• vom 14.03.2006, 11:51 Uhr

Chronik


Tödlicher Streit wegen Lärmbelästigung im 20. Bezirk

Immer Ärger mit den Nachbarn




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Von Katharina Schmidt

  • Polizei sind oft die Hände gebunden.
  • Gemeindebauten: Delogierung, wenn Mediation nicht hilft.
  • Wien. Laute Musik mitten in der Nacht, Gepolter am Gang, betrunkene Beisl-Heimkehrer - und die Nachbarn können nicht schlafen. Eine derartige Situation ist im 20. Bezirk in der Nacht auf vergangenen Sonntag eskaliert. Nach einer heftigen Auseinandersetzung erstach ein 42-Jähriger einen Jugendlichen, der mit seinen Freunden am Gang gelärmt hatte.

Der Mann hatte die jungen Männer bereits wiederholt angezeigt, die Exekutive kann in solchen Fällen jedoch kaum eine weitere Eskalation verhindern.

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Peter Jedelsky, Leiter des Kriminalpolizeilichen Beratungsdienstes in Wien, erklärt, warum: Man gehe zwar jedem Anruf wegen Ruhestörung nach, mehr als verwarnen könne man die lauten Nachbarn aber zunächst nicht. Erst bei anhaltendem Lärm wird der Ruhestörer auf freiem Fuß angezeigt.

"Einsperren geht nicht"

Ähnlich ist das Vorgehen bei gewalttätigen Auseinandersetzungen: Leichte Körperverletzung sei noch kein Haftgrund, "auch bei schwerer Körperverletzung wird der Täter nicht sofort eingesperrt", sagt Jedelsky. Dauerhafter eingreifen als die Polizei kann der Hausverwalter. Geht etwa bei Wiener Wohnen, das die 220.000 Wiener Gemeindewohnungen verwaltet, eine Beschwerde ein, wird der Betroffene vorgeladen, mit dem Vorwurf konfrontiert und abgemahnt.

Laut Gerd Millmann, Sprecher des zuständigen Stadtrats Werner Faymann, entstehen Konflikte in Gemeindebauten durch Generationenkonflikte oder durch die unterschiedliche Lärmtoleranz von Zuwanderern und Alteingesessenen.

Wiederholtes "unleidlichliches Verhalten" könne auch zur Delogierung führen, so Millmann. Dies sei aber die letzte Konsequenz. Zuvor werde versucht, die Streitparteien mit Hilfe der Gebietsbetreuung zu beruhigen. Die Gebietsbetreuung bietet unter anderem kostenlose Mediation an. Wenn auch Streitschlichtung nicht funktioniert, versucht Wiener Wohnen eine Ersatzwohnung für eine der Parteien zu finden.

Betreutes Wohnen

Oft seien aber auch Menschen betroffen, denen "man das Wohnen erst beibringen muss", erklärt Millmann. Diese hätten nach der Delogierung die Möglichkeit, in einer der rund 2600 betreuten Wohnungen des Fonds Soziales Wien unterzukommen. www.gebietsbetreuungen.wien.at



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Dokument erstellt am 2006-03-14 11:51:45
Letzte Änderung am 2006-03-14 11:51:00



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