• vom 09.09.2009, 17:31 Uhr

Chronik

Update: 09.09.2009, 17:32 Uhr

Prozess beginnt - Zu Tode geprügelt im Bermudadreieck




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Von Stefan Beig

  • Mord-Anklage gegen Skinhead.
  • Es begann mit zu viel Wodka.
  • Wien. Ungewöhnlich brutal ist die Tat, die heute, Donnerstag, und Freitag das Wiener Straflandesgericht beschäftigt. Ein 53-jähriger Arbeitsloser aus Wien-Landstraße wurde vor einem halben Jahr in der Rotenturmstraße durch Schläge und Fußtritte bis zur Unkenntlichkeit geprügelt. Die Kripo konnte kein Foto des Mannes veröffentlichen, weil sein Gesicht nicht mehr erkennbar war.

Angeklagter ist der 23-jährige Jürgen K. Äußerlich scheint er ganz in das Bild des Gewaltverbrechers zu passen: Er ist leidenschaftlicher Thai-Boxer, gehörte früher zur rechtsextremen Hooliganszene, hat einen kahlen Kopf und Tätowierungen und ist bereits vorbestraft. Schon zweimal musste er wegen einer Schlägerei hinter Gitter. Dennoch können Bekannte und Freunde kaum fassen, was sich in den Morgenstunden des 24. März ereignet haben soll.

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Taxifahrer rief Polizei

"Wir waren zu viert in einigen Lokalen, zuletzt im Roten Enge" berichtet Christian Frasl, ein guter Freund des mutmaßlichen Täters, der zum Augenzeugen der Tat wurde. "Wir haben insgesamt acht Flaschen Wodka in der Nacht getrunken. Um drei Uhr Früh ging Jürgen sturzbetrunken weg, kam aber nach einer Dreiviertelstunde wieder zurück: Seine Freundin hat ihn nicht in die Wohnung gelassen. Nach einer halben Stunde brachen wir auf, Jürgen war hinter mir."

Was danach geschah, ist auch für Frasl rätselhaft. "Plötzlich war Jürgen nicht mehr da. Ich rief ihn an und lief zum Lokal zurück. Doch ich fand ihn nicht. Plötzlich hörte ich einen Schrei aus den Rotenturmstraße."

Jürgen hatte sich mit dem Arbeitslosen angelegt. Zuerst schlug er mit seinen Fäusten, dann mit seinen Füßen auf das Opfer ein. Frasl kam dazu und rief Jürgen zu aufzuhören, doch der sprang vor den Augen seines Freundes und eines schockierten Taxifahrers ein weiteres Mal auf das bereits am Boden liegende Opfer. Der Taxifahrer rief sofort die Polizei, Jürgen ergriff die Flucht. Danach sah ihn ein Passagier mit blutigen Stiefeln im Nachtautobus. Am nächsten Tag schnappte ihn die Polizei bei seiner Freundin.

"Er war von Sinnen"

Christian Frasl meint, dass sein Freund zu betrunken war, um überhaupt zu realisieren, was er getan hat. "Mir ist das unbegreiflich", so Frasl. "Er hatte sich bereits aus der Hooligan-Szene zurückgezogen und war in den letzten Jahren niemals gewalttätig. An seiner Tat gibt es nichts zu entschuldigen, aber er war von Sinnen. Er hat die Leiche und nachher sogar mich angeschrien, was er noch nie getan hat."

Angesprochen auf den betrunkenen Zustand des mutmaßlichen Täters betont der Geschäftsführer des "Roten Engel": "Die Personen hatten bereits Alkohol konsumiert, bevor sie zu uns kamen. Sie waren aber überhaupt nicht aggressiv, ansonsten hätte sie der Türsteher nicht hineingelassen." Die vier Gäste seien schon früher im "Roten Engel" gewesen, ohne Probleme zu verursachen.



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2014
Dokument erstellt am 2009-09-09 17:31:56
Letzte Änderung am 2009-09-09 17:32:00

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