar liegen Teile davon grad in der Galerie nächst St. Stephan herum. Auf sechs Tische verteilt. Und das Planiversum besteht anscheinend aus Plastilin, das beim Urknall, äh: Urwalken, wie Kuchenteig ausgewalkt worden ist.
Keine Sorge. Niemand hat Wallace und Gromit heimtückisch genudelwalkt. Den beiden ist bei der Entstehung des Planiversums kein Leid geschehen. Diese ganzen Effekte, die knallig bunten Muster und erstaunlich komplexen Kompositionen, hätte man so doch gar nicht hingekriegt. Jedes der über 100 dekorativen Teigfleckerln ist ungeniert naiv. Erwachsene abstrakte Kunst, witzig in ein kindisches Material übersetzt. Polly Apfelbaum muss ein paar Semester lang an der Peter-Paniversität in Nimmerland Kunst studiert haben. Und das aufgehäufte Glitzerpulver? Feenstaub? Am liebsten hätt ich das ja geschnupft, um auszuprobieren, ob man davon high wird und dann fliegen kann wie Peter Pan. (Oder bloß niest wie ein Hausstaubmilbenallergiker.)
Weiter hinten gehts viel dreidimensionaler zu. Geradezu körperlich. Da tun Tonklumpen so, als wären sie picksüß und weich und zum Verzehr geeignet. Als hätte das Marshmallow-Monster sechs üppige Schaumzuckerhäufchen ausgeschieden. Man muss direkt aufpassen, dass man sich von dem Zeug nicht die Augen verdirbt. Und den guten Geschmack.
Galerie nächst St. Stephan
(Grünangergasse 1)
"Planiverse", bis 19. Mai
Di. - Fr.: 11 - 18 Uhr
Sa.: 11 - 16 Uhr
Konsequenz: Wenn ein einziges Wort gibt, das die US-Band Shellac beschreiben kann, dann dieses. Denn Shellac sind konsequente Musiker in Takt...weiter
(g. s.) Wenn schon Retro, dann gleich ordentlich. Und dieser Herr kann das leisten. Von 1971 bis 1977 Mitglied von Genesis...weiter
Do You Speak Pingpong?(cai) Schlägertypen können sich hier so richtig austoben. Mit den Tischtennisschlägern. (Was haben Sie denn geglaubt...
weiter
Vatikan. Kaum dass ruchbar geworden war, dass der Vatikan heuer zum ersten Mal in der Geschichte an der Biennale von Venedig teilnehmen wird...
weiter
Ab 25. Mai zeigt die Albertina eine große Retrospektive von Gottfried Helnweins Arbeiten. Vieles davon wird zum ersten Mal in Wien zu sehen sein...
weiter
Am Ende wird der Horst der Freischärler, die Schule, von ihnen selbst abgefackelt. Die Matratzen und Schulmöbel werdend um Norma und Pollione...
weiter
Jonas Kaufmann bat vor seinem Liederabend im Wiener Konzerthaus für Verständnis: Nach seiner überstandenen Verkühlung sei sein Kreislauf noch...
weiter
Düsseldorf. Christoph Meyer, Intendant der Deutschen Oper am Rhein in Düsseldorf, erfährt derzeit auf die harte Tour...
weiter
Ihre bis dato letzte neue Rolle präsentierte Sopranlegende Edita Gruberová in konzertanter Version im Wiener Musikverein...
weiter
Am Ende wird der Horst der Freischärler, die Schule, von ihnen selbst abgefackelt. Die Matratzen und Schulmöbel werdend um Norma und Pollione...
weiter
Düsseldorf. Christoph Meyer, Intendant der Deutschen Oper am Rhein in Düsseldorf, erfährt derzeit auf die harte Tour...
weiter
Sie dreht an ihren Knöpfen, reißt, zieht und zupft an den Steckern und Kabeln, schiebt an den Reglern, und dabei singt...
weiter
Die Band auf der Bühne darf getrost als Ausnahmeerscheinung bezeichnet werden. Zwar mochten The xx aus London mit ihrem selbstbetitelten Debütalbum im...
weiter
Wien. Es ist nicht ganz ironiefrei, wenn Sinéad OConnor ihren Auftritt im Wiener Konzerthaus mit einer Coverversion von John Grants "Queen Of...
weiter
Die Fans mit den strahlenden Augen in den ersten drei Reihen sind davon überzeugt, dass sich das Burgtheater heute schon zur Halbzeit leeren wird...
weiter