
(cai) He, die Ausstellung heißt ja wie eine Kuh! Berta? Nein, nicht wie irgendeine Milchkuh. Sondern wie die Kuh, nach der man immerhin einen Mond vom Jupiter benannt hat. Es gibt einen Jupitermond namens Milka?
Okay, für die Allgemeinbildung wär es wahrscheinlich besser gewesen, wenn man dem Rindvieh einen Burger gewidmet hätte (den McIo). Dann wäre die Io heute so berühmt wie der violette Wiederkäuer. Die Bilder sind aber trotzdem keine Hommage an irgendwelche ominösen Kühe im Weltall (die Erde liegt ja auch im Universum). Außerdem war das bei der muhenden Io wie beim Froschkönig: Sie steckte im falschen Körper. War nämlich in Wahrheit eine Nymphe. Mit der hat der Zeus (bei den Römern der Jupiter) was gehabt. Und als seine eifersüchtige Gattin Hera kurz davor war, die beiden in flagranti zu erwischen, und weil in der Natur halt kein Kasten herumsteht, hat der Zeus seine Geliebte einfach in einer Kuh versteckt. Sie in eine verwandelt. Später hat die Hera eine blutrünstige Bremse auf sie gehetzt, und von der ist die arme Io bis nach Afrika gejagt worden. (Aha, deshalb nennt man eine Fliegenklatsche "Ios Rache". - Blödsinn. Das hab ich grad erfunden.)

Und welchen Teil der Geschichte hat die Lucia Riccelli nun gemalt? Kühe kommen da zumindest keine vor. Mit skizzenhafter Schmissigkeit wirft sie anmutige nackte Frauen aufs rohe Leinen. Kleckst in den verführerischsten Farben herum. Sehr flüssig. (Passt ja. Schließlich ist Ios Papa ein Flussgott.) Das Pinseln allein ist schon pure Erotik. Und der Zeus? Wird völlig ignoriert. Sind das feministische Manifeste? Na ja, eigentlich ist der Titel "Io" nicht griechisch, sondern italienisch: "Ich." Und wieso sind dann manchmal zwei Frauen auf einem Bild? Hm. I and myself are waiting for me.
Galerie Lang Wien
(Seilerstätte 16)
"Io", bis 19. Mai
Di. - Fr.: 12 - 18 Uhr
Sa.: 11 - 16 Uhr
Humor ist wasserfest
(cai) Was ist keine künstlerische Technik? a) Essig und Öl auf Salatblatt, b) Öl auf Leinwand oder c) Sardinen in Öl. Antwort: Alles außer b) Öl auf Leinwand. Die Ölbilder in der Galerie zs art (sprich zart?) sind freilich so unorthodox, die sind ja schon originell. Als Nächstes stellt jemand Ölsardinen her, indem er die Fische betrunken macht. Dann sind sie jedenfalls auch im Öl.
Christian Zürn befestigt seine Ölfarben nämlich nicht mit dem Pinsel auf dem Bildträger, sondern brutal mit Klebeband. (Ölfarben? Ach so, weil Plastiksackerln aus Erdöl erzeugt werden.) Wenn er transparente Folien wie Hautfetzen malerisch arrangiert, ist dieses "Sackarell" geradezu ein Aquarell. (Wow!) Und gern stopft er eine große Portion "Mysterium" in einen blickdichten Sack und klatscht den an die Wand. Ein Andachtsbild für den Brachialhumor? (Brachialhumor. Lacht da das Publikum ins Speibsackerl? Oder kommt brachial gar nicht von Erbrechen?) Diese Trümmer sind mitunter unverzeihlich banal, doch dann drapiert und überdehnt Zürn das Material so effektvoll, dass man es anstarren muss. Das ist trotzdem nix gegen die Effekte, die Irene Wölfl hinkriegt. Wie die mit Einkaufssackerln und Duschvorhängen umgehen kann! Sie schichtet, faltet, webt mit unglaublicher Präzision Stimmungslandschaften, hektische Stadtimpressionen, Porträts. Sackelt leibhaftige Pointen ein (ein Plastikmesser aus dem Flieger . . .). Überall subtiler Witz. Ihre Liz Taylor à la Warhol: Da ist eine diskrete Wodka-Werbung versteckt. Noch dazu sind die Bilder pflegeleicht. (Abwaschbar.)
zs art Galerie
(Westbahnstraße 27 - 29)
"Öl/Bilder"
Bis 31. Mai
Mo. - Fr.: 11 - 19 Uhr
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