(cai) Dass sich Leute ein Wasserbett kaufen, das ist völlig normal. Aber wer versucht schon allen Ernstes, einen Teppich aus Wasser zu weben (noch dazu einen mit Fransen), um ihn dann an die Wand zu hängen? Na ja, der Robert Gschwantner. Und er hat es nicht nur versucht. Ist das nicht eigentlich wider die Physik? Weil genauso gut könnte man sich aus Heizöl einen warmen Schal stricken oder aus Sojamilch ein Blattl Veganer-Wurst häkeln und ein Brot damit belegen. (Ich schaff es ja nicht einmal, beim Händewaschen einen Knoten in den Wasserstrahl zu machen.)
Okay, das Wasser wird in Infusionsschläuche gefüllt. (He, ich kann einen Knoten in einen Wasserstrahl machen. Ich mach ihn einfach in den Gartenschlauch und dreh das Wasser auf.) Enttäuscht? Ja, wenn das bereits alles wäre. Doch woher kommen die erstaunlichen Farbeffekte, die aufregenden bunten Muster, die Schlieren? Hat der Künstler das Wasser eingefärbt? Und wenn ja: Wie hat er es hingekriegt, dass sich die Farben nicht zu einer braunen Suppe vermischen? So: Die Farben befinden sich gar nicht in den Schläuchen. Sie picken dahinter. Fotos vom Mittellandkanal in Deutschland, bis zur Unkenntlichkeit bearbeitet und auf Folie aufgebracht. Und der besondere Gag: Das Nasse in den Schläuchen stammt aus ebendiesem Kanal. Die Kunst hat ein intimes Verhältnis mit der Natur. Diese sensationelle Form des Landschaftsaquarells dürfte ziemlich einzigartig sein. Gut, Gschwantner wendet Tricks an. Aber das macht der David Copperfield auch, oder?

Artmark Galerie
(Singerstraße 17)
Robert Gschwantner, bis 26. Mai
Do., Fr.: 13 - 18 Uhr
Sa.: 11 - 15 Uhr
Der Himmel hängt voller Geier
(cai) Äh, was les ich auf dem Schild dort? Unbeaufsichtigte Kinder werden an den Zirkus verkauft? Ach so, da steht eh nicht: " . . . werden an die Knusperhexe verfüttert." Trotzdem: Ja, darf man denn das? Wahrscheinlich schon. Im Showbusiness und in der Wirtschaft ist schließlich alles erlaubt. Und in der Kunst sowieso. Die Reklametafel in der afrikanischen Savanne kommt mir allerdings nicht ganz koscher vor. Oca-Ola? Ist das Suaheli? Nein, ich glaub, Teletubbylonisch. Der Tinky-Winky sagt zur heißen Schokolade ja sicher auch "A-Ao".
Aber ist der Slogan "Oca-Ola - Makes You Feel White Instantly" nicht politisch unkorrekt? (Liebe Afrikaner, trinkt das schwarze Wasser aus Amerika und ihr fühlt euch wie Kaffee, in den man viel, viel Milch geschüttet hat!) Helmut Grills Humor ist eben sehr dunkelweiß. Einmal ist er unterm Gürtel sogar liniert, äh: liegt die Pointe unter der Gürtellinie. "The Golden River": Da pinkelt ein Bub nämlich in einen goldgelben Fluss, entleert seine "Goldader". Am Computer kreiert Grill hinterfotzige fotosurrealistische Welten. Ein morbides Schlaraffenland, wo der Himmel voller Geier hängt (und voller Geschenke). Verwunschene Bars sind beschmiert mit Manifesten aus der Spraydose ("Proud to be a fool"). Überwältigende Weltuntergangsromantik. Mich jedenfalls haben die minuziös mit respektlosem Witz eingerichteten Paranormal-Landschaften, nein: Panoramalandschaften, dazu gebracht, mich wie Hänsel und Gretel vorm Lebkuchenhaus zu benehmen. Alles gierig in mich reinzustopfen. Aber ich hab wenigstens bloß mit den Augen gegessen.
Suppan Contemporary
(Habsburgergasse 5)
Helmut Grill, bis 2. Juni
Mo. - Fr.: 12 - 18 Uhr
Sa.: 11 - 13 Uhr
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